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    MAKE LOVE GREAT AGAIN
    Kolumne - Müssen wir Frauen etwas optimieren, um unser Sexleben zu verbessern? Ja und Nein sagt Sexologin Jana Welch

    Sexologin Jana Welch teilt mit uns ihre Gedanken. Wo liegt eigentlich der Hund begraben? Was müssen wir Frauen optimieren, um unser Sexleben zu verbessern? Wer sich auf Janas Perspektivwechsel einlässt, merkt schnell, dass es gar nicht darum geht, es perfekt zu machen. Ein bisschen mehr Spontanität und weniger Anspruch können der Schlüssel zu tollem Sex sein. 

     

    Stellt euch mal vor wir starten heute in eine neue weiche und feminine Zukunft. Eine wo wir Frauen unsere weibliche Seite verstärkt ausleben können. Wo wir unsere ganze Verrücktheit, unsere kreativen Gedanken und unsere sexuellen Gelüste ausleben dürfen – ohne unseren Mann stehen zu müssen. Einfach Frau sein. Zumindest auf sexueller Ebene.

    Was würde das für dich bedeuten und wann kannst du Frau und weiblich sein?

    Ich stelle diese Frage in meiner Praxis sehr gerne. Denn nur wenn wir uns weiblich fühlen, kann sich der Mann auch männlich fühlen. Es braucht die Polarität. Diese übrigens kann sich ein Paar auch teilen – und das sehe ich ziemlich häufig. Männer werden zunehmend weicher und Frauen fokussierter, zielgerichteter. Das kann funktionieren. Im Alltag meist sogar ziemlich gut.

    Die Frau plant strategisch erfolgreich das Leben des Paares. Sie weiß, wann die Kinder Ferien haben, wann welche Oma Geburtstag hat und welches Kind wann zu einem Geburtstag eingeladen ist. Sie nimmt mehr und mehr Raum ein und dreht ihre Kurven auf der Überholspur. Die Karriere läuft.

    Der Mann wird zusehends phlegmatischer – denn in diesem Tempo würde er das nie schaffen. Er überlässt mehr und mehr diese in seinen Augen unwesentlichen Dinge seiner Partnerin. Er wägt für sich ab, ob es denn überhaupt Sinn machen würde, sich „da“ einzumischen. Lob für die Aufgaben, die er übernimmt, bekommt er selten. Denn Sie kann es nicht nur besser, sondern erledigt alles in doppeltem Tempo. Er dringt immer weniger in ihre Lebensbereiche ein – und auch immer weniger in seine Frau.

    Und jetzt wird es interessant.

    Sex optimieren – heisst nicht perfektionieren!

    Der Abend neigt sich zum Ende. Und beide gehen ins Bett. Beide denken ans Liebe machen. Dass es schön wäre, den anderen mal wieder zu fühlen. Haut zu streicheln. Wegstreicheln vom Alltag. Sie hat alles vorbereitet. Die Heizung im Schlafzimmer ist hochgestellt, die Kerzen tauchen das Zimmer in ein romantisches Licht, es riecht nach einer Mischung aus natürlichem Zedernholz und Amber. Stimulierend steht auf der Duftkerze – angereichert mit Essenzen aus kontrolliertem Anbau. Sie hat geduscht – und ihr „Bett-Verführ-mich“– Parfum aufgelegt. Ihre Vulva hat sie sorgfältig gereinigt – mit pH-neutraler Waschlotion. Sie ist gewaxt – einmal im Monat durchsteht sie diese Tortur. Manchmal denkt sie, dass es sich kaum lohnt, sich zu waxen – so selten wie ihr Mann dahin schaut oder sie „da unten“ berührt. Aber heute hat sie gefühlt, dass es wieder mal soweit ist.

    Er hat sich auch bettfertig gemacht. Er ist aufgeregt – fast so, als ob er kurz vor einem Board Meeting stünde. Ob er sie wohl zum Orgasmus bringen wird, ob er wenigstens hier seinen Mann stehen wird, ob er wohl alles „richtig“ machen wird? Beim Essen wäre die Stimmung fast gekippt, aber dann hat sie ihm einen Kuss in den Nacken gegeben. Ein meist untrügliches Zeichen dafür, dass sie Lust haben könnte. Sie war schon ins Schlafzimmer verschwunden und er war extra nochmal runtergegangen, um zwei Gläser Crémant zu bringen – aber die Flasche war schon weg und das Feuerzeug aus der Küche auch.

    Als er die Tür zum Schlafzimmer öffnet, weiß er warum. Alles ist perfekt. Die Kerzen sind schon an, da drüben stehen die Gläser, der Crémant ist geöffnet und seine Frau schenkt gerade ein und lächelt ihn an. Er fühlt sich als Romantik Versager. Auch hier hat seine Frau alles im Griff. Sie sieht perfekt schön aus – und er fühlt förmlich die Haare an seinem besten Stück, die er vergessen hat, weg zu rasieren. Obwohl er weiß, dass sie das hasst. Er hat Stress und die kleine Erektion in seiner Hose wird noch kleiner.

    „Mit Stress im Körper kann kein Mann performen. Und bevor ihm das passiert – hat er lieber keinen Sex!“

    Warum beschreibe ich diese Situation?

    In meiner Praxis häufen sich in letzter Zeit Paare, bei denen die Frau mehr Lust hat als der Mann. Gerade weil ich hier für Frauen schreibe, ist es mir so wichtig, dich auf einen Perspektivenwechsel für die Zukunft einzuladen. Oft steckt hinter dieser vermeintlichen Lustlosigkeit nicht – wie so gerne formuliert – Berufsstress etc. – sondern vielmehr zu wenig Raum für den Mann, um Mann zu sein. Männer wollen verführen, erobern – die Frau HUNTEN. Wenn aber das Wild schon erledigt und filetiert im Bett liegt – dann wird es für den Jäger einfach wenig spannend. Damit meine ich nicht, dass wir Frauen unsere sexuelle Entwicklung abgeben sollen oder brav in der Küche warten müssen, bis der Mann uns an die Wand drückt und unseren Rock hochschiebt…!

    Wenngleich es genau der Part mit „an die Wand drücken“ wäre, der so manche selbstbewusste Frau einen wunderbaren Erregungsreflex bescheren würde. Im Zeitalter der weiblichen Emanzipation, traue ich mich das fast nicht zu schreiben – aber wenn der Mann, natürlich im Einverständnis mit der Frau, seine Dominanz ab und an ausleben kann, so kann das durchaus zu dem Sex führen, den wir Frauen uns manchmal wünschen. Nicht umsonst war Shades of Grey so ein großer Erfolg.

     

    Also meine lieben Frauen. Vielleicht seid ihr in Zukunft nicht so super perfekt, so organisiert und bestimmend. Genießt es doch, euren Mann für die Dinge einzuspannen, die er vielleicht sogar gerne übernehmen würde. Und seid nachsichtig mit euren Männern, wenn sie am Anfang eine Kerze zünden, die nicht organisch hergestellt wurde.

    Hauptsache er kann die Flamme wieder zünden und sich wieder männlich fühlen. Und wir wieder mehr Frau sein. Was auch immer das für DICH bedeutet.

    Eure Jana

     

     

     

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