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    Familienfreundliches Arbeiten
    Home Office, flexible Arbeitszeiten und eine offene Kommunikation. So kann auch dein Arbeitgeber Platz für Vereinbarkeit schaffen - Interview mit Businesscoach Julia Hartmann

    Wie kann ich ein familienfreundliches Unternehmen führen? Diese Frage hat sich auch Julia Hartmann gestellt, die Gründerin der Plattform Locally Inspired  für faire und nachhaltige Shoppinginspirationen. Als Businesscoach und Kommunikationsexpertin für Marken und Teams gilt ihre ganze Leidenschaft dem Unternehmertum der Zukunft. Nach vielen beruflichen Stationen, Erfolgen und Rückschlägen weiß sie für sich nun ganz genau, wie das für sie aussehen soll. Natürlich heißt auch hier das Zauberwort Vereinbarkeit und familienfreundliches Arbeiten. Genau das setzt Julia auch in ihrem eigenen Unternehmen um. Natürlich mit Erfolg. 

    Liebe Julia, du hast schon einige Unternehmensgründer begleitet und ihnen bei der Findung ihrer Ausrichtung und Ziele geholfen. Was gibst du ihnen mit auf den Weg?

     

    Julia: Mein aller bester Tipp für den Weg dorthin lautet: „Please do NOT Hustle Harder“. Es heißt immer – Nur wer besonders hart arbeitet, kommt ans Ziel! Ich bin da ganz anderer Ansicht. Darum sind meine Arbeit als Markenberaterin und ausgebildeter Business Coach (DBCA) und meine Workshops so ausgelegt. Ich will Selbständige und Unternehmer dabei unterstützen, ein Business aufzubauen, das Arbeit und Leben zu einem ganzheitlichen Erfolg macht. Und ihnen Handwerkszeug verteilen, das sie von Chaos, Stress, Überforderung und Druck befreit und wieder zurück in den FLOW bringt.  

    Das klingt wirklich überzeugend und ansteckend und Mut machend. Aber wie hat es für dich persönlich angefangen. Gab es für dich einen Moment des Umdenkens oder lag es für dich schon immer auf der Hand, wie man ein Unternehmen optimal führt? 

    Julia: Ich persönlich hatte schon immer ein unbestimmtes Gefühl, dass die Art und Weise wie Unternehmensführung und auch Führung von Menschen gelebt wird, so gar nicht dem entspricht, was ich mir wünsche oder als sinnvoll erachte. Dieses unbestimmte Gefühl hat mich dazu gebracht, sehr lange und intensiv nach alternativen Unternehmens- und Führungsmöglichkeiten zu suchen, die sich für mich stimmig anfühlen. Die nichts mit Hierarchie zu tun haben oder strengen Regeln. 

    Ich wollte eine freundschaftliche Atmosphäre erzeugen, in der jeder eigenverantwortlich und mit Freude arbeiten kann. Lange dachte ich, das sei eine naive Utopie. Ich bin sehr froh, dass ich mich nicht von diesem Gedanken abbringen habe lassen, weiter nach Inspirationen und Vorbildern zu suchen und am Ende dadurch für mich eine stimmige und erfüllende Lösung für mein Unternehmen gefunden habe.

    Wie genau sieht das nun in der Realität aus?

    Julia: Ein Unternehmen in der heutigen Zeit optimal zu führen, bedeutet meiner Meinung nach vor allem NEU zu denken. Das wiederum bedeutet immer wieder Neues auszuprobieren. Das ist auch der Grund, warum es den EINEN optimalen Weg, ein Unternehmen zu führen, für mich nicht gibt.

    Neues und Unbekanntes auszuprobieren, heißt leider auch immer wieder, Dinge falsch zu machen. Die einzige Lösung, um ein wirklich gutes Unternehmen aufzubauen, das nachhaltig funktioniert, ist für mich neu zu denken, auszuprobieren, mir Fehler zu erlauben und dann daraus zu lernen und damit Schritt für Schritt näher an ein optimal geführtes Unternehmen zu kommen.

    Jedes Team und jedes Unternehmen muss für sich erst ausprobieren, um dann herauszufinden, was es braucht, um optimal zusammenarbeiten zu können und das volle Potential im Team leben zu können.


    Also, sehr individuell? Aber hast du für dich eine Struktur und einen Codex festgelegt, an die du dich bei der Arbeit hältst, um ein Unternehmen der Zukunft zu unterstützen?

    Julia: Für mich geht es in erster Linie nicht um Mann oder Frau, Mutter oder nicht Mutter, Vater oder nicht Vater. Ein zukunftsweisendes Unternehmen ist für mich vor allem das hier: ein menschenfreundliches Unternehmen. Dort geht es erst einmal darum, auf den Positionen im Unternehmen Leute zu haben, die zum einen menschlich und zum anderen fachlich am besten passen. Wenn man die Besetzung dann gefunden hat – ob Mann oder Frau mit oder ohne Kind – sollte das Unternehmen so flexibel sein, die Stelle nach den Bedürfnissen der jeweiligen Person auszurichten. 

    Wenn Unternehmen lernen flexibel mit den Bedürfnissen ALLER Mitarbeiter umzugehen, liegen für mich die Vorteile ganz klar darin glückliche, gesunde, motivierte und energiegeladene Mitarbeiter zu haben, die in Eigenverantwortung das Unternehmen voranbringen. Diese Auswirkungen beweisen immer mehr Studien aus Unternehmen, die diesen Weg schon gegangen sind. Speziell für Mütter bedeutet das für mich zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, wo auch mal spontanes Homeoffice möglich ist, wenn Kinder krank werden.  

    Ja, daran scheitern viele Mütter im Berufsalltag. Da fehlen oft flexible Lösungen, obwohl sich alles doch so logisch und einfach anhört. Was können bei der Umsetzung denn mögliche Herausforderungen für ein Unternehmen sein? 

    Julia: Die Herausforderung lag und liegt für mich vor allem darin, das ganze Team bei so viel Flexibilität unter einen Hut zu bekommen. Damit das funktioniert, braucht ein Team gute Routinen und vor allem eine regelmäßige und gute Kommunikation. Nicht nur fachliche und faktische Kommunikation per Skype, sondern vor allem persönliche Treffen, bei denen immer wieder die Bedürfnisse und Wünsche aller Beteiligten offengelegt werden und dann gemeinsam auf einen Nenner gebracht werden. Dieser offene und regelmäßige Austausch, erfordert Zeit und Geduld. Beides ein rares Gut in vielen Unternehmen. Für mich ist diese Zeit das wertvollste und beste Investment und stellt die Basis für ein Unternehmen dar, in dem alle Mitarbeiter und vor allem ich selbst gerne arbeite.


    Da hältst du den Finger auf den Kernpunkt: die Vereinbarkeit. Obwohl das Thema so brandaktuell, allgegenwärtig und extrem dringend ist, ist der Prozess zu einer besseren Vereinbarkeit so zäh. Woran liegt das? 

    Julia: Der Grund, warum der Prozess in eine neue Richtung des Unternehmertums und zu einer besseren Vereinbarkeit so zäh ist, und das obwohl das Thema brandaktuell und dringend ist, liegt für mich in der Angst, Neues auszuprobieren und als Unternehmen nicht zu wissen wo dieser neue Weg überhaupt hinführt. 

    Wenn mehr Flexibilität für Mütter und Väter Einzug hält, würde das am Ende vielleicht bedeuten, dass sich auch andere diese Flexibilität wünschen. Und das bringt viele Unsicherheiten mit sich für ein Unternehmen, weil es ein Umdenken, Ausprobieren, Vertrauen und auch mal Scheitern erfordert. 

    Eine Lösung für diese Herausforderungen bringt der Titel des Buches von Joana Breidenbach und Bettina Rollow recht gut auf den Punkt: „New Work needs Inner Work“. Der Titel des Buches weist auch darauf hin, dass es keine wirklich einfache Lösung gibt. Es gibt nicht die eine Stellschraube, an der ganz einfach gedreht werden kann, um ein Unternehmen in die Richtung besserer Vereinbarkeit zu bringen.  

    Aber welche Stellschrauben könnte denn dann jedes Unternehmen ganz einfach drehen?

    Julia: Für mich gibt es vier klare Punkte, die auf diesem Weg weiterhelfen werden:

    • Das Thema durchweg positv besetzen
      Ich habe das Gefühl, dass gerade sehr viel der Fokus auf das gerichtet wird, was nicht funktioniert. Stattdessen sollten wir uns umsehen, wo wir Unternehmen finden können, bei denen Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon sehr gut funktionieren.
    • Positiven Beispielen folgen und von ihnen lernen
      Wir sollten Ausschau halten nach Vorbildern, an denen wir uns orientieren können. Wir können von ihren Fehlern lernen und neue Ideen daraus entwickeln.
    • Veränderung als Chance sehen
      Ein offener Austausch und eine ganzheitliche Auseinandersetzung – emotional und authentisch – würden viele Ängste nehmen und viel Freude bringen. Und genau das ist es, was fehlt. Die Freude an der Veränderung.
    • Sprecht miteinander
      Eine weitere Sache, die für mich eine zentrale Rolle für Veränderung in jedem Unternehmen spielt, ob klein oder groß, ist das Thema Kommunikation.

     

    Viele Frauen, die nun bis hierher gelesen haben, tun das Ganze Thema jetzt vielleicht als Traumvorstellung ab, die für das Unternehmen, in dem sie arbeiten, noch in weiter Ferne liegt. Nicht jeder Chef ist gedanklich schon so weit. Wenn ich jetzt in einem eher konservativ gestrickten Unternehmen arbeite, was kann ich dort vielleicht selbst tun, um diesen Prozess in Gang zu bringen?

     

    Wie könnte ich mich engagieren, um das System von innen brechen? Gibt es Maßnahmen, die ich für meinen Vorgesetzten vordenken oder auch konkret vorschlagen kann? Viele Chefs kommen ja einfach nicht selbst auf Ideen und sind froh, wenn die Maßnahmen auf dem silbernen Tablett serviert werden.

    Julia: Der erste Schritt, um etwas im Unternehmen in dem man arbeitet zu verändern, ist, sich Inspirationen zu holen – zum Beispiel aus Büchern, Podcasts oder von Freunden, bei denen vielleicht schon spannende Maßnahmen im Unternehmen etabliert wurden. Gut vorbereitet zum Chef zu gehen, mit konkreten Vorschlägen, die man gerne ausprobieren würde, ist dann der nächste Schritt. Wenn solche Vorschläge von der Führungsebene offen angenommen werden, kann man damit super viel bewirken. 

    Leider bekomme ich immer wieder mit, dass Angestellte viele Ideen haben und versuchen, sie bei ihren Abteilungsleitern und Vorgesetzten zu implementieren. Immer und immer wieder. Meist ohne Unterstützung und großes Interesse von der Führungsebene. In diesem Fall würde ich dazu raten, nicht das System brechen zu wollen. Es kostet viel wertvolle Energie, die in einem offeneren Unternehmen sehr viel besser investiert ist. Zum Glück gibt es immer mehr von diesen sehr menschenorientierten und zukunftsweisenden Arbeitgebern.

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    Geh am Ende des Tages wieder mit dem Gefühl nach Hause wirklich etwas geschafft zu haben – und das mit genügend Energie für das schöne Leben neben deinem Job.

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