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    Wer hat Angst vor Therapie?
    Ab wann braucht man psychotherapeutische Hilfe? Welche Therapie ist die richtige und wie finde ich am schnellsten einen freien Therapieplatz?

    Sollte es nicht ganz selbstverständlich sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn man selbst nicht mehr weiterkommt? Warum hat man als Eltern ein schlechtes Gewissen, wenn man an seine eigenen Grenzen stößt? Es ist schade, dass für viele das Thema Therapie ein Tabu ist und darüber selten offen gesprochen wird. Wir haben eine Psychoanalytikerin für Kinder und Jugendliche darum gebeten, einem Angstthema den Stachel zu ziehen. Je schneller wir begreifen, dass eine Therapie kein Stigma oder Eingeständnis unseres Scheiterns als Eltern ist, desto früher werden du und dein Kind wieder auf den richtigen Weg aus der familiären Krise gebracht.

    Klar kennt jede Mama diese Phasen. Damit kann man sich jede noch so schwere Situation zwischen Mama und Kind schönreden. „Das ist hoffentlich nur eine Phase. Geht schon bald wieder vorbei.” Meistens. Die seelische Entwicklung von Kindern ist in aller Regel mit Höhen und Tiefen verbunden. Egal in welchem Alter, manchmal auch schon vor, während oder nach einer Schwangerschaft bis ins Erwachsenenalter und darüber hinaus, kannst du mit schwierigen Phasen im Leben deiner Kinder konfrontiert sein. Nicht jede dieser schwierigen Phasen ist der Ausdruck einer seelischen Erkrankung. Oftmals gehören sie zum gesunden Großwerden dazu. Solch ein gestörtes Entwicklungsgleichgewicht kostet zwar Nerven, lässt sich aber meist nach kurzer Zeit gemeinsam überwinden und gleicht sich wieder aus.

    Aber wie erkennt man, dass man vor einem ernstzunehmenden Problem steht und eine Therapie helfen könnte?

    Manchmal dauern die Tiefphasen länger an, spitzen sich zu, erscheinen unverständlich und Betroffene und deren Eltern sind verunsichert. Eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie kann in jedem Alter deines Kindes hilfreich sein. Das Altersspektrum reicht von 0 bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und manchmal auch darüber hinaus, denn in jedem Alter gibt es Entwicklungshürden, die gemeistert werden müssen, kann Unvorhersehbares eintreten (z.B. eine Trennung der Eltern) und die Seele in Not geraten. So gibt es beispielsweise Psychotherapien, die schon sehr früh Hilfestellung anbieten, wenn z.B. Schrei-, Schlaf- oder Fütterschwierigkeiten im Säuglingsalter auftreten.

    Wo finde ich Hilfe und die richtige Therapie, die zu meinem Kind passt?  

    Es gibt eine Vielzahl von Tätigkeiten, die psychotherapeutische Unterstützung anbieten – von psychotherapeutischer Beratung über psychotherapeutischer Begleitung bis hin zur heilkundlichen Psychotherapie. Letztere fällt unter das Psychotherapeutengesetz, welches regelt, wer besagte heilkundliche Psychotherapie unter der Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ausüben darf. Auf diese Psychotherapeutinnen und im speziellen auf „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen“ sei hier der Fokus gelegt.

    Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen durchlaufen, wie alle approbierten Psychotherapeutinnen, eine intensive und mehrjährige Ausbildung, um umfassendes Wissen zu erlangen. Die Ausbildung schließt, wie u.a. bei den Medizinerinnen, mit der Approbation ab, also der Genehmigung und staatlichen Zulassung, die Heilkunde ausüben zu können und sich „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin“ nennen zu dürfen. Die Approbation ist also ein wichtiges Qualitätskriterium und verweist auf diese mehrjährige Weiterbildung. Nicht alle approbierten Therapeutinnen und Ärztinnen verfügen über eine Kassenzulassung, aber alle Therapeutinnen und Ärztinnen mit einer Kassenzulassung verfügen über eine Approbation. Nur bei niedergelassenen Therapeutinnen, also Therapeutinnen mit einer Kassenzulassung, kann die Psychotherapie über die jeweilige gesetzliche Krankenkasse abgerechnet werden. Privatpatientinnen haben es da etwas leichter. Es gilt der altbekannte Satz auf dem Praxisschild: „Alle Kassen und privat“. Es gibt jedoch eine Ausnahme, nämlich dann, wenn nachgewiesen werden kann, dass die niedergelassenen Therapeutinnen keinen freien Platz haben – Stichwort: Kostenerstattungsverfahren. Dazu später mehr.

    Für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen gibt es derzeit drei wissenschaftlich anerkannte Verfahren: die Analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. In aller Regel sind die Therapeutinnen in einem oder zwei der angegebenen Verfahren ausgebildet. Die Therapeutin wird in einem der ersten Gespräche hierzu Auskunft erteilen und ein Merkblatt zu weiteren Informationen und Unterschieden der jeweiligen Verfahren mitgeben.

    Aber wann benötigt ein Kind eine Psychotherapie?

    Die gute Nachricht: Diese Frage musst du nicht allein beantworten, sondern kannst dies im Rahmen sogenannter psychotherapeutischer Sprechstunden und Vorgespräche gemeinsam mit der Therapeutin ausloten. Manchmal erscheinen andere Hilfen viel passender oder lassen sich einfacher in den aktuellen Lebensalltag integrieren (z.B. Erziehungsberatung, Familiencoaching, Elternkurse, Mediation, Ergotherapie, psychotherapeutisch beratende Online-Kurse der Krankenkasse usw.). Manchmal reichen auch wenige Gespräche mit der Therapeutin aus, um eine Krise zu überwinden. Wird jedoch eine Psychotherapie empfohlen, beginnt für die Eltern oder Jugendlichen oftmals eine längere Zeit der Suche nach einem Therapieplatz, denn häufig sind die Praxen ausgelastet.

    Hier ein paar Tipps, um die Suche nach einem Therapieplatz für dich und dein Kind zu verkürzen:

    • Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin muss, wie alle Ärzte, offene Sprechstunden anbieten, d.h, nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung kommt man mittlerweile als Familie schneller an ein Beratungsgespräch (keinen Therapieplatz!), um o.g. Fragen zu klären. Äußere deinen konkreten Wunsch, eine Sprechstunde wahrnehmen zu wollen, um den Bedarf abzuklären. In aller Regel können mehrere solcher Sprechstunden absolviert werden.
    • Die Suche nach einem Therapieplatz ist oft langwierig und aufwändig, denn du musst viele Praxen kontaktieren und nach freien Plätzen fragen. Das ist in einer Notlage anstrengend und bedeutet zusätzlichen Stress. Bleib jedoch unbedingt dran, telefoniere ruhig regelmäßig deine „Therapeutenliste“ ab und vereinbare Vorgespräche bei verschiedenen Therapeutinnen. So lernst du unterschiedliche kennen, kannst überlegen, wer gut zu euch passen könnte und hast „mehrere Eisen im Feuer“.
    • Frag sie nach einer Warteliste und lass dich draufsetzen.
    • Prüfe, ob sie vormittags Therapietermine einrichten können, da dies deine Chancen auf einen freien Platz deutlich erhöht. Die höchste Auslastung haben die Praxen nämlich im Nachmittagsbereich.
    • Kontaktiere psychotherapeutische Ausbildungsinstitute in deiner Nähe. Diese verfügen über eigene Ambulanzen, d.h. dort behandeln Therapeutinnen in fortgeschrittener Ausbildung. Die Qualität ist in aller Regel sehr gut gesichert und auch die Chance, etwas schneller einen Platz zu ergattern, ist etwas größer.
    • Lohnenswert kann auch ein Anruf bei der eigenen Krankenkasse oder der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung sein. Psychotherapeutinnen sollen in den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung ihre freien Terminfenster melden, sodass schneller Plätze vermittelt werden können. Die Servicestellen der Krankenkassen (gesetzlich oder privat) verfügen oftmals auch über Listen mit Praxisadressen.
    • Es gibt auch die Möglichkeit, über das sogenannte Kostenerstattungsverfahren eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zu beginnen. Die Therapeutin verfügt in dem Fall zwar über keine Kassenzulassung (was normalerweise bedeutet, dass die Kosten für dich nicht übernommen werden), hat aber trotzdem die Approbation erlangt. Sie würde normalerweise nur Privatpatienten nehmen oder du würdest die Therapie aus eigener Tasche bezahlen. Kannst du jedoch nachweisen, dass dich 3-5 niedergelassene Therapeutinnen abgelehnt haben, weil sie keinen freien Platz hatten, ist möglich, sich über die Krankenkassen so die Therapiekosten erstatten zu lassen (daher der Name des Verfahrens). Das Erstattungsverfahren selbst wird von der Therapeutin eingeleitet und mit dir ausführlich besprochen.
    • Warte mit deiner Platzsuche nicht bis das Leid unerträglich wird, da du in aller Regel mit Wartezeiten von mehreren Wochen rechnen musst.
    • Ist die Not besonders akut, fahre in die Notaufnahme der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie einer Klinik in Wohnortnähe. Dort wird abgeklärt, ob etwa eine stationäre Aufnahme sinnvoll ist.

     

    Keine Angst vor Therapie

    Wichtig ist vor allem, dass du deinen Kopf davon frei machst, dass eine Therapie nur etwas für kranke Menschen ist, zu denen du und dein Kind natürlich nicht unbedingt zählen. Oft haben sich Situationen in der Familie einfach so festgefahren, dass ein Außenstehender manchmal einen besseren und lösungsorientierteren Blick drauf hat. Es ist schließlich nichts dabei, sich Hilfe zu holen. Eigentlich sollte es vielmehr etwas Selbstverständliches sein. Du hast mit Sicherheit das Beste für dein Kind gegeben. Aber eine professionelle Beratung oder Betreuung kann oftmals viel schneller Knoten lösen, die euch dann schon bald nicht mehr belasten.

     

    Photo by Jelleke Vanooteghem on Unsplash

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