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    Umgang mit Intoleranzen
    Wie lebe und koche ich mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und welche Symptome haben sie? Nathalie erzählt von ihrem Weg, der für sie zur Chance wird

    Nahrungsmittelintoleranzen haben sich im Laufe der letzten Jahre zugespitzt: Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leiden unter Unverträglichkeitssymptomen, vertragen kein Gluten, keine Laktose oder Histamine. Das belastet den Alltag, kann sich negativ auf den ganzen Körper auswirken und die eigene Lebensqualität stark einschränken. Essen und Kochen soll doch Spaß machen, aber wenn alles zur Gefahr wird, fällt einem nichts mehr ein. Wir haben Nathalie Gleitman gefragt, Buchautorin und Macherin hinter dem Blog nathaliescuisine.de (Instagram @nathaliescuisine), die vor einigen Jahren diese Diagnose bekam, sich aber nicht hat entmutigen lassen. Die kosmopolitische Wanderin zwischen den Welten – sie lebt in Tel Aviv und München – hat stattdessen Rezepte entwickelt, die sie verträgt, die sie mit guten Nährstoffen versorgen und die aus Verzicht Gewinn machen. Ihr ganz persönlicher Weg.

    Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Foodblog der besonderen Art zu machen, auf dem du dich vor allem mit den verschiedensten Unverträglichkeiten und Intoleranzen auseinandersetzt?

    Nathalie: Eigentlich lief mein Leben genau nach Plan: Ich bin in München aufgewachsen und habe in England die Schule abgeschlossen. Anschließend ging es direkt nach Tel Aviv, um Business und Marketing zu studieren. Kurz nach meinem Bachelor-Abschluss ging es mir plötzlich immer schlechter. Ich litt unter Schwindel, Magenkrämpfen, Herzklopfen, Verdauungsstörungen und Übelkeit. Meine Beschwerden erreichten ihren Höhepunkt, als ich einfach nicht mehr das Haus verlassen konnte. Nach diversen Untersuchungen wurden dann ärztlicherseits Intoleranzen diagnostiziert. Ab sofort war Essen für mich nicht mehr etwas Selbstverständliches, sondern eine komplexe Herausforderung mit vielen Fragezeichen.

    Was sind denn eigentlich die häufigsten Unverträglichkeiten und mit welchen Symptomen zeigen sie sich?

    Nathalie: Es gibt die Histamin-, Gluten- und Laktoseintoleranz. Natürlich gibt es noch weitere, aber ich war mit diesen dreien konfrontiert und habe mich deshalb vor allem damit beschäftigt und meine Ernährung dahingehend komplett umgestellt.

    Eine Histaminintoleranz äußert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die auftauchen und bei jeder Person anders sein können. Histamin ist ein biogenes Amin, ein Eiweißstoff, der in bestimmten Lebensmitteln vorkommt sowie von unserem Körper selbst produziert wird. Er ist wesentlich an der Abwehr von Entzündungsprozessen beteiligt.

    Einige der typischen Symptome einer Histaminintoleranz sind:

    • Schwellungen der Nasennebenhöhlen, laufende Nase, Niesen, Atembeschwerden, Husten
    • Verdauungsprobleme: Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Sodbrennen
    • Juckreiz, Hautausschlag, Hautrötung, Hitzewallungen (Gesichtsrötung)
    • Schweißausbrüche, eingeschränkte Temperaturempfindung
    • Herzklopfen, Herzrasen, Hypotonie
    • Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel
    • Schlaflosigkeit, Müdigkeit
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Menstruationsbeschwerden
    • Ödeme (Wasseransammlungen, einschließlich geschwollener Augenlider)

     

    Dann solltest du vor allem auf Lebensmittel verzichten wie:

    Alkohol/ Soft Drinks/ Eingelegtes oder Konserven/ Reifer Käse/ Geräuchertes Fleisch/ Schalentiere/ Schokolade/ Essig/ Zitrusfrüchte/ Kakao/ Tomaten/ Aubergine/ Spinat/ Avocado/ Nüsse (außer Macadamia)/ Zusatzstoffe wie Sulfite und Guarkernmehl/ Soja

     

    Wenn eine Glutenintoleranz vorliegt, hat man eine Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, die zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut führen können. Gluten ist ein Klebeeiweiß aus dem Korn diverser Getreidearten. Es ist beim Backen dafür verantwortlich, dass der Teig zusammenhält und das Brot aufgeht, und wird deswegen auch Klebereiweiß genannt.

     

    Auch bei einer Glutenintoleranz zeigen sich die Symptome bei jedem unterschiedlich ausgeprägt:

    • Bauchschmerzen
    • Hautekzeme, Ausschläge
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Blähungen, Blähbauch
    • Durchfall, auch Verstopfung
    • Kopfschmerzen
    • Konzentrationsprobleme, Verwirrung, Müdigkeit

     

    Eine Laktoseintoleranz bedeutet, dass der Dünndarm keine ausreichende Menge an Laktase produziert, das Enzym, welches die Laktose abbaut – den natürlichen Zucker, der in Milchprodukten enthalten ist. Im Unterschied zu einer Nahrungsmittelallergie können bei einer Laktoseintoleranz manchmal kleine Mengen an Laktose verdaut werden. Es ist wichtig, zu wissen, dass Laktose nicht nur in Milchprodukten vorkommt, sondern sehr oft in fertigen Dressings und den meisten Fertigprodukten zu finden ist. Achte stets auf die Beschreibung am Etikett eines Produkts.

     

    Die Symptome einer Laktoseintoleranz beginnen in der Regel 30 Minuten bis 2 Stunden nach einer laktosehaltigen Mahlzeit:

    • Blähungen
    • Magenschmerzen / -krämpfe
    • Völlegefühl
    • Durchfall
    • Erbrechen

     

    Um mit einer Laktoseintoleranz umzugehen, ist die einfachste Lösung, laktosefreie Produkte zu kaufen. Aus meiner eigenen Erfahrung sind diese Produkte nicht einfach in jedem Land zu finden, außerdem enthalten viele laktosefreie Produkte eine Menge von histaminhaltigen Zusatzstoffen wie Johannesbrotkernmehl oder Guarkernmehl. Zum Glück gibt es mittlerweile tolle vegane Optionen. Meine Lieblingsoption ist Kokosjoghurt.

     

    Aber wie bist du bei der Auswahl der richtigen Lebensmittel vorgegangen? Hast du am Anfang einfach alles weggelassen? 

    Ich muss gleich vorneweg sagen, dass ich nur von meiner ganz persönliche Geschichte erzählen kann und meiner Herangehensweise. Ich bin kein Doktor und möchte darauf hinweisen, dass ich keine ärztlichen Diagnosen oder Tipps geben kann. Ich helfe und unterstütze aus eigener Erfahrung und Recherche in Aspekten, die mit dem Alltag und der Ernährung zu tun haben. Für mich war ein Selbsttest relativ einfach gemacht und absolut sinnvoll, weil sich viele Unverträglichkeiten gar nicht anders abklären lassen. Dazu ernährt man sich am besten eine Woche ohne Wenn und Aber nach meinen Rezepten. Geht es dir deutlich besser, ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass Unverträglichkeiten vorliegen, die du dann nochmal punktuell testen kannst, indem du bestimmte Lebensmittel wieder einführst und siehst, wie es dir damit geht.


    Deine Geschichte macht Hoffnung! Du hast wieder angefangen, Lebensmittel von der Liste zu probieren, die vorher für dich verboten waren. Es ist also nicht alles verloren?

    Absolut! Nur in seltenen Fällen sind Lebensmittelunverträglichkeiten genetisch und angeboren. Sie können sich also auch wieder abschwächen oder sogar ganz verschwinden. Wichtig ist eine Ernährungsumstellung im ersten Schritt, damit der Darm auch die Chance hat, sich zu regenerieren. Dann kann man mal wieder ganz vorsichtig Lebensmittel austesten. Wie lange das dauert, ist ganz individuell. Ich habe erst nach fünf Jahren wieder Lebensmittel zurückgeführt. Ich hatte das Gefühl, dass mein Körper wieder bereit war, Lebensmittel auszuprobieren auf die ich jahrelang verzichtet hatte. Über mehrere Monate habe ich nach und nach einige Lebensmittel getestet und zu meinem Erstaunen vertrage ich wieder viele davon. Ich habe mich vorher nicht sicher genug gefühlt und vor allem hat mir tatsächlich einfach nichts gefehlt. Mein Essen hat mir einfach so gut geschmeckt! Ein paar Versuche haben nicht geklappt und ich ernähre mich auch weiterhin gluten- und laktosefrei. Jedoch konnte ich wieder ein paar Histamin Liberatoren und histaminhaltige Lebensmittel einführen. Dazu gehören Kichererbsen, Schokolade, Zitrusfrüchte und Banane. Es gehen noch nicht alle Lebensmittel, aber ich habe keinen Zweifel, dass der Körper mir signalisieren wird, wenn er bereit ist für mehr.

     

    Du hast nach dem ersten Tief ziemlich schnell für dich beschlossen, dass du dich von der Diagnose nicht unterkriegen lassen willst. Die Unverträglichkeiten wurden für dich plötzlich zu einer Chance, etwas Neues ausprobieren zu können. Was hat sich für dich dadurch in Bezug auf Kochen und Essen positiv verändert? Warum muss man nicht zwingend Angst vor der Diagnose haben?

    Auch wenn die Diagnose anfangs erst ein Schock war und einiges an Umgewöhnung mit sich gebracht hat, habe ich es von Anfang an als Chance gesehen, endlich wieder gesund und fit sein zu können. Ich habe vor meiner Diagnose noch nie gekocht und erst durch die Not damit angefangen und einfach ausprobiert. Ich habe nicht nur meine Leidenschaft zum Kochen entdeckt, sondern auch ein ganz neues Körpergefühl entwickelt. Es gibt nichts Schöneres als etwas zu kreieren und seinem Körper damit Gutes zu tun. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben, ganz im Gegenteil. Herausforderungen sind eine Chance zu wachsen und sich diesen zu stellen und gesünder und stärker zu werden. 

    Unser Buchtipp: 

    Me Food My Food My Tel Aviv

    Nathalie Gleitman, die Gründerin von Nathalie’s Cuisine, lädt ein zu einer bunten Genussreise durch ihren ganz persönlichen Sehnsuchtsort – das junge, moderne Tel Aviv. Mit mehr als 120 kreativen Rezepten vermittelt Nathalie das einzigartige Lebensgefühl dieses kulturellen und kulinarischen Hot Spots Israels und zeigt dabei, wie einfach eine gesunde Ernährung (auch bei Lebensmittelunverträglichkeiten) mit leckeren und abwechslungsreichen Rezepten für jeden Tag sein kann.

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    Foto Credit: Liya Geldman für Tretorri Verlag

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