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    „Jede Geschichte ist anders, was wir daraus machen liegt in unserer Hand“
    Eine Einladung zum Perspektivwechsel mit Anna – Mütter aus Deutschland

    Was macht uns aus? – Was wir erleben? Was wir denken? Oder was wir fühlen? Sicher ist es oft ein Mix aus verschiedenen Aspekten. Und: Auch äußere Bedingungen können völlig unerheblich sein. Denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

    Wir wollen euch unterschiedliche Mütter und ihre Geschichten (und ihre Geschichten hinter den Geschichten) vorstellen. Verschiedene Lebenskonzepte und Blickwinkel eröffnen. Denn wie so oft im Leben, reicht schon ein kleiner Perspektivwechsel, damit sich neue Wege aufzeigen. Um besser zu verstehen, was man selber braucht oder auch um das eigene Mind-Set einfach zu erweitern und offener durch’s Leben zu gehen. Denn zu begreifen, wie unterschiedliche wir alle sind, lässt uns nicht nur den Wert jedes Einzelnen individuell besser erkennen und anerkennen, sondern vielleicht auch so leichter bei sich selbst und anderen zu akzeptieren, wenn man etwas anders macht. Denn klar ist: You’re allowed to do things diffenrently!

    Heute stellen wir euch Anna Mendel aus dem Süden Deutschlands vor, selbst Adoptivkind und Mutter von drei Kindern, die uns einen Teil der Geschichte ihrer Familie erzählt.

    Anna – Die Selbstverständliche

    „Meine Adoption war kein identifikationsgebender Faktor“, sagt Anna, die in Jakarta, Indonesien, zur Welt kam und im Alter von einem Monat adoptiert wurde. „Ich muss sogar sagen, dass mich asiatische Länder als Reiseziel überhaupt nicht interessieren – ich leide unter Reiseübelkeit, die Länder sind mir zu heiß und von bestimmten Gewürzen bekomme ich Bauchschmerzen.“

    Divers geprägte Kindheit

    anna mendel rassismus

    Anna kommt als Nesthäkchen in die Familie. Ihre vier Jahre ältere Schwester wurde aus Peru adoptiert, die leibliche Tochter ihrer Eltern ist zwei Jahre älter als sie und sitzt aufgrund einer körperlichen Behinderung im Rollstuhl. „Das hat natürlich die Optik unserer Familie sehr geprägt.“

    Als die Kinder noch klein sind, bauen ihre Eltern ein Unternehmen auf. „Ich bin mit einer Mutter aufgewachsen, die zwar mittags da war, als wir noch kleiner waren, die aber immer gearbeitet hat. Dass meine Mutter arbeitet, war der Normalzustand. Daheim zu bleiben war nie eine Option.“

    Offene und aufgeschlossene Mutterschaft

    Aber so wie sie jetzt das Muttersein lebt, kommt ganz allein aus ihr: „Die Art von Mutter, die ich jetzt bin, kannte ich vorher gar nicht. Ich mache nicht bewusst das Gegenteil, aber ich mache es auch nicht bewusst genauso. Ich bin vielen Elternblogs gefolgt. Ich habe mich viel mit meinem Partner ausgetauscht. Und viele meiner Ansichten haben sich auch durch meine Partnerschaft geändert. 

    Wie leben unseren Erziehungsstil unseren Kindern vor: Ganz wichtig ist für uns ein respektvoller Umgang miteinander. Bei uns gibt es keinen Liebesentzug oder Ausgrenzung, und es wird auch nicht gebrüllt. Unser Stil funktioniert für uns, das heißt aber nicht, dass er für andere funktioniert.“

    „Wie leben unseren Erziehungsstil unseren Kindern vor: Ganz wichtig ist für uns ein respektvoller Umgang miteinander.“

    Anna mendel 1_Muetterbuch2019 (1)

    Rassismus erleben

    Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich und ihre Wurzeln empfindet, trifft aber nicht immer auf Gegenliebe. „Natürlich bin ich dem Rassismus in Deutschland ausgesetzt. Wenn ich meine Schwester früher im Rollstuhl geschoben habe, dann kriegten wir schon mal ein ‚Hitler hätte euch vergast‘ hinterhergerufen. Es ist nach wie vor so – je ländlicher die Gegend ist, desto schwieriger. In größeren Städten ist er so nicht spürbar.“

    „Wenn ich heute mein Umfeld in Diskussionen rund um Rassismus einbeziehen würde, hätten wir ruckzuck keine sozialen Kontakte mehr. Es ist nicht angenehm, sich an die eigene Nase zu fassen und sich selbst zu hinterfragen, mit was für Bildern man eigentlich aufgewachsen ist und wieviel Alltagsrassismus jeder Einzelne von uns lebt bzw. hinnimmt. Ich erlebe aber auch, dass viele gar nicht wissen, welche Fragen sie stellen dürfen.

    Ich habe gemerkt – wie so viele BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) – in den letzten Monaten, dass wir als Experten gelten, was Rassismus angeht. Viele Leute fragen jetzt ganz viele Fragen, wollen maßgeschneiderte Vorgaben haben, wie sie sich verhalten sollen, weil sie unsicher geworden sind. Es ist schön, dass Aufmerksamkeit geschaffen wurde, aber die Arbeit fängt eigentlich jetzt erst an. Jeder, der sich informieren will, kriegt das mit einem Buch oder Artikeln von BIPoC über Rassismus hin. An erster Stelle steht, (Alltags-)Rassismus zu erkennen, die Komplexität zu sehen und zu begreifen, auf wie vielen Ebenen Diskriminierung und Hass besteht.

    Unsere Hilflosigkeit und Wut kann man dann vielleicht ein bisschen besser verstehen.“

    Was alle gegen Rassismus tun können

    anna mendel rassismus

    „Als Nächstes kommt die Arbeit an sich selbst: „An welcher Stelle bin ich rassistisch (gewesen)? Was kann ich besser machen? Wann halte ich einfach den Mund, um anderen Stimmen Raum zu geben? Und wann akzeptiere ich Geschichten über Rassismus als valide Erfahrungen, auch wenn ich mir selbst im Leben nicht vorstellen kann, dass mir sowas passiert?“

    Der ultimative Schritt ist dann, an den richtigen Stellen laut zu sein. Über rassistische Kommentare nicht zu lachen, sondern zu sagen: „Das ist nicht lustig, das ist rassistisch.“

    Wenn man sich traut, auch mal in der Familie gegenüber ignoranten oder einfach auch älteren Familienmitgliedern Position zu beziehen. Ich verstehe, dass das der schwierigste Schritt ist und zu super unangenehmen Gesprächen führen kann. Wie oben beschrieben, scheue ich mich selbst oft genug. Und leider gilt das Wort von weißen Menschen immer noch mehr. Aber jeder Satz ist eine Unterstützung für uns. Denn Rassismus ist ein strukturelles Problem, das an jeder möglichen Stelle bekämpft werden muss.“

    „Blut ist dicker als Wasser!“

    Es gibt so viele unterschiedliche Mütter: junge Mütter, alte Mütter, reiche Mütter, arme Mütter, Vielfachmütter, glückliche Mütter, berufstätige, arbeitslose, gelassene, optimistische, frustrierte, kranke, abenteuerlustige, kämpferische, zwiegespaltene, enttäuschte, erfüllte, alleinerziehende … einfach unendlich viele Mütter. Alle verbindet eins: Das Muttersein.
    Auf der Suche nach persönlichen Geschichten reiste unsere Co- Founderin & Autorin Tanya Neufeldt mit dem Fotografen Mujo Kazmi quer durch Deutschland. Entstanden sind einzigartige Geschichten von großartigen Frauen für eine Zukunft voller Zuversicht.
    Die Erlöse aus dem Buchverkauf kommen Care Forward zugute, einem Programm für geflüchtete Frauen, das Care.com 2017 gemeinsam mit International Rescue Committee (IRC) ins Leben gerufen hat. Im Rahmen dessen besuchen Frauen im Alter von 16-69 Jahren Berufsorientierungskurse mit dem Ziel, sich anschließend zur Altenpflegerin, Erzieherin oder Krankenschwester ausbilden zu lassen, in der Kinderbetreuung oder als Haushaltshilfe zu arbeiten. Bereiche, für die in Deutschland dringend Fachkräfte gesucht werden. Die Kursteilnahme ist für die Frauen kostenlos.
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    Photos: Mujo Kazmi
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