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    MOTHER.NOW

    Weltfrauentag – Sieben Fragen an UN WOMEN
    Wie weit Frauen wirklich von einer Gleichstellung entfernt sind und wie dringend sie Empowerment brauchen

    Hand auf’s Herz: Wie gleichgestellt fühlst du dich in deiner Beziehung? In deinem Job? In deinem Umfeld? Wer verdient bei dir zuhause mehr? Wer leistet den Großteil der Care-Arbeit? Wer sorgt für das Familienmanagement und das Sozialleben der Familie? Wer nimmt einen Karriereknick und weniger Einkommen in Kauf? Wer trägt das Mental Load des alltäglichen Familienwahnsinns? Wer bekommt die Folgen dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit, die sich im Alter durch den Gender Pay Gap in Altersarmut äußert, zu spüren? – Du? Dann bist du nicht allein. Denn schon ein paar schwindelerregende Fakten zeigen…

    Warum Frauen so dringend Empowerment brauchen:

    55% der Frauen sind weltweit in den Arbeitsmarkt integriert (vs. 78% der Männer)*

    18% der Unternehmen weltweit werden von Frauen geleitet*

    76,2% der unbezahlten Sorgearbeit leisten Frauen weltweit. Das ist mehr als dreimal soviel wie von Männern geleistet wird (Quelle: Studie ILO) 

    21% verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer. Das ist der unbereinigte Gender Pay Gap, der vor allem durch den Gender Care Gap beeinflusst wird*

    53% geringere Alterssicherungs-Leistungen erhalten Frauen in Deutschland als Männer. Diese Rentenlücke (Gender Pension Gap) entsteht v.a. durch die Unterschiede in der Sorgearbeit*

    Jeden 3. Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Expartner getötet*

    Frau Dr. Ursula Sautter ist Vice President von UN WOMEN Deutschland und spricht mit uns über die Situation der Frauen in Deutschland und weltweit, darüber was sich ändern muss und was wir alle tun können.

    Liebe Ursula, wie ist die Situation für Frauen in Deutschland und weltweit? Gibt es Gleichstellung überhaupt irgendwo?

    Eine faktische Gleichstellung ist noch in keinem Land weltweit erreicht worden. Noch immer werden Frauen strukturell benachteiligt, sei es in Bezug auf die Teilhabe am Arbeitsleben oder bei der Gesundheitsversorgung. Selbstverständlich trifft dies in den verschiedenen Regionen kulturell bedingt in sehr unterschiedlichem Ausmaß zu: der globale Norden steht besser da als der globale Süden, die westlichen Nationen besser als viele Entwicklungs- und Schwellenländer. Und die schlechte Nachricht ist: Kein einziges Land wird das Ziel Gleichstellung der Geschlechter in naher Zukunft erreichen.

    Brauchen wir eine weitere Pekinger Erklärung (die visionärste Weltfrauenkonferenz 1995 für die Stärkung der Frauenrechte bisher) um Gender Equality in allen Bereichen zu erreichen? 

    Erklärungen wie die Pekinger sind sehr, sehr wichtig: um Bewusstsein zu schaffen, um Rahmenbedingungen und Parameter zu definieren, um die relevanten Akteur*innen an einem Ort zusammen zu bringen. Erklärungen müssen aber auch umgesetzt werden, sonst bleiben sie nichts als reine Lippenbekenntnisse. Trotzdem wäre eine weitere Frauenrechtserklärung meiner Ansicht nach sinnvoll, denn sie würde, gerade im digitalen, grenzüberschreitenden Zeitalter, Druck auf Regierungen, Wirtschaftsunternehmen und andere ausüben, zu handeln. Das haben auch Kampagnen wie #MeToo gezeigt.

    Laut aktuellem Gender Gap Report benötigt es weitere 257 Jahre, wenn es im bisherigen Tempo weitergeht bis eine wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen erreicht ist. Was ist das größte Problem, dass es so langsam vorangeht?

    Ich denke, das größte Problem sind die diskriminierenden Genderstereotype, die in den Köpfen von Männern und Jungen – aber auch von Frauen und Mädchen verankert sind und tradiert werden. Nur ein Beispiel: Laut einer Studie ist ein Fünftel (20 Prozent) der deutschen Männer der Ansicht, dass sie im Falle einer Jobknappheit mehr Anrecht auf eine Stelle haben als eine Frau. Was soll man zu einem solchen Mind-Set sagen? Wie soll man es aufbrechen und verändern? Das Ganze hat natürlich auch mit über Jahrtausende hinweg entstandenen Privilegien zu tun, mit einem ganz selbstverständlichen Anspruchsdenken – sei es bewußt oder unbewusst. Wer möchte schon gerne Vorteile aufgeben?

    „Kein einziges Land wird das Ziel Gleichstellung der Geschlechter in naher Zukunft erreichen."

    Nicht nur wirtschaftlich sind Frauen schlechter gestellt. Frauen sind auch stärker von (häuslicher) Gewalt betroffen als Männer. In Deutschland wird jeden 3. Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet. Wie stark spielt die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen in diese Zahlen rein?

    Ganz erheblich. Wenn du als Ehefrau, als Partnerin, über gar kein eigenes Gehalt verfügst, weil du nicht (mehr) berufstätig bist und stattdessen die Kinder versorgst, und deshalb finanziell von deinem Partner abhängig bist, dann wird es dir viel schwerer fallen, zu sagen: Mein Partner schlägt mich, ich ertrage das nicht mehr, ich gehe. Wenn du dagegen ein ständiges Einkommen hast, bist du viel leichter in der Lage, die Trennung (ob vorüber gehend oder dauerhaft) durch zu ziehen.

    Ein weiteres Problem ist, dass es z.B. in Deutschland zu wenig Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen gibt. Frauenhäuser bieten zu wenig Plätze (laut dem Dachverband fehlen 14.000 Plätze in Deutschland) und diese müssen auch bezahlt werden. Was muss sich hier ändern?

    Bereits vor acht Jahren beschloss der Europarat die sogenannte Istanbul Konvention. Seit Februar 2018 ist sie geltendes Recht in Deutschland. Danach soll es pro 10.000 Einwohner (also Männer, Frauen und Kinder) einen sogenannten Family Place geben. Die öffentliche Hand ist verpflichtet, diese Plätze nun auch wohnortnah bereit zu stellen – und zwar so schnell wie möglich. Es ist untragbar, dass wir in diesem Lande Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, und natürlich auch ihren Kindern, keinen sicheren Raum bieten, um sich akuten Bedrohungssituationen zu entziehen, um durchzuatmen, um zu sich zu kommen und in Ruhe nach einer Lösung zu suchen. Das ist unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

    „Ich denke, das größte Problem sind die diskriminierenden Genderstereotype, die in den Köpfen von Männern und Jungen – aber auch von Frauen und Mädchen verankert sind und tradiert werden."

    Wir sehen auch das Problem, dass durch die viele Carearbeit, die Frauen übernehmen, diese Frauen auch eher in unserem gesellschaftspolitischen Diskurs fehlen und so genau dort nur mit geringerer Stimme vertreten sind im Vergleich zu Männern. Kann sich so überhaupt etwas ändern? Ein Teufelskreis. Wo ist deiner Meinung nach am dringendsten anzusetzen?

    Frauen  müssen versuchen, sich im gesellschaftlichen Diskurs Gehör zu verschaffen. Indem sie laut werden, indem sie aktiv werden. Und vor allem müssen sie sich politisch engagieren. Sei es in einer Partei, einer NGO (=Nichtregierungsorganisation), am Arbeitsplatz, in ihrem privaten Umfeld. Nur so erreichen wir eine kritische Masse und können die Situation grundlegend ändern.

    Was kann / sollte jede/r Einzelne tun? Was muss die Politik tun?

    Die Politik kann Frauen dazu in die Lage versetzen, von der Carearbeit abzugeben, sodass sie die Zeit finden, ihre eigenen Interessen in welchem Bereich auch immer zu vertreten. Wir brauchen mehr Kitaplätze, wir brauchen Anreize für Väter, in der Familie aktiv Sorgearbeit zu leisten. Und jede/r Einzelne von uns muss den inneren Schweinehund überwinden und die Chancen, die sich ihm oder ihr zum politisch-gesellschaftlichen Engagement bieten, auch ergreifen – auch wenn dies heißt, die eigene Komfortzone zu verlassen und Verantwortung zu übernehmen. Anders geht es nicht.

    „Frauen müssen.. laut werden.. sich politisch engagieren. Sei es in einer Partei, einer NGO, am Arbeitsplatz, in ihrem privaten Umfeld. Nur so erreichen wir eine kritische Masse und können die Situation grundlegend ändern."

    *Quelle: UN WOMEN Deutschland

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    Die Diplom-Kauffrau mit jahrelanger Agentur- und Redaktions-Erfahrung ist Mama von 3 Söhnen und ein absoluter Sonnenschein. Ohne ihr blaues Fahrrad ist Saskia nie unterwegs und wahrscheinlich hat sie deshalb so gute Laune, weil sie die einzige von uns ist, die sich bei Wind und Wetter an der frischen Luft bewegt. Egal wie stressig und voll die Tage sind, Saskia schafft es nicht nur immer top auszusehen, sondern nebenbei auch noch uns allen Komplimente zu machen. Sie bereichert mit ihrem Spirit das Unternehmen und ist für unsere Redaktion zuständig und wer Aufmunterung braucht, der ist bei ihr genau an der richtigen Adresse.

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