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    MOTHER.NOW

    Bundestagswahl (1): Ein Überblick
    Parteien setzten unterschiedliche Schwerpunkte in ihren Wahlprogrammen. Was wären das für Menschen?

    Am 26. September ist es soweit: Wir müssen bei der Bundestagswahl unser Kreuz setzen, unsere Stimme für einen Kandidaten nutzen, unser Vertrauen auf die Schreibtische einer Partei legen. Das ist gar nicht so einfach. Allein die Spitzenparteien kommen auf mehrere hundert Seiten Wahlprogramme und durch genau die haben wir uns gewühlt.

     

    Mal mit Kopfschütteln, laut lachend, zustimmend nickend oder entsetzt haben wir uns den Inhalten genähert, um für uns abzuwägen, wo wir unser Kreuz setzen könnten. Denn diese Wahl ist wichtig. Wichtig für uns, für unsere Kinder, für unsere Zukunft. Die vergangenen Jahre der Pandemie haben uns mehr als eine Schwachstelle gezeigt und verdeutlicht: Da muss nachgebessert werden.

     

    In den nächsten Wochen möchten wir euch daher mit unserer Kurzserie Bundestagswahl unseren Eindruck der Programme zeigen. Wir fragen aus unserer Perspektive: Was bedeuten die Wahlprogramme für unsere Kinder, für uns Frauen, für unsere Familien? Wie positionieren sich die Parteien zu Digitalisierung, Modernisierung und gegen den Klimawandel? Was wird denn nun aus all den Verboten rund um Mobilität, Energiegewinnung und Wirtschaft? Was würde unser Kreuz uns an Steuererhöhungen und Entlastungen einbringen?

     

    Ein Artikel würde den Rahmen der Antworten sprengen. Deswegen haben wir eine kleine Serie für euch zusammengestellt. Heute beginnen wir einem schmunzelnden Überblick auf den Papierberg von CDU/CSU, SPD, Grünen und der Linken. Aus tiefster Überzeugung unseres Team haben wir uns dazu entschlossen den Wahlinhalten der AfD an dieser Stelle keine Bühne zu bieten, weswegen wir sie im weiteren einfach ungenannt lassen.

    Wenn das Wahlprogramm ein Mensch wäre…

    …. wie würde er aussehen, welche Überzeugungen und Ansichten in sich tragen? Welche Erlebnisse haben ihn in den vergangenen Jahren geprägt und was genau veranlasst ihn dazu, sich eben so zu präsentieren und diese Agenda zu schreiben?

     

    Genau diese Frage haben wir uns nach einem ersten Überblick gestellt. Denn während wir uns immer wieder zwischen Union, SPD, Grünen und Linker bewegten, erschienen vor unserem inneren Auge Personen. Und die wollen wir euch hier mal vorstellen.

    Die Union: Im Entenmarsch hinter Mutti her

    Nach 16 Jahren an der Regierung klopfen sich CDU und CSU selbstbewusst auf die Schulter. Denn Mutti hat das Schiff sicher im Hafen geschaukelt, keine groben Fehler begangen und Deutschland recht solide aufgestellt. Nun ist ihr „Baby“ 16 Jahre alt und gar nicht mehr so klein. Doch vom rebellierenden Teenager ist keine Spur. Dafür hat er Mutti zu lange über die Schulter geschaut, ist zu konservativ erzogen worden und zu gewinnorientiert, um diese wertvollen Jahre zu vergeuden.

     

    Lieber alles richtig machen, korrekt sein. Die CDU ist sehr stolz auf die Haltung. Der Fokus des Wahlprogramms zur Bundestagswahl steht auf ebendiesem Selbstbewusstsein. Der Jargon ist für die eigenen Leute gemacht, den oberen Mittelstand, der eine gewisse Art von Understatement für sich beansprucht. Aber auch für diejenigen, die sich danach sehnen, Teil dieser Schicht zu sein. Jeder soll das Gefühl haben, Teil des großen Ganzen zu sein. Denn 16 Jahre lang war man Mutterschiff für die Deutschen und hat sie doch grandios durch die Wellen geschifft. Wieso sollte so ein Eigenlob stinken?

     

    Als Mutter passt man eben selbstbewusst gut auf seine Kinder auf, hört ihnen zu, nimmt ihre Sorgen ernst. Und genau das muss nun deutlich werden. Es geht darum zu symbolisieren, dass man zugehört hat und die Forderungen nun umsetzten möchte. Die Betonung liegt auf möchte, denn bereits im Wahlprogramm lässt man sich die ein oder andere Hintertüre auf. Von Systemwechsel keine Spur, aber das erwartet wohl auch niemand.

    Denn nur, weil der Armin nun von der Angela übernimmt, muss ja nicht gleich saniert werden. Eine kleine Renovierung genügt. Nennen wir sie Modernisierung. Dafür sind die 20er da, außerdem hört es sich so schick an: Die 20er Jahre – Das Modernisierungsjahrzehnt. Unternehmen sollen entlastet, kleine und mittlere Einkommen gestärkt werden, die Wirtschaft entfesselt werden. Dafür fährt die CDU die ganz großen Geschütze auf und verspricht ganz betont nur, was auch machbar ist. Man ist ja kein Zauberer, sondern Realpolitiker. Und genau so wirkt das Programm tatsächlich: Ein gutes Pferd springt schließlich auch nicht höher, als es muss.

    Weil im vergangene Jahr aber vor allem die Familien unfassbare Bauchschmerzen mit der Situation hatten, muss für sie diese Runde etwas mehr drin sein. Das hat die Union erkannt. Also weg mit dem, was seit Jahren bemängelt wird: der Bürokratieaufwand. Für euch Familien. Weil ihr schließlich der Kern unserer Gesellschaft seid. Wissen wir doch. Aber ihr dürft auch nicht vergessen, dass Mutti auch vieles richtig gemacht hat und uns zum Status quo geführt hat. Der Wohlstand ist gesichert und das soll sich doch keineswegs ändern, oder?

     

    Schließlich möchte unser CDU/CSU-Teenager studieren und das nicht irgendwo. Wir wollen doch eine wirtschaftlich glorreiche Zukunft für unserer Kinder, in denen sie die Macher von Morgen werden.  Deswegen will die Union sich treu bleiben, oder anders gesagt: Nichts ändern. Weiter auf Merkels Pfad wandern. Keine Steuererhöhungen, Innovationen fördern, aber auch den Kurs von Merkel beibehalten und den Fuß nicht von der Schuldenbremse nehmen. Damit der Nachwuchs morgen nicht hinter uns aufräumen muss. Mit Maß und Mitte walten. Nicht wie die Grünen, die mit Verboten winken. Wir bieten Anreize, damit sich Klimaschutz auch lohnt und nicht wehtut.

     

    Das Wahlprogramm zur Bundestagswahl passt zu diesem Teenager, der die Chinohose der Jogginghose vorzieht, die Haare in einer schnittigen Kurzhaarfrisur nach hinten geföhnt trägt. Slipper und Hornbrille sind ebenso ein Muss, wie das Poloshirt. Man ist klassisch, man ist solide und verlässlich. Eben diese Art Jugendlicher, dem du ohne Bedenken deinen Hausschlüssel überlässt und der sogar vor deiner Rückkehr einmal für dich durchsaugt.

    Nur in die Ecken darfst du nicht schauen, denn viel von seiner Attitüde ist schlichtweg Verkaufsstrategie und Lobbyismus. Womöglich findest du deshalb in der Ecke womöglich auch noch die ein oder andere kleine Maskenaffäre, die er beim Aufräumen vergessen hat.

    Die Grünen: Mit der Bundestagswahl die Wende einläuten

    Mutti, Mutti, Mutti. Das kann die Grünen-Wählerin nicht mehr hören. Denn trotz Kind in der Bauchtrage vor der Brust kann sie als Großstädterin damit gar nichts anfangen. Sie fühlt sich nicht wie Mutti und erst recht nicht nach Mitte und Maß. Sie fordert klare Positionen und Investitionen. In die grottigen Schulen, Unis, in die Bahnschienen, Radwege, ins Internet und in die Energiewende und den Klimaschutz. Und sie ist es leid. So richtig. Denn von den Umweltkatastrophen der vergangenen Wochen und Monate spricht sie seit Jahrzehnten. Schon lange bevor Greta Thunberg Aktivismus für das Klima betrieb, predigte und predigte und predigte sie. Aber niemand wollte ihr zuhören. Doch jetzt ist die Zeit zu handeln und darauf hat sie Lust. Sie hat richtig Bock auf diese Bundestagswahl.

     

    16 Jahre, in denen die Union das Sagen hatte, reichen ihr gewaltig. Und wenn sie Kind und Karriere schaukeln kann, dann kann sie auch regieren. Ist nach den zu meisternden Bergen während der Pandemie ja auch ’nen Witz. Immerhin hatte sie zeitweise fünf Jobs gleichzeitig: Lehrerin, Erzieherin, Pflegerin, normaler Job, Haushalt. Was ist regieren dagegen?

     

    Zumindest die Option endlich mal die Dinge anzugehen, die sie so richtig stören. Auf 272 Seiten haben die Grünen ihre Agenda zusammengefasst. Sie versprechen Weitsicht und Vorsorge für Familien und Kinder, die im Mittelpunkt der Politik stehen. Faire Bedingungen und Zuverlässigkeit nach der Zeit der täglich über den Haufen geworfenen Organisation. Statt Profifußball, Urlaub und Shoppingspaß sollen jetzt mal die Kinder und Familien, ihre Bedürfnisse und die Sicherstellung des Wichtigsten Priorität sein. Es soll endlich fair sein. Das soll diese Bundestagswahl bringen.

     

    Und von wegen Verbote, teure Änderungen und der Mittelstand als Leidtragende: Sozial und gerecht soll der Klimaschutz gestaltet werden. Natürlich wird der wehtun, muss er aber auch. Denn „there is no planet b“. Zeit das endlich zu begreifen, damit unsere Enkelkinder auch noch etwas von Mutter Erde haben. 50 Milliarden Euro an Investitionen im Jahr sollen ihr bei diesem Plan helfen. Woher die Gelder kommen sollen? Mit der Aufhebung der Schuldenbremse. Schluß mit der schwarzen Null. Hilft ja nichts. Und da es um ihre Zukunft geht, müssen eben auch die kommenden Generationen mit dafür bezahlen. Fair ist fair.

     

    Die Grünen positionieren sich als effizient. Argumentieren ihre Haltung konsequent auf dem Ansatz, dass Aufgeschoben nicht gleich Aufgehoben ist und Straßen, Schulen, Kitas etc. sich nicht von allein sanieren, nur weil man darauf wartet. Warten. Allein dieses Wort macht sie sauer. Immer sollen alle warten. Nein, jetzt müssen Gesetze und Regelungen her, die dem Warten ein Ende bereiten, die Frauen Rechte auf Gleichberechtigung, auf Spitzen-Jobs, auf flexible Arbeitszeiten und Betreuungsmöglichkeiten liefern. Ist ihr doch egal, dass die alten Weißköpfe meinen, der Vorstandsposten sei nicht fair an sie gegangen, nur weil sie ihn durch die Frauenquote erhalten hat.

     

    Wenn sie ihn so kriegt, dann soll es so sein. Außerdem soll endlich Schluss damit sein, dass Kinderkriegen zu einer riesigen Lebensinvestition wird. Es muss doch endlich möglich sein, nicht Kind oder Eigenheim zu erhalten. Vielleicht, ganz vielleicht kann die angestrebte Kindergrundsicherung ihr dabei helfen. Wie genau das wird sich schon noch ergeben. Work in progress. Machen doch sonst auch alle.

     

    Die Grünen befriedigen mit ihrem Programm zur Bundestagswahl den Wunsch derer, die wollen, dass einfach mal alles funktioniert. Verlässlichkeit. Nach den vergangenen Pandemie-Monaten genau das, wonach sich vor allem all diejenigen sehnen, die besonders betroffen waren: die Familien, die Kinder. Für sie und all diejenigen, denen ihre Zukunft am Herzen liegt soll die Politik gestaltet werden, im Zweifel mit neuen Schulden. Hauptsache die Bürokratie macht das Leben nicht unnötig schwer.

     

    Sie muss reformiert werden, digitaler sein, transparenter, lebensnaher gestaltet werden. Ob das sie einfach wird? Man weiß es nicht, doch allein der Wunsch gibt der Grünen-Wählerin Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ihre Kinder nicht in der selben Bürokratiewüste leben müssen. Hoffnung darauf, dass dem Lobbyismus ein Ende bereitet wird und Hoffnung darauf, dass die Grünen Wort halten und aus einem Wahlprogramm voller Wünsche einen wirklichen, realistischen Fahrplan gestalten können, der ihr hilft.

    Die SPD: Ja, äh nein ich mein Jein!

    Was nun? Das könnte die Frage des SPD-Wählers sein. Die glorreichen jungen, frischen, wilden Jahre liegen hinter ihm, mit seiner Ehefrau Union läuft es schon länger schwierig. In der Beziehung hat sie die Hosen an und entscheidet selbstbewusst. Das befriedigt ihn nicht mehr. Nach all diesen Jahren hat er sich selbst in dieser Beziehung verloren, ist unsicher und wünscht sich nichts sehnlicher, als die Selbstfindung zur Bundestagswahl. Doch wie?

     

    Er fühlt sich zu jung, um alt zu sein, zu alt um jung zu sein. Er will irgendwie weiter mit dabei sein, aber so richtig fehlt ihm die Kraft sich jetzt als Leader zu beweisen und vorweg zu gehen. Keine Lust auf wieder einen Shitstorm. Er will jetzt auch einfach mal gemocht werden, vielleicht ein bisschen angehimmelt. Ist doch so lange nicht passiert. Irgendwie haben ihn alle abgeschrieben.

     

    Jetzt braucht er wirklich mal Erfolge. Also muss ein sicheres Wahlprogramm her. Und genau das hat sich die SPD geschustert. Als mitregierende Partei kann sie nicht in die Aufbruchsstimmung der Oppositionsparteien mit einsteigen. Kein Wunder, denn am jetzigen politischen Stand hat sie kräftig mitgewirkt. Deswegen ist ja auch nicht alle Käse, eigentlich sogar ganz wunderbar. Wir haben schließlich „einen gut funktionierenden Staat“, eine solidarische Gesellschaft und gut funktionierende Wirtschaft. Also alles prima. Aber eben auch nicht. Ist ja Bundestagswahl.

     

    Denn wir stehen ja vor Aufgaben, die kein „Weiter-so“ erlauben. Wir müssen jetzt was ändern. Schließlich ist er zu jung, um sich weiter so unter den Scheffel der Union stellen zu lassen. Er fordert Respekt und ist bereit, ihn auch zu erbringen: „Aus Respekt vor deiner Zukunft“.

     

    Das Wahlprogramm ist ein erster Versuch dieser neuen Identitätssuche. Doch was sind ihre Inhalte? So richtig schlau wird man beim Lesen des Programms nicht. Erinnert das Programm doch mehr an die bunte Süßigkeitentüte am Kiosk und erweckt den Eindruck, dass sich die SPD vor dem Alleinsein fürchtet. Die Inhalte zeigen viele Parallelen zur CDU, denn irgendwie waren die vergangenen Jahre ja auch schön und bereuen tut man sie nicht, auch wenn die Trennung feststeht. Gemeinsam geht es nicht mehr. Mit breiter Brust muss die SPD jetzt mal Nein sagen – oder Ja. Hauptsache das Gegenteil von dem, was die Union will. Positionierung ist alles. Also ja zum Tempolimit, nein zur schwarzen null und noch lauter ja zur Vermögenssteuer. Doch diese Position steht auf sehr dünnem Eis.

     

    Hat nicht gerade der Olaf Scholz, der nun als Spitzenkandidat auftritt, als noch amtierender Finanzminister, als Generalsekretär unter Schröder und Arbeitsminister der ersten großen Koalition vieles von dem durchgebracht, was er nun abschaffen möchte? Immerhin hat er Hartz IV federführend mit auf den Weg gebracht und auch er war derjenige, der die schwarze Null über so langen Zeitraum verfechtet hat.

     

    Aber nein, beziehungsweise ja zu sagen stärkt auch seine Flirtabsichten mit den zwei Single-Frauen, die vermutlich am Ende des Wahltages ebenfalls auf Partnersuche gehen werden. Doch gute Absichtserklärungen für den Kampf gegen den Klimawandel reichen den Grünen nicht und außerdem war man sich innerhalb der SPD doch auch einig, dass man nicht grüner als die Grünen sein möchte. Selbiges gilt für die Linke, weswegen die sozialpolitischen Forderungen auch nicht zu streng formuliert werden dürfen. Doch man will das Kindergeld auf den Kopf stellen und mit der Vermögenssteuer endlich den ätzend Reichen an den Kragen, äh Geldbeutel.

     

    Rot-Rot-Grün, daraus macht die SPD keinen Hehl, ist ihre Wunschkoalition nach der Bundestagswahl. Klappt das nicht, so gelingt es vielleicht wenigstens den ein oder anderen Wähler zurückzugewinnen, den man durch die Eheschließung mit der CDU verloren hatte. Aber: Es soll auch niemand denken, man mache denen etwas nach. Das eigene Image ist der SPD zu dieser Bundestagswahl extrem wichtig, denn noch mehr kann sie nicht verlieren.

     

    Leider bleiben bei diesem Wunsch viele zentrale Fragen offen oder zu unkonkret. Wie genau soll das Kindergeld denn auf den Kopf gestellt werden? Gibt es überhaupt wirtschaftliche Pläne? Letztlich bleibt der Eindruck eines Mannes in der Midlifecrisis, für den die Wahl zu einem gänzlich schlechten Zeitpunkt kam. Denn eigentlich weiß er gar nicht so richtig, was er jetzt will. Jetzt, wo er das Gefühl hat, dass er sich aus der Ehe mit der Union endlich lösen muss. War nicht alles blöd, war nicht alles gut. Und nun?

    Die FDP: Die To-Do-Liste

    Die Ärmel des FDP-Wählers sind hochgekrempelt. So hoch, wie es nur geht. Denn er ist Macher, einer der anpackt und „das haben wir schon immer so gemacht“-Mentalität abschafft. Ein Mann Mitte vierzig, ein Selbstoptimierer, Analyst mit Erfindergeist. Einer mit Schaffenskraft und Gründermentalität. Erst recht kurz vor dieser Bundestagswahl. Nie gab es mehr zu tun.

     

    Mit ihrem Programm zeichnet die FDP das Bild eines solchen Mannes. Das Programm liest sich wie eine To-Do-Liste mit teils erstaunlich detaillierten Lösungsansätzen. Selbstbewusst und verbindlich werden die Themen gepitcht. Es weht ein Hauch Start-Up-Kultur, die fast schon zu ausgeglichen scheint. Die Abgabenbelastung, sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer soll wieder auf unter 40 Prozent sinken, der Spitzensteuersatz verschoben werden. Pauschale Verbote lehnt die FDP ab, vielmehr soll der Gründergeist bei jedem geweckt werden. Oder eben: Der Liberalismus.

     

    Doch für die Bundestagswahl ist die Verbindlichkeit der FDP in ihrem Wahlprogramm kein netter Schachzug, sondern ein Muss. Die Absage zur Jamaikakoalition 2017 hängt bei vielen Wählern nach. Das entschiedene Ja zur Mitregierung wie der Versuch der Wiedergutmachung für die noch immer Enttäuschten.

     

    Und so schnürt sie ein wirklich vielversprechendes Programm: Keine Steuererhöhungen, Steuersenkungen, keine neuen Schulden, ein Bekenntnis zur schwarzen Null. Doch wie soll das finanziert werden? Dafür hat die FDP keinen konkreten Plan. Vielmehr stützt sich das Versprechen auf die Annahme, dass die Entlastungen Wirtschaftswachstum fördern und den Umsatz mächtig Ankurbeln. Und sie setzt auf neue Einnahmen. Allein durch die Legalisierung von Cannabis und einer Besteuerung auf Zigarettensteuerniveau rechnet die FDP mit einer Milliarde Einnahmen. Kein Scherz, steht exakt so im Programm.

     

    Auch das gehört zu dem neuen Lifestyle des smarten Middleagers. Er hatte schon immer den richtigen Riecher. Und die Pandemie hat ihn dabei nur bestärkt. Digitalisierung, Schule, Schule, Schule. Immer wieder hat die FDP es gesagt und nun haben wir den (Kabel-)Salat. Genau diesen Umstand weiß die FDP für sich zu nutzen.

     

    Denn er ist der typische „Mein Haus, mein Boot, mein Auto, meine Frau“- Typ, der mit allem cool ist, solange es liberal ist und niemanden einschränkt. Dann können alle machen, was sie wollen, lieben wen sie wollen und aufsteigen wohin sie wollen. Freiheit für alle. Mit der richtigen Stimme zur Bundestagswahl.

    Die Linke: Robin Hood – komme, was wolle

    Das Wohl aller liegt dem Wähler der Linken nicht nur am Herzen, es ist sein Herz. Seine ganze DNA schreit nach sozialer Gerechtigkeit.  Wie Robin Hood möchte er von den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben. Wer besitzt oder erbt, der soll auch etwas davon abgeben, damit es allen gut geht. Gleichberechtigung, Gleichverteilung des Wohlstandes, gleiches Recht für alle.

     

    Für die Linke ist ein politischer Systemwandel längst überfällig. Die Bundestagswahl die beste Möglichkeit, um ihn zu bringen. Denn der Sozialstaat existiert in ihren Augen nur noch auf dem Papier, nicht mehr in der Lebenswirklichkeit. Deswegen soll jetzt Schluss sein mit der Scheinheiligkeit und endlich gehandelt werden. Wie sich die Linke dieses Handeln vorstellt?

     

    Im Kern muss es dabei erstmal all denen an den Geldbeutel gehen, die mehr haben. Denn ihrer Anti-Millionärs-Haltung ist die Linke treu geblieben. Insbesondere denjenigen, die immer reicher werden, während gleichzeitig die Armen immer ärmer werden, möchte die Linke an den Inhalt ihres Tresor gehen. So sollen zum Beispiel die Kosten, die durch Corona entstanden sind, durch Vermögensabgaben von Millionären mit einem Vermögen von mehr als zwei Millionen Einkommen wieder ausgeglichen werden. Zwischen 10 und 30 Prozent ihres Geldes sollen sie laut der Linken über 20 Jahre in Raten zahlen.

     

    Auch insgesamt sollen Vermögens- und Erbschaftssteuer rauf, denn: „Was für alle da ist, muss allen gehören.“ Und weil zwei Drittel der CO2-Belastungen von Großkonzernen gemacht werden, sollen die auch zahlen. Und dafür legt sich die Linke auch gern richtig mit ihnen an. Und wenn wir gerade bei ungerecht sind. Dass Pflegekräfte weniger verdienen als die, die Geld verwalten oder mit Aktien handeln – auch damit ist im Falle eines Wahlsieges Schluss. Statt auf Profit und Dividenden ausgerichtet zu wirtschaften, sollen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen verstaatlicht werden, die Krankenversicherung gleich mit. So gibt es keine gesetzlich und private Versicherung mehr, sondern nur noch eine, in die alle einzahlen müssen, die mehr als 6.300 Euro Brutto verdienen. Dasselbe soll für die Rente und Pflege her.

     

    Auch die Mieten stehen auf der Agenda zur Bundestagswahl, denn die steigen gefühlt nur noch immer weiter ins Bodenlose. Die Regierung hat dagegen nichts unternommen, das regt den Linkenwähler sowieso mal so richtig auf. Unfähige Union. Jetzt ist Schluss. Mit ihr an der Regierung entfällt die Modernisierungsumlage und endlich kommt der Mietendeckel, der seit so vielen Jahren schon immer wieder wie ein Geist durch die Debatte schwebt. Wer sich nicht dran halten will, die Mieten weiter hochtreiben, sich der Sanierung verweigern und die Mieterinnen auch noch schikanieren will, dem geht’s so richtig an den Kragen, der wird enteignet.

     

    Dass bei all diesen Vorhaben womöglich viele Arbeitsplätze wegfallen ist der Linken bewusst. Deshalb liefert sie mit dem Wahlprogramm auch gleich die Rettungsschirme für die Branchen mit, die durch ihre politischen Vorhaben im Falle eines Wahlsieges nach der Bundestagswahl arbeitslos werden könnten. Denn es werden laut der Agenda auch zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen – zum Beispiel im Aus- und Weiterbau des Schienenverkehrs.

     

    Das ist übrigens neben den Zahlungen der Großkonzerne eines der zentralen Elemente für die Erreichung der Klimaziele. Bus und Bahn sollen ausgebaut und innerhalb der nächsten fünf Jahre kostenlos nutzbar sein. Ebenso Schulen, Kitas und das Mittagessen für Kinder dort.

     

    Die Agenda der Linken folgt konsequent ihren politischen Zielen, spricht sich dafür aber auch ebenso konsequent für Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und den Frieden aus. Schluss soll sein mit Waffenproduktion und Export, mit Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

     

    Wäre das Programm zur Bundestagswahl ein Mensch, so trüge er eine menge Wut in sich. Wut auf die Regierenden, Wut auf die Mitläufer, Wut auf die Reichen, die von den Gegebenheiten profitieren und rücksichtslos handeln. Sieht denn keiner, was hier schief läuft?

    Bei all diesen Missständen kann er gar nicht mehr ruhig bleiben. Am liebsten würde er jeden anschreien und schütteln, bis sich endlich etwas ändert. Er ist Visionär und Optimist. Und so hofft er, dass endlich etwas geschieht. Die Wahl wäre eine Chance dazu. Er kreuzt die Finger und würde sogar beten, wäre er nicht bereits mit 18 aus der Kirche ausgetreten.

    Vorschaufoto by Mika Baumeister on Unsplash

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