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    Germanys next Topmodel, Mädchen, Vorbilder, Models

    Germany’s next Rolemodel oder der ganz große Witz
    Ein Modemodel ist nicht genug. Jetzt muss Persönlichkeit her. Doch sprengt die nicht das Format?

    Heidi Klum ist in diesem Jahr zum 16. Mal auf der Suche nach Deutschlands nächstem Topmodel. In diesem Jahr soll das nicht nur gut aussehen, perfekt laufen und Marken in Szene setzen können, sondern ein echtes Vorbild sein. Persönlichkeit sei so gefragt wie nie zuvor, so die Modelmama. Auch während der Staffel wird Klum nicht müde, dies auszurufen. Doch hat es auch geklappt?

    Auf der verzweifelten Suche nach Deutschlands nächstem Vorbild

    “Personality”, “Diversity”  und “Rolemodels” will Klum finden. Auf den ersten Blick scheint sie genau das gefunden zu haben. In der Staffel waren Mädchen, die sonst immer als zu klein galten, Mädchen mit prägenden Narben, Mädchen mit tief verwurzelten christlichen Werten, Mädchen nordischen Typs, People of Color (PoC), Mädchen mit Fluchterfahrung, Transgender und Mädchen mit Kurven. Der Diversitätsansatz, okay geschenkt. 

    Viel wichtiger ist die Frage nach der tollen Persönlichkeit, die Heidis Mädchen als Vorbilder präsentieren soll. “Denn Optik ist nicht alles und genau darum soll es in dieser Staffel gehen”, so Klum zu Beginn eines Mediencoachings. Denkt man an Vorbilder, so denkt man an Frauen, die mit ihrer Persönlichkeit für etwas stehen, die Werte vermitteln und real sind. Frauen, die junge Mädchen und Frauen bewundern und nachahmen möchten. Frauen, in denen sie sich wiedererkennen. Frauen, wie man sie früher an die Pinnwand hing.

    Auf dem Boden der Tatsachen herrscht wie immer Zickenkrieg

    Die Mädchen, mögen sie optisch noch so divers sein, verhalten sich leider alles andere als Vorbilder. Noch nie wurde in einer Staffel so offensichtlich und viel geraucht. Klar, die jüngsten Teilnehmerinnen der Staffel sind 19 Jahre alt. Erlaubt ist das also. Doch die weiblichen Zuschauerinnen sind 12 bis 22 Jahre alt, die meisten 16. Als eine der Kandidatinnen bei Heidi um Nachschub bittet, lacht diese und verneint es, spricht sich aber nicht deutlich gegen das Rauchen aus. Tolles Vorbild.

    Germanys next Topmodel Heidi Klum Vorbilder

    Es wird gemeckert und gemotzt, gelästert – direkt und indirekt. Schamlos, schmerzfrei und hemmungslos gehen die Mädchen in altbekannter Grüppchenbildung aufeinander los.  Die Nachwuchsmodels verhalten sich unprofessionell und unfair, feiern, wenn eine andere Kritik erhält und ranken in Folge 9 nicht nach dem tatsächlichen Können, sondern nach ihrer persönlichen Sympathie.

    Das alles ist per se kein großes Ding. Es ist menschlich, es ist okay. Immerhin haben wir es mit teilweise noch sehr pubertierenden Mädchen zu tun. Doch wo ist die Modelmama? Sollte Klum nicht an dieser Stelle eingreifen und wenigstens ihrem ausgerufenen Staffelziel zuliebe ein bisschen mehr darauf achten, welche Werte ihre Mädchen den meist noch sehr jungen Zuschauerinnen an den Bildschirmen vermitteln? Sie sollte.

    Sie sollte sich ein Mädchen wie Larissa zur Seite nehmen und mit ihr über ihren Affront gegenüber Mitstreiterin Soulin sprechen, den diese schamlos während einer Pressekonferenz durchgezogen hat. Sie könnte den Mädchen regelmäßig Feedback zu ihrer Außenwirkung geben, ihnen verdeutlichen, was ihre Äußerungen und ihr Verhalten für ein Bild von ihnen zeichnen.

    Die Sendung ist das Ergebnis von Typisierung, Provokation und Schnitt

    Aber sie tut es nicht und das aus gutem Grund, weiß Maya Götz, Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin. Seit Jahren verfolgt auch sie die Klumsche Modelsuche und weiß: “Das ist natürlich nicht die Realität, die dort abgebildet wird. Es wird zusammengeschnitten und die Mädchen werden aktiv typisiert und provoziert, um eine gute Show zu haben. Ziel der Sendung ist es nicht, ein Model oder Rolemodel zu finden, sondern die Beurteilung der Jury, also von Heidi Klum, nachvollziehbar zu machen. Am Ende muss die Gute gewinnen und Heidi nicht als Bösewicht da stehen.” 

    Germanys next Topmodel Heidi Klum Vorbilder

    Gut findet sie das nicht. Denn durch den Schnitt wird keines der Mädchen so präsentiert, wie sie wirklich ist. “So geht man nicht mit Mädchen um. Das ist nicht okay.” Die Deutungsmuster sind also vorher festgelegt, das Lästermaterial für die Zuschauer vor dem Bildschirm bereitet. Das dabei tausenden jungen Mädchen, die sich dieser Inszenierung nicht bewusst sind, erzählt wird, wer in dieser Gesellschaft ein gutes Mädchen ist, spielt keine Rolle. 

    Und das ist tatsächlich auch die große Gefahr hinter dem Format. “Die Zuschauerinnen kriegen nicht mit, was sie unbewusst mitnehmen. Zum Beispiel wie ein schöner Körper aussieht, soziale Werte und dass es doch wichtig ist anderen Leuten, Heidi, den Kunden zu gefallen. Das fördert den Anpassungswillen und bringt sie von dem Gedanken weg, nicht jedem gefallen zu wollen”, sagt Götz. 

    Das Traurige: Es ist eine der wenigen Sendungen, in denen es NUR um Mädchen geht

    Dabei ist der grundlegende Impuls, warum so viele junge Frauen Donnerstagabend einschalten ein anderer. Endlich sagt ihnen mal jemand, wie es geht. Wie man posen muss, um viele Likes zu erhalten, was man sagen muss, um zu gefallen und vor allem was schön ist. “Es ist eine der seltenen Serien, in denen Mädchen im Mittelpunkt stehen, es eigentlich um Alleinstellungsmerkmale und das Streben nach Erfolg geht”, sagt Götz und erzählt von Studienergebnissen, in denen die Gründe genauer untersucht wurden. 

    Germanys next Topmodel Heidi Klum Vorbilder

    Die Mädchen hofften sich Informationen zu erhalten, wie sie es schaffen, Freundschaften zu erhalten oder eben nicht; welches Verhalten sie zu einer Zicke macht und welches zu einer jungen Frau, die sich durchsetzt; wie sie sich in einem Cliquenkrieg gut verhalten und wie sie schlechtes Verhalten erkennen können. “Nicht alles ist so schlecht. Ich begrüße es, dass inzwischen mehr Diversität zu sehen ist und dass, wenn auch inszeniert, mehr zu sehen ist, dass die Mädchen dort essen”, sagt Götz. 

    Doch was ist denn jetzt mit den Germany’s next Rolemodels?

    Laut dem Lexikon der Personalwirtschaft ist ein Rolemodel eine Person, die durch bestimmte Verhaltensweisen anderen als Identifikationsfigur oder als Vorbild in einer speziellen sozialen Funktion oder Rolle dient. Und tun das Heidis Mädchen? Vielleicht. Wirklich erfahren wird es der Zuschauer nicht. Er bekommt nur das geschnittene Format. Aber wenigstens das könnte die jungen Frauen als Vorbilder präsentieren. Geschieht das?

    Nein. Ganz im Gegenteil. Die Sendung vermitteln das Bild einer Ellenbogengesellschaft, in der nur aufsteigt, wer andere platt macht. Und das ist im Jahr 2021 so gar nicht mehr en vogue. Haben wir nicht inzwischen verstanden, dass wir nur dann über uns hinauswachsen, wenn wir bereit sind auch anderen dabei zu helfen, sich zu erheben?!

    Dass die Sendung mit dem Staffelauftakt die besten Einschaltquoten seit zehn Jahren hat, zeigt doch, dass der Wunsch nach mehr realen Mädchen mit realen Figuren und netten Persönlichkeiten im TV da ist. Brauchen wir also andere Formate, in denen junge Frauen im Mittelpunkt stehen? Ja!

    Aber was machen wir bis es so weit ist?

     “Es ist wichtig, dem etwas entgegenzusetzen”, sagt Götz und empfiehlt Eltern mal mitzuschauen und mitzudiskutieren: “Vielleicht auch mal die Gegenposition einzunehmen und klar zu sagen: Also ich fand das jetzt gut. Auch wenn es Heidi Klum anders sieht.” Kommentieren ist wichtig. Denn Teenager müssen wissen, dass trotz Diversitätsansatz die meisten Körper in dem Format nicht normal sind und es nicht normal ist, so auszusehen. “Der Modelberuf entspricht eben nicht der Realität. Man kann ihn mit dem Job der Spitzensportlerin vergleichen. Sprinterinnen sind auch Ausnahmeerscheinungen und nicht die Realität. Bei einem Model ist das nicht anders.”

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