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    Das bisschen Haushalt hat ganz viel mit Gleichberechtigung zu tun
    Der liebe Haushalt macht sich leider wirklich nicht von alleine, ist aber täglich ein Thema und hat großen Auswirkungen

    Es betrifft uns alle. Jeder lebt in einer Wohnung oder einem Haus und kümmert sich mehr oder – wenn er Glück hat – weniger selbst um seinen Haushalt. Denn jeder verursacht Schmutzwäsche, jeder kocht oder isst zumindest etwas. Jeder macht ein bisschen Dreck. Mancher macht sich auch von selbst. Wächst die Familie, wachsen auch Wäscheberge, Staubmäuse und die zu erledigenden Aufgaben.

    Unsere liebste Haus- und Hofpädagogin Christine Foetzki möchte sich mit uns über genau dieses Thema aufregen. Denn es geht uns alle an und wir haben uns alle schon darüber echauffiert. Da ist sie sich sicher!

    Das bisschen Haushalt…

    Es geht um den Haushalt – also um die Haushaltstätigkeiten, wie aufräumen, putzen, abwaschen, Staub saugen, Betten beziehen, Fenster putzen, Blumen gießen, Staub wischen und all diese anderen Dinge, die dazugehören. Alles, was Menschen schon immer, seit Anbeginn ihrer Sesshaftigkeit, getan haben und wohl immer tun werden: „Haushaltstätigkeiten“. Was für ein Wort! Das schafft es ganz sicher niemals in die Top 10 der schönsten deutschen Wörter.

    Ich gebe offen zu, Haushalt ist überhaupt nicht mein Lieblingsthema. Es ist eher ein notwendiges Übel. Nur manchmal finde ich Gefallen daran. Dann kann ich mich mega gut motivieren und laut Musik hörend durch die Wohnung feudeln. Ich gerate dann in einen richtigen Flow, und nach ein paar (also sehr vielen) Stunden blinkt und blitzt alles wie in einem Schöner-Wohnen-Magazin. Das hält auch ungefähr so lange an, wie man ein paar stylische Insta-Bilder davon schießen kann. Dann kommt auch schon die Familie aka das Leben wieder dazwischen.

    C’est la vie!

    Mit dem Anspruch einer stets ordentlichen Wohnung würde ich ständig einem unerreichbaren Ideal hinterher jagen. Dazu habe ich keine Lust und keine Zeit. Das wäre mir viel zu anstrengend. Diese beschriebenen Flow-Momente, in denen ich mich in meinem Putzwahn ergebe, kommen nämlich nur so ein bis zwei Mal pro Jahr vor; meist kurz vor der Adventszeit und/oder zu Frühlingsbeginn. Den Rest des Jahres bin ich genervt vom Saugen und Putzen, vom Abwaschen und Wäsche machen. Aber ich mach’s halt, weil’s dazugehört. Genauso wie duschen und Zähne putzen, kochen und essen, schlafen, arbeiten und Kinder erziehen. Das alles gehört dazu, und das alles nervt mich manchmal. Das alles kommt auch mal zu kurz. C’est la vie! – So ist das Leben!

    Aber da ist noch mehr…

    An dieser Stelle könnte der Text jetzt enden, langweilig und ohne wirklichen Aufreger, wenn da nicht diese ungleiche Verteilung der Hausarbeit zwischen Männern und Frauen wäre. Zack, schon wieder die feministische Keule rausgeholt! Sorry Mädels, aber von den Erwachsenen, die täglich Hausarbeit verrichten, sind in Deutschland 72% weiblich und nicht einmal 30% männlich.

    Die Zeit, die Frauen sich um den Haushalt kümmern, steigt sogar noch, wenn Kinder dazu kommen. Viele Frauen ärgern sich darüber, wenn sie das lesen, doch sie ändern kaum etwas an dieser Misere.

    Das hat Gründe

    Frauen arbeiten statistisch gesehen weniger Stunden als Männer, daher haben sie mehr Zeit für Haushalt und Kinder. Ist ja nur gerecht, wenn der Mann den ganzen Tag im Büro hockt und das Geld heranschafft. Denn eine schön aufgeräumte Küche, duftendes Essen auf dem Tisch und die gebügelte Wäsche im Schrank bezahlen noch lange nicht Miete und Stromrechnung. Tatsache ist jedoch, dass auch, wenn Mann und Frau beide in Vollzeit arbeiten, immer noch die meiste Haushaltstätigkeit an ihr hängenbleibt. Das ist dann nicht mehr gerecht, oder?

    Frauen wird seit Generationen vorgelebt, dass sie für den Haushalt einfach besser geeignet sind, dass sie diese Tätigkeiten per Geschlecht viel besser ausführen können als Männer und deswegen auch eher ausüben sollten. Das liegt wahrscheinlich an ihren kleinen Händen, weil sie damit beim Putzen einfach besser in die Ecken kommen. Dieses typisch weibliche Rollenbild vermittelt uns die Werbung. Es wird durch geschlechtsspezifisches Spielzeug suggeriert, und Kinder erleben es durch die alltägliche Aufgabenverteilung in ihrer Familie. Es wird sogar durch Social Media verbreitet und sehr wirksam zementiert.

    Ebenso wird den Männern vorgelebt, dass sie einer Frau in der Küche und an der Waschmaschine besser den Vortritt lassen. Männern wird nahegelegt, sich eine Frau zu suchen, die für Ordnung und Sauberkeit sorgen kann, am besten auch eine, die gut kochen kann – fast so gut, wie die eigene Mutter. Bei allein lebenden Männern schwingt stets die Vorstellung einer versifften Junggesellenbude mit; sie ernten für miefige Wäscheberge oder eine Spüle voller dreckigen Geschirrs eher Mitleid als Ekel.

     

    MUMMY MAG Haushalt SPiegelschrank

    Bravo, bravissimo

    Wenn der eigene Mann kochen oder bügeln kann, ist das ein besonders hervorzuhebendes Talent, mit dem man vor seinen Freundinnen prahlen kann. Wenn der Mann den Wochenendeinkauf erledigt, ohne dass die Frau ihm eine Einkaufsliste geschrieben hat, verdient das höchste gesellschaftliche Anerkennung. Bravo.

    Andersherum ist es leider nicht so weit her mit Ruhm und Anerkennung. Verweigert eine Frau die ihr zugeschriebene natürliche Rolle der Hausfrau, weil sie beispielsweise beruflich stark eingebunden ist oder gar Karriere machen möchte, dann spürt sie den gesellschaftlichen Druck: etwa durch spitze Bemerkungen, sei es durch die Schwiegermutter oder die beste Freundin. Die alleinige Verantwortung für den Haushalt abzuschütteln, wird ihr kaum gelingen. Vielmehr scheitert sie an ihrem eigenen antrainierten Perfektionismus, oder sie verliert sich in ihren zugeflüsterten Selbstzweifeln.

    Die Folgen

    Viele Frauen klagen über Mental Load, die Beschreibung einer mentalen Überforderung durch die ständige gefühlte Verantwortung für den Haushalt und die Kinder. Oder sie sind einfach dauernd müde und gestresst, weil sie Beruf, Kinder und Haushalt unbedingt vereinbaren wollen. Diese Art der vermeintlichen Gleichberechtigung geht entweder zulasten der Gesundheit (Stress) oder zulasten der beruflichen Entwicklung und finanziellen Unabhängigkeit (Reduzierung der Erwerbstätigkeit) der Frauen. Nochmal: der Frauen und nicht der Männer!

    Einige versuchen die so genannte Care-Arbeit mit dem Partner gleichberechtigt aufzuteilen. Ich frage mich, was das für ein Aufwand ist, alles gegeneinander aufzurechnen? Putzpläne und To-Do-Listen zu schreiben, auszudiskutieren, wann nun wer mit dem Wäsche aufhängen und mit dem Kind-ins-Bett-bringen dran ist. In der Zeit und mit der Energie, die solche Aushandlungsprozesse kosten, könnten Wäsche, Küche und Kind längst erledigt sein – das denken sich dann auch wieder viele Frauen und machen es doch schnell selbst. Leider.

    Das regt mich so auf!

    In der Rhetorik über die Verteilung der Haushaltstätigkeiten zwischen Mann und Frau gibt es so typische Sätze, über die ich mich immer wieder aufrege:

    • „Mein Mann hilft im Haushalt mit.“ –
      Na, das würde mir aber gefallen, wenn ich neben den Kindern nun auch noch den Mann um Mithilfe bitten muss.
    • „Ja, aber ein Mann sieht oft gar nicht, was im Haushalt so anfällt.“ –
      Ach so, das muss so eine Art partielle Blindheit für Staub und Dreck sein … Ja, nee, is klar.
    • „Mein Mann kümmert sich um das Auto oder den Garten, und ich übernehme den Haushalt.“ –
      Ohne Worte.

    Leute, das sieht noch nicht mal auf den allerersten Blick fair aus. Vertauscht mal die Rollen, dann merkt ihr, was ich meine.

    Irgendwo habe ich neulich sogar gelesen, dass Männer sich absichtlich doof und ungeschickt im Haushalt anstellen, damit die Frau ihnen die Aufgaben dann wieder abnimmt. Geschickt von den Herren – und ganz schön dumm von uns Frauen. Bei unseren Kindern fällt uns doch dieser alte Trick auch auf, oder? „Wenn du das nicht kannst, dann machst du das jetzt so lange, bis es klappt.“

    Worauf will ich eigentlich hinaus?

    Ich will, dass wir Frauen unser Verhalten hinterfragen! Ich wünsche mir, dass wir erkennen, wie selbstverständlich wir im Alltag in unseren geschlechtsspezifischen Rollen leben, ohne diese kritisch zu überprüfen. Vor allem will ich allen Frauen Mut machen, sich von der vermeintlichen alleinigen Verantwortung für Haushalt und Kinder freizumachen.

    Wagen wir ein Gedankenspiel

    Du bist eine Frau und hast heute keine Lust zu kochen – was wird wohl passieren, wenn du das deiner Familie mitteilst? Du kennst deine Mitbewohner, wie werden sie reagieren? Sind sie in der Lage, eigenständig Lösungen zu finden und sich zu versorgen, oder werden sie laut jammernd verhungern? Ich bin sicher, sie werden das dank Lieferservice oder schnell zusammengerührter Bolognese mit Spagetti überleben. Du denkst jetzt sicherlich: Bravo! Doch verkneife dir das bitte einfach, denn du applaudierst deinem Mann und den Kindern ja auch nicht, wenn die sich morgens selbstständig ankleiden, oder? (Ausgenommen sind natürlich alle Kinder unter drei Jahren).

    Die Küche und auch das Wohnzimmer sehen nach dem Essen natürlich chaotisch aus, die Kinder müssen ins Bett, und der Mann will aufs Sofa, denn gleich kommen die Nachrichten. Was willst du? Eine aufgeräumte Küche, schlafende Kinder und einen gemütlichen Abend mit dem Mann auf dem Sofa? Was willst du wirklich? Nach einem anstrengenden Arbeitstag die Füße hochlegen und zwei bis drei Folgen deiner Serie weiter gucken oder eine Runde joggen gehen und dann ab in die Badewanne.

    Der Aufwand, die Kinder ins Bett zu bringen, hängt sehr stark von verschiedenen Faktoren ab, auf die du in diesem Moment leider keinen Einfluss (mehr) hast:

    • Alter der Kinder,
    • Mittagsschlaf: ja|nein,
    • Ereignisdichte des Tages,
    • Verschmutzungsgrad der Kinder,
    • Kooperationsbereitschaft beim Zähneputzen,
    • Morgens früh raus: ja|nein,
    • mehrere Kinder|ein Kind,
    • gemeinsames Schlafzimmer|getrennte Schlafzimmer,
    • und vieles mehr.

    Da müssen wohl alle Eltern durch, leider. Und mit Eltern meine ich Mütter und Väter. Aber die gute Nachricht ist: Es wird mit der Zeit wieder sehr viel einfacher. Wirklich, versprochen! Doch das ist ein ganz anderes Thema

    Was nun das Chaos in der Küche betrifft, da ist die Sachlage ganz einfach: machen oder lassen. Oder machen lassen. Was wäre wohl, wenn du einfach deine Füße hochlegst und deine Serie schaust? Wird der Mann das Chaos in der Küche bemerken? Wird es ihn stören? Wird er es gar beseitigen? Und vor allem die Frage: Wie viele Tage wird das dauern? Nee, ich mach nur Spaß. Die eigentlich entscheidende Frage lautet: Stört dich das Chaos in der Küche beim Gucken deiner Serie? Wenn ja, warum denn nur?

    Nehmen wir an, du hast dich am Abend für das Sofa entschieden. Irgendwann bist du dabei einfach eingeschlafen – und dann mitten in der Nacht nur noch ins Bett getorkelt. Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 6 Uhr. Wer steht nun auf und bereitet Küche und Kinder für den Tag vor? Wer kocht den Kaffee und bringt ihn wem ans Bett? Wer muss schnell losfahren zur Arbeit oder bleibt noch ein bisschen liegen, weil das erste Meeting oder das Kinderturnen erst um 9 Uhr beginnt?

    Wie teilt ihr euch auf, und warum ist die Aufteilung, wie sie ist? Ist es aus Gewohnheit, oder weil das eben so typisch Frau/typisch Mann zu sein hat? Teilt ihr es nach Bedarf oder nach entsprechenden Fähigkeiten? Sind beide Elternteile für das Gelingen am Morgen verantwortlich oder nur eins? Könnte die eine Person jederzeit für die andere einspringen?

    Gleichberechtigung beginnt zu Hause

    Diese Überlegungen und Fragen kannst du zu allen Bereichen des Haushalts fortführen: Einkaufen, Wäsche waschen, Badezimmer putzen usw. Innerhalb einer Familie wird sich die Aufteilung der Haushaltstätigkeiten im Laufe der Zeit immer wieder verändern, je nach Alter der Kinder und beruflicher Belastung der Eltern. Das gilt es dann immer mal wieder neu auszuhandeln.

    Jede Familie sollte sich im Haushalt gegenseitig unterstützen und die Aufgaben fair verteilen. Es wohnen ja schließlich auch alle Familienmitglieder in dem Haushalt. Gleichberechtigung kann nur funktionieren, wenn sie zu Hause beginnt. Aber bedenke dabei: Es geht oft nicht um einen Wettbewerb für Schöner-Wohnen, sondern nur um das bisschen Haushalt. C’est la vie!

     

     

    Titelbild by Annie Spratt on Unsplash
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