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    „Wie egoistisch muss man sein, einem Baby einen Kaiserschnitt anzutun?“
    Gastmama Sabrina musste sich vor ihrem Wunschkaiserschnitt aufgrund eines Geburtstraumas viel anhören. – Warum ein Kaiserschnitt nicht der leichte Weg ist, aber die Lösung sein kann

    Fast jede dritte Geburt in Deutschland endet in einem Kaiserschnitt. Die Gründe können dafür sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist es ein lebensrettender Segen, dass es die Möglichkeit des Kaiserschnittes gibt. Auch Wunschkaiserschnitte sind möglich. Diese führen aber immer wieder zu Diskussionen und polarisieren, wie auch Gastautorin Sabrina Gappa erleben musste. Ihr fiel die Entscheidung für die Sectio keineswegs leicht und war ein langer und nicht einfacher Prozess. Dennoch war es für sie die erlösende Entscheidung.

    Warum der Kaiserschnitt nicht der einfache, aber für mich richtige Weg war

    „Wie egoistisch muss man sein, einem Baby einen Kaiserschnitt anzutun?“

    Ufff…das hat gesessen und ich so schockiert, dass ich gar nichts sagte. Hat gerade eine fremde Frau, die mich heute zum ersten Mal gesehen hat, das wirklich zu mir gesagt? Ich fühle mich schlecht, fühle mich angegriffen, irgendwie verletzt, obwohl ich sie nicht kenne. Gleichzeitig bin ich wütend. Und ich stelle mir die Frage, wieso sie denkt das beurteilen zu dürfen, mich verurteilen zu dürfen. Sie kennt meine Geschichte doch gar nicht.

    Das ist meine Geschichte!

    Vor 8 Jahren kam mein ersehntes erstes Kind zur Welt. Die natürliche Geburt war leider schwerst traumatisch, gewaltvoll und erniedrigend. Es folgte eine fast 6-monatige Wochenbettdepression. Für mich war klar. NIE WIEDER!

    Nach 2-3 Jahren kam der Kinderwunsch, den ich so schön verdrängt hatte, aber wieder hoch. Ich lebe immer lösungsorientiert, daher war klar, dass ich eine Alternative brauchte. Wie kann ich meinen Wunsch einer Großfamilie erfüllen, ohne wieder in den dunklen Abgrund gehen zu müssen?

    Ein Kaiserschnitt? Nein, das macht man doch nur im Notfall, oder?

    Ich begann zu recherchieren. Es gab auf einmal Wörter wie „Wunschkaiserschnitt“ und „Bauchgeburt“. Das klang eigentlich ganz gut. Aber muss ich es nicht so machen wie die Natur es vorschreibt? Und ich muss doch ans Baby denken. Ist mein Kind nicht verstört, wenn es „falsch“ zur Welt kommt? Wird man denken, dass ich feige und schwach bin. Dass ich halt einfach kein Kind mehr bekommen sollte, wenn ich es anscheinend nicht kann. Der Gedanke an eine natürliche Geburt jagte mir aber sofort Tränen in die Augen und ich fühlte mich wieder machtlos und ohnmächtig. Ich konnte es mir nicht nochmal antun. Und ich durfte keine weitere Depression riskieren, ich hatte ja bereits ein Kind, das mich brauchen würde. Mein Mann hatte auch große Angst, dass es mir wieder schlecht gehen würde.

    Nein, ich durfte für die Familie nicht erneut ein Totalausfall sein.

    Durfte ich mich also dafür entscheiden, damit es mir erstmal gut geht, damit ich für meine Familie da sein? War das selbstbestimmt? Alle Infos über Kaiserschnitte machten mir große Angst. Ich müsste also dahin gehen und quasi sagen „Bitte schneiden sie mir den Bauch auf.“

    In Rücksprache mit der Gynäkologin und einer Therapeutin wurde ich aber bestärkt. Die Gefahr einer Retraumatisierung im Kreissaal war sehr hoch. Ein Kaiserschnitt wurde empfohlen. Und ich spürte eine Erleichterung. Ahhh, endlich die Legitimation!

    Ich durfte mich ganz offiziell für mich entscheiden

    Das fühlte sich wunderbar an. Und ich spürte, dass das von Anfang an mein Bauchgefühl war. Dass ich mir nur nicht getraut hatte, das zu sagen. Nicht mal vor mir selbst. Jetzt war ich sicher, das war mein Weg, unser Weg. Ich war sehr glücklich.

    Und dann kam das Außen:

    • „Echt? Ein Kaiserschnitt? Freiwillig? Du weißt, was da passieren kann, oder?
    • „Oh nein, tu das dem Baby nicht an.“
    • „Versuch’s doch nochmal natürlich, das wird heilend sein.“
    • „Überleg dir das bitte gut. Mach das nicht einfach so. Erkundige dich erstmal.“
    • „Ja klar, dein Trauma. Aber machst du es dir nicht verdammt leicht?“
    • Und natürlich der Abschuss: „Wie egoistisch muss man sein, einem Baby einen Kaiserschnitt anzutun?“

    Damit hatte ich nicht gerechnet. Das haute mich total um. Warum waren alle dagegen? Warum sagten die Menschen denn nicht „Schön, dass du eine Möglichkeit gefunden hast.“ Oder „Wow, das ist mutig. Ich wünsche dir alles Gute.“ Und warum dachten andere Menschen das bewerten zu dürfen? Dachte man etwa, dass ich mir echt keine Gedanken gemacht hatte?

    Was diese Menschen taten, war nichts anderes als mich zu verunsichern. Mich, die nichts anderes als Support gebraucht hätte. Das schockierte mich nachhaltig. Manchmal fragte ich mich auch, ob sie teilweise neidisch waren, weil ich mir selbst auch eine Priorität gegeben hatte.

    Mein Kaiserschnitt lief gut. Mein Baby war gesund. Die Schmerzen heftig. Aber mir ging es gut. Ich hatte endlich die Gefühle, die ich mir für eine Geburt gewünscht hatte. Ich war glücklich. Ich konnte für alle da sein. Ich war so unendlich dankbar auf mich gehört zu haben.

    Vor drei Monaten bekam ich nun mein drittes Kind, auch mit einem Wunschkaiserschnitt. Dieses Mal war ich von Anfang an selbstbestimmter, klarer und ehrlicher. Ich vertraue mir heute und weiß, dass ich gut spüren kann, was für meine Familie und mich das Beste ist!

    Und NEIN, der Kaiserschnitt ist also keine leichte Entscheidung, nicht der einfache Weg. Es ist eine Operation, ein großer Eingriff, der Angst macht. Trotzdem kann es die Lösung für eine Frau sein. Eine Lösung, die viel Mut braucht.

    Deine Sabrina

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    Unser Redaktionsteam schreibt über alle Themen, die dich als Mama, Schwangere, Partnerin, Ehefrau, Freundin, Alleinerziehende oder einfach nur als Frau interessieren. Wenn dir ein Inhalt fehlt oder du selbst über etwas schreiben willst, deine Geschichte erzählen möchtest oder uns einfach eine andere Perspektive geben will, schreib uns an redaktion@mother-now.de.de

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