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    Corona Schwangere Infekt

    Wenn Corona in einer Frühgeburt endet
    Bislang war die Impfung von Schwangeren eine Einzelfallentscheidung. Fachverbände fordern eine Empfehlung der Impfkommission. Doch die kommt ihnen nur ein stückweit

    Tausend Fragen rund um das Thema Corona kreisten in den vergangenen Monaten in den Köpfen von Schwangeren. Sie alle drehten sich meist um die veränderten Rahmenbedingungen der Schwangerschaft wie Vorbereitungskurse, Arztbesuche, Kreißsaal Begleitungen, über die Geburt selbst und die Zeit danach. Doch eine Frage war bislang nicht omnipräsent und könnte es nun werden: Was, wenn ich mich selbst in der Schwangerschaft mit dem Covid-19-Virus infiziere? Die aktuellen Zahlen und vor allem die überproportionale Zunahme der Fallzahlen geben Anlass zur Sorge. Fachgesellschaften schlagen Alarm, nun reagiert das Robert-Koch-Institut.

    Ärzte fordern Impfung von Schwangeren zum Schutz der Frauen und Babys

    Mit Sorge blicken viele Schwangere derzeit nach Hamburg. Denn während sich auch in der Hansestadt der 7-Tage-Mittelwert seit Anfang Mai wieder tendenziell herunter bewegt, steigt ein Einzelwert: Die Anzahl der infizierten Schwangeren, die mit Covid-19 auf den Intensivstationen liegen. War es im ganzen Jahr 2020 nur eine Schwangere, die im Uniklinikum Eppendorf mit dem Virus einen Platz auf der Intensivstation belegte, sind es 2021 bereits sieben Fälle. Im Zeit-Artikel benennt der Direktor des Universitätsklinikums Eppendorf, Stefan Kluge, die Häufung als Phänomen und vermutet einen Zusammenhang mit der deutlich höheren Infektionsrate bei Kindern durch die Mutante B.1.1.7.. In der Konsequenz forderte Kluge die Impfung von Schwangeren auch ohne Zulassung, da der Nutzen das Risiko überwiege. Damit steht der Mediziner nicht allein da. 

    Bundesweit erkrankten laut Cronos-Register bis Mai bereits 1905 Schwangere, eine von 25 Frauen musste intensivmedizinisch behandelt werden, jede fünfte davon benötigte eine Atem-Unterstützung und eine von zehn eine ECMO-Therapie. Laut der Analyse des Cronus-Registers starb eine von 2.000 Frauen an der Infektion, was nicht nur internationale Daten stützt, sondern die Sterblichkeitsrate von Schwangeren vervielfacht.

    Das Register wurde vor einem Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) ins Leben gerufen. Die Plattform dient dem schnellen und informellen Zusammenschluss von Geburtskliniken und Fachkliniken und schafft eine Plattform. Dort werden infizierte Schwangere registriert, um so eine Datenbasis zu schaffen. Inzwischen speisen etwa 150 Kliniken, darunter die großen Geburtskliniken, ihre Daten in das Register ein. 

    Mehr Frühgeburten und Kaiserschnitte bei infizierten Schwangeren

    In absoluten Zahlen scheint das Risiko bedingt zu sein. Doch die Datenlage zeigt, dass eine Infektion während der Schwangerschaft mit schweren Verläufen einhergeht. Diese Zahlen steigen aktuell zahlenmäßig stark an. Sorge bereitet den Medizinern auch der deutliche Anstieg von Frühgeburten und Kaiserschnittentbindungen, die mit den steigenden Zahlen der infizierten Schwangeren einhergeht.

    Dies bestätigen laut Robert-Koch-Institut (RKI) auch internationale Studien. Dennoch gab die STIKO bislang keine Impfempfehlung für Schwangere raus, womit rechtliche Sicherheit für Ärzte fehlt. Ein fataler Fehler, meinte die DGPM und forderte gemeinsam mit  zehn weiteren Fachgesellschaften die Impfempfehlung in einem gemeinsamen Positionspapier. Nun reagiert die STIKO und erweitert die bisherige Empfehlung leicht. Nun sollen Schwangere mit einem erhöhten Risiko sich zu infizieren, also etwa wenn kleine Kinder im Haushalt leben oder die Schwangere die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, nach gründlicher Abwägung und Aufklärung einen Impfstoff erhalten. Also eigentlich fast alles beim Alten.

    Bislang wurden nur die Kontaktpersonen, zum Beispiel Partner und Mutter periodisiert geimpft. Die Impfung von Schwangeren war bis jetzt eine Einzelfallentscheidung und abhängig vom Arzt, der die Impfung durchführt. Denn ohne Impfempfehlung der STIKO, bedeutete das ein hohes Haftungsrisiko für den impfenden Mediziner. Eine Empfehlung sollte dies kippen und zu einem Impfschutz von Schwangeren führen, damit diese nicht umgeimpft bleiben müssen, wenn sie es nicht wollen.

    Grund für die Unsicherheit innerhalb des RKI waren bislang fehlende Studien, die den wissenschaftlichen Standards der Kommission nicht entsprechen. Vor allem eine umfassende Risikoabwägung für das Ungeborene fehlt. Und auch einige internationale Studien warnten vor schweren Folgen.

    Die erweiterte Empfehlung soll ein Symbol sein. „Es ist ein Signal an die Politik, aber auch an die betreuenden Frauenärzte, dass man Schwangeren eine Impfung nach individueller Prüfung großzügig empfehlen kann“, sagt Stiko-Mitglied Dr. Marianne Röbl-Mathieu, die die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) vertritt, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Doch was heißt das genau? Leider bleibt diese Frage unklar.

    Studien aus dem Ausland und Cronos-Register schaffen Datenbasis

    Ganz unrecht hat das RKI nicht. Die Forschungsgrundlage der Studien ist dünn.  Bislang fehlen Hinweise auf eine Gefährdung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes. Zu gering ist die Anzahl der Probandinnen der Studien. Das stimmte bei der STIKO bislang nicht für eine Impfempfehlung.

    Die Fachgesellschaften wählten für ihre Empfehlung jedoch einen anderen Ansatz. Die Vermeidung eines Risikos, für das bereits jetzt die Zahlen sprechen: Schwere Verläufe, steigendes Frühgeburtsrisiko. Und griffen neben dem vor einem Jahr eröffneten Cronos-Register auch auf ausländische Studien zurück. Ein Engagement, dass die STIKO mit der Erweiterung zu würdigen versucht.

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    Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) äußert sich im Positionspapier: “Die Auswertung der wissenschaftlichen Daten zeigt uns, dass eine Impfung aller Schwangeren äußerst sinnvoll wäre. Denn allein das Frühgeburtsrisiko liegt bei COVID-19 positiv getesteten Frauen bis zu 80 Prozent höher, als bei gesunden Schwangeren.”

    Deshalb schlossen sich die Fachgesellschaften zusammen und empfohlen die Impfung mit einem mRNA-basierten Impfstoff. Denn dazu ist bislang kein einziger Hinweis auf vermehrte Komplikationen wie Frühgeburten, Fehlbildungen oder Wachstumseinschränkungen beim Neugeborenen in den Studien zu finden und damit eine risikofreie Schwangerschaft wahrscheinlicher.

    Auch die Impfstoffhersteller forschen mit Hochdruck in diese Richtung. Der Hersteller Biontech/Pfizer führt derzeit auf eigenes Bestreben hin eine klinische Studie durch, an der 4.000 Schwangere teilnehmen. Wann erste Ergebnisse vorliegen ist noch unklar.

    Im Ausland wird bereits erfolgreich geimpft

    Im Ausland ist man bereits einen Schritt weiter. In den USA, Großbritannien oder Israel werden sowohl Schwangere, als auch Stillende geimpft. Dort beruft man sich auf eine Studie des American Journal of Obstetrics & Gynecology, in der die Forscher nach Impfungen mit BioNTech und Moderna nicht nur bei den schwangeren Frauen Antikörper fanden, sondern diese auch in der Nabelschnur und der Muttermilch nachweisen konnten.

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    Die US-Forscher gehen basierend auf dieser Erkenntnis davon aus, dass eine Impfung von Schwangeren sicher und effektiv ist und der Impfschutz auch auf die Kinder übertragen wird. Eine Impfung könnte also gleich zwei Menschen schützen. Dieser Erkenntnis folgt auch Ekkehard Schleußner, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) und Leiter der Autorengruppe des Positionspapiers: “Da nachgewiesen ist, dass durch die Impfung gebildete Antikörper über die Muttermilch transportiert werden, sind gestillte Neugeborene durch eine Nestimmunität geschützt.”

    „Es war furchtbar! Und der Albtraum ist noch nicht vorbei.“

    Impfschutz hätte sich auch Diana gewünscht. Die 36-Jährige hat vor sechs Wochen ihre Tochter auf die Welt gebracht. Vier Wochen früher, als geplant. Zwei weitere Wochen musste ihr Kind auf der Neonatologie behandelt werden – zu klein und zu schwach war Mathilda.

    „Mir ging es eigentlich gut. Ich hatte eine gute Schwangerschaft und habe versucht mich weitestgehend zu isolieren“, berichtet die 36-Jährige. Doch dann kamen die Gliederschmerzen, das Fieber, der Husten. „Alles klassische Anzeichen. Also habe ich einen Schnelltest gemacht und habe mich anschließend zum PCR-Test gemeldet.“  15 Minuten nach dem Test die absolute Gewissheit: COVID POSITIV.

    „Ich war krank, mir ging es nicht gut. Aber das war in Ordnung. Es war wie eine sehr heftige Grippe über zweieinhalb Wochen“, sagt Diana. Und gerade als sie sich wieder fitter fühlte sprang die Blase. „Das war einfach zu früh!“

    Damit ist Diana keine Ausnahme. Nach den Erkenntnissen einer Übersichtsstudie, die 192 Beobachtungsstudien zusammenfasst, zeigen Schwangere in diesem Vergleich nicht nur seltener Symptome, wie zum Beispiel Fieber oder Gliederschmerzen, sondern erleben auch häufiger einen schweren Infektionsverlauf und müssen prozentual öfter auf der Intensivstation behandelt und beatmet werden.

    Besonders auffällig ist offenbar ein Zusammenhang: Während die Frühgeburtsrate unabhängig von einer symptomatischen Covid-Erkrankung erhöht ist, ist die Rate der Kaiserschnitte besonders erhöht bei den Frauen, die während ihrer Schwangerschaft mit Symptomen erkrankten.

    Eine Schwangere kann nicht genauso intensivmedizinisch behandelt werden, wie eine nicht schwangere Frau

    Denn eine Schwangerschaft und eine schwere Infektion schafft der Körper nicht. Gerade im letzten Drittel einer Schwangerschaft werden viele Organe durch die wachsende Gebärmutter verdrängt. Hinzu kommt das bereits veränderte Immunsystem, das Schwangere per se einem höheren Infektionsrisiko aussetzt. Da die Lunge auch in einer gesunden Schwangerschaft einem besonderen Druck ausgesetzt ist, verschärft sich die Situation im Falle einer Infektion immens.

    Eine adäquate intensivmedizinische Versorgung der Frau ist kaum bis gar nicht möglich. Viele Medikamente sind nicht anwendbar und eine Bauchlagerung im absoluten Notfall nicht möglich. Es kommt also zu Frühgeburten, damit die Frau überhaupt eine Chance hat, die Infektion zu überstehen.

    Noch heute leidet vor allem Mathilda unter der Frühgeburt, erzählt Diana von ihrem Gefühl. „Sie ist ja eigentlich erst zwei Wochen alt. Wir müssen oft zum Arzt und so viele Werte kontrollieren. Die erste Zeit mit meinem Baby hab ich mir anders vorgestellt. Ich habe so große Angst, dass meine Infektion für sie noch Spätfolgen haben wird.

    Covid Corona Schwangerschaft

    Eine wirkliche Entwarnung kann Diana derzeit niemand geben. Zu frisch und ungenau sind die ersten Forschungsergebnisse. Von den Schwangeren, die im Cronos-Register gelistet sind, wurden bereits 1.619 Babys geboren. Weniger als fünf Prozent wurden nach der Geburt positiv auf Covid getestet, davon wenige die ernsthaft erkrankt sind. Dennoch: Dreimal häufiger mussten Neugeborene, deren Mutter sich während der Schwangerschaft mit Covid infizierte, auf eine neonatologische Intensivstation verlegt werden.

    Fallzahlen, die allesamt mit einer Impfung umgangen werden könnten, sind sich die Fachgesellschaften sicher. “Da nachgewiesen ist, dass durch die Impfung gebildete Antikörper über die Muttermilch transportiert werden, sind gestillte Neugeborene durch eine Nestimmunität geschützt“, sagt Ekkehard Schleußner, Vizepräsident der DGPM und Leiter der Autorengruppe. Die dürfte angesichts der nun ausgesprochenen Empfehlung der STIKO nur bedingt erleichtert sein. Denn damit ist die Pattsituation des impfenden Arztes nicht beendet und dieser muss noch immer im Zweifel gegen die Impfung und für seine Rechtssicherheit entscheiden.

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