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    Darf Kleidung in der Schwangerschaft sexy sein?
    So kann man Mode in anderen Umständen für sich ganz neu definieren

    Nina Hein ist Professorin für Modemangement und hat sich für SOCIAL MOMS Gedanken darüber gemacht, was und wie wir uns in der Schwangerschaft anziehen sollen, können, dürfen. 

     

    Für Frauen, die sich auch in der Schwangerschaft zeitgemäß kleiden wollen, hält die Bekleidungsindustrie eine eigene Gattung bereit – die so genannte „Umstandsmode“.  Ein Monstrum von einem Wort, das ungefähr so sexy klingt wie „Autozubehörteile“ und zusätzlich suggeriert, dass es sich bei einer Schwangerschaft um eine lästige, weil „umständliche“ Lebensphase handelt. Ich würde lieber von einer abwechslungsreichen Lebensphase sprechen, die viele verschiedene Zustände bereithält, zu denen auch vereinzelt „lästige“ zählen dürfen (Übelkeit am Morgen, dann wieder Heißhunger usw.).

    Darf Mode in der Schwangerschaft sexy sein?

    Obwohl sie sehr vielfältig und intensiv ist, ist die Zeit der Schwangerschaft eine relativ kurze Lebensperiode, und es stellt sich die Frage, ob dieser Zeitabschnitt überhaupt eine eigene Mode braucht, und, ob diese Mode sexy sein darf? Den zweiten Teil der Frage muss ich unbedingt mit „Ja“ beantworten, denn meine Definition von Mode beinhaltet immer die Maßgabe, dass zumindest ein Funken Sexiness zum visuellen Ausdruck von Mode dazugehört. Dabei geht es überhaupt nicht um Nacktheit, sondern um Lässigkeit und Selbstverständnis und dieses gewisse Etwas, das Frauen versprühen, von denen wir denken „Wow, sieht die cool aus“. 

    Den ersten Teil der Frage beantworte ich wiederum mit einem klaren „Jein“. Natürlich verändert sich der Körper in der Schwangerschaft und muss anders bekleidet werden als ein Körper ohne neue Rundungen, aber das bedeutet weder, dass Frauen sich in Zelte hüllen sollten, wie Umstandsmode früher vorgeschlagen hat, noch dass sie plötzlich einen neuen Stil für sich erfinden müssen. Aus praktischer Sicht brauchen sie nur dann etwas an ihrem Bekleidungsverhalten zu ändern, wenn sie gerne ganz enge Hosen tragen, denn die gehen spätestens ab dem sechsten Monat einfach nicht mehr zu. Wenn sie auf solche Hosen verzichten und ihrer Garderobe ein paar dehnbare Jerseyteile hinzufügen, die zu ihrem bisherigen Stil passen, wird sich an ihrer modischen Erscheinung gar nichts ändern. Es gibt aber Frauen, die Lust haben, dieser besonderen Lebensphase mit einer veränderten Kleidung Ausdruck zu verleihen. Denn das ist ja eine der Möglichkeiten von Mode, einem inneren Befinden einen visuellen Ausdruck zu geben. Viele Experten gehen sogar so weit zu sagen, dass Mode die Identität eines Menschen verbildlicht. 

    Was ist meine Identität als Schwangere und welche Bilder finde ich dafür?

    Von dieser These ausgehend könnten sich Frauen fragen, die Lust haben, als Schwangere einen neuen Look auszuprobieren: „Was ist meine Identität als Schwangere und welche Bilder finde ich dafür?“ 

    Vielleicht fühlen sie sich weiblicher als vorher und tragen deshalb Kleider und Röcke anstelle von praktischen Hosen. Oder sie fühlen sich entspannter und tragen warme Farben anstelle von existentialistischem Schwarz. Vielleicht passen die Oberhemden des Partners gut über den dicken Bauch und lassen einen coolen androgynen Look entstehen, wie er gerade angesagt ist. 

    Lust auf Cocooning

    Für manche Frauen geht es wiederum gar nicht um eine Veränderung des Aussehens, sondern sie erleben ein verändertes Körpergefühl, das weniger nach einer neuen Erscheinung sucht, sondern vielmehr nach einem anderen Empfinden, das ihnen die Kleidung vermittelt. Der schwangere Körper verändert sich täglich, er wird fülliger und weicher und zusätzlich auch empfindlicher. Daraus könnte ein Verlangen nach gemütlicherer Kleidung entstehen, in die man sich einkuscheln kann. Auch der einsetzende Nestbautrieb kann sich in einem gesteigerten Bedürfnis nach „Cocooning“ und damit nach mehr Weichheit für die Umhüllung des Körpers ausdrücken. 

    „Karl Lagerfeld hat nicht immer Recht!"

    Hier können Jogginghosen zu einem Lieblingsteil werden,  denn Karl Lagerfeld hat nicht immer Recht, obwohl er einmal in einer Talkshow gesagt hat: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!" Schwangere dürfen die Kontrolle verlieren, sie müssen sich gehen lassen, nachgeben und runder werden. Es kann ihrer Identität als Schwangere dementsprechend angemessen sein, sich als weiche und runde Frau zu zelebrieren, die es etwas lässiger angehen lässt, egal, was ein Modezar oder sonst jemand davon hält. Wer nicht zu „casual“ daherkommen will, kann als Alternative dehnbare enge Teile tragen, wie Leggins und knappe T-Shirts, die trotzdem dem Bedürfnis nach Bequemlichkeit entgegenkommen. Eine Variante, die für alle Frauen perfekt ist, die es kaum erwarten können, ihren runden Bauch zu zeigen, um möglichst früh der ganzen Welt entgegen zu rufen: „Schaut her, was mir Großartiges passiert!“

    Mode findet immer statt!

    Ich denke, die Zeit der Schwangerschaft braucht nicht unbedingt eine eigene Mode. Trotzdem findet Mode immer statt, ob als leises Hintergrundrauschen oder als farbenfrohes Bekleidungsorchester. Wenn wir die Mode umarmen, kann sie uns dabei helfen, dass wir uns wohlzufühlen und ein spielerisches Werkzeug sein, den wunderbaren „Umstand“ der Schwangerschaft zu feiern. Dann schenkt sie uns neuen Spielraum, um uns in dieser Lebensphase zurechtzufinden.

     

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