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    Postnatale Depression und Geburtstrauma
    Eine Mama erzählt von ihrem Prozess der Heilung, inkl. Hilfsangeboten für Betroffene

    [Triggerwarnung: Traumatische Geburtsfolgen] 
    Den von vielen als “schönster Tag im Leben” bezeichnete Geburts-Tag des Kindes, wird von manchen Mamas leider als genau gegenteilig erlebt. Eine Geburt kann nicht nur per se anstrengend und schmerzvoll sein. Eine Geburt kann sogar ein einschneidendes traumatisches Erlebnis sein. Diese nachhaltige Erfahrung, ihre Folgen und ja, das Trauma dadurch, sind leider immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Wir möchten dieses Thema deswegen gerne wieder und wieder zur Sprache bringen, um genau dagegen anzukämpfen und Frauen, denen es ähnlich geht, Unterstützung, Ermutigung und Hilfe zu bieten. Denn leider erfahren Betroffene in ihrer Umgebung noch wenig Verständnis oder werden sogar nicht ernst genommen. 

    Geburtstraumata können ganz unterschiedlich entstehen. Es geht um die Wünsche und Selbstbestimmung der Frau. Frauen, die ein Geburtstrauma beschreiben sprechen von: körperlicher, verbaler und nonverbaler Grenzüberschreitung durch medizinisches Personal, dem Gefühl ausgeliefert zu sein, Demütigung und Scham zu verspüren, Todesangst und dem nicht wissen ob das Kind oder man selbst die Situation überleben wird, sich alleingelassen zu fühlen und Ungewissheit über die Situation zu haben, unbändige Schmerzen zu erleben.

    Viele Frauen entwickeln nach einem Geburtstrauma eine postnatale Depression, bei der die Frauen sich als empfindungs-los beschreiben. Es ist wichtig, dass du nach einer schweren Geburt dir und deiner Familie etwas Gutes tust. Das kann für jeden etwas ganz unterschiedliches sein. Vielleicht brauchst du aber auch Unterstützung dabei und merkst, dass die Geburt Spuren hinterlassen hat, die du vielleicht selbst nicht bewältigen kannst. Dann solltest du dir Hilfe holen. 

    Wir möchten heute eine Mama zu Wort kommen lassen, die eine traumatische Geburt erlebt hat und viele Jahre unter postnataler Depression litt. Carolin Schneider erzählt ihre Geschichte und sie erzählt auch von dem Weg der Heilung. Denn heute geht es ihr gut. Carolins Geburtsgeschichte könnt ihr in einem geschützten Bereich lesen. Registriert euch für die Community und ihr könnt den Artikel lesen. Zur Anmeldung in der Community, den Registrierungsbutton ganz oben rechts klicken.

    Wir wollen euch unterstützen, wenn es euch ähnlich geht, deswegen haben wir genau an dem Punkt der Heilung weiter nachgefragt und auch am Ende eine Liste verlinkt, die Hilfsstellen und -angebote zusammenfasst. 

    Carolins Geschichte – geprägt von Kontrollverlusten

    „Es war mein erstes Kind, ein absolutes Wunschkind und ich war im Vorfeld geblendet von all den rosa Erzählungen, wie toll es sein würde, schwanger zu sein und wie wunderbar es sein würde, Mutter zu sein. Ich hatte keine Angst vor dem was da kommen sollte. Ich wollte gern alles so natürlich wie möglich haben. Meine Schwangerschaft verlief allerdings eher schwierig, vier Monate lang habe ich mich täglich übergeben. Als das endlich ein Ende hatte, kamen Kreislaufprobleme und Schwindel. 

    Eines Morgens, zu Beginn der 38. Schwangerschaftswoche wachte ich auf und spürte bereits ehe ich in den Spiegel sehen konnte, dass da etwas mit meinem Gesicht nicht stimmte. Ich stand auf und sah mein gelähmtes Gesicht. Da war es das erste Mal: das Gefühl von Kontrollverlust.

    Ich kam mit einem Krankenwagen in die Notaufnahme mit Verdacht auf Schlaganfall. Dort lag ich dann einen Tag lang mitten auf dem Gang ohne Essen, Trinken, ohne Betreuung und mit dieser angsteinflößenden Vermutung. Der Verdacht des Schlaganfalls bestätigte sich nicht, man behielt mich im Krankenhaus. In den nächsten Tagen versuchte man nach der Ursache für diese Lähmung zu suchen, erfolglos. Eine idiopathische, periphere Fazialis Parese war die Diagnose, was so viel heißt wie: „Wir haben auch keine Ahnung, wo Ihre Gesichtslähmung herkommt.“ 

    Zwei Wochen später ging es los. Es folgte eine sich langhinziehende traumatische Geburt mit vielen Eingriffen, während der ich mehrere Kontrollverluste erlebte und unter Angst und Panik litt.

    „So schön hatte ich mir diesen Moment Wochen vorher ausgemalt. Aber nun, wo er da war, war da nichts."

    Als man mir das Baby gab, war ich erschrocken über dieses große Kind. Mein Sohn wog 4490g bei 55cm und 38cm Kopfumfang. Ein großes, blaues Hämatom prangte an seinem Hinterkopf und lies erahnen, dass auch für ihn diese Geburt eine Qual gewesen sein musste. So schön hatte ich mir diesen Moment Wochen vorher ausgemalt. Aber nun, wo er da war, war da nichts. Ich wusste, dass ich mich jetzt freuen sollte, aber ich war einfach am Ende und nicht einmal Freude stellte sich ein. Ich war gar nicht mehr aufnahmefähig nach alldem, was vorher geschehen war. 

    Als ich genäht und versorgt war, kamen wir am Nachmittag endlich auf Station. Es dauerte nicht lange und ich wollte schreien vor Schmerzen. Ich schwitzte und fühlte mich elend. Ich ahnte noch nicht was dann folgte.. 

    Durch den hohen Blutverlust wurde ich immer wieder bewusstlos. Die Situation war unklar, da nicht zu ergründen war, woher die plötzlich starken Blutungen stammten und was zu tun sei. Deshalb ging es plötzlich zurück in den OP.


    Die OP war erfolgreich, aber es ging mir nicht gut. An die nächsten Tage habe ich kaum Erinnerungen. Mein Gesicht war nun nicht nur schief und gelähmt, sondern auch noch geschwollen. In den Augen waren die Adern geplatzt und meine Hände waren angelaufen. Ich konnte sie kaum bewegen. Ich bekam eine Bluttransfusion, wurde gespült und gereinigt. Ich konnte nicht aufstehen, schlief und wer weiß was noch. 

    Zurück Zuhause – ich war gebrochen!

    Als wir bereits nach 5 Tagen nach Hause sollten, war ich noch immer müde und hatte große Angst. Ich konnte mich schlecht auf den Füßen halten, bisher hatte nur mein Partner das Kind gewickelt. Mir war nichts gezeigt worden im Umgang mit dem Jungen. 

    Zuhause sollte ich nun eine glückliche Mutter sein, die sich gut erholt. Aber ich war gebrochen! Äußerlich und innerlich schwer gezeichnet von diesem schlimmen Trauma hatte ich keine Kraft zu funktionieren. Auch zu Hause wurde mir immer wieder schwindelig. Ich gab mir die allergrößte Mühe stark zu sein. Besuch kam und ging. Eine wunderbar, gute Seele brachte mir vorgekochtes Essen, damit die Milchproduktion in Gang blieb und ich nicht am Herd stehen musste. Und mein Kind schrie, gefühlt schrie er, immer, wenn er nicht schlief. Obwohl ich heute nicht mehr weiß, ob das der Realität entspricht oder damals mein subjektives Empfinden war, aufgrund meiner Erschöpfung. Ich legte ihn an, er trank schlecht. Was bin ich nur für eine grauenvolle Mutter, dass ich nicht einmal das hinbekommen würde. „Dieses Stillen ist so etwas Magisches und Wunderbares“, hatten sie gesagt. Ich hatte Schmerzen bis in die Achselhöhlen, Milchstau mit 40 Grad Fieber und empfand das Stillen als einen Eingriff in meine Privatsphäre, die ich jetzt gerade so dringend brauchte. Aber ich musste funktionieren, ich war jetzt eine Mama. 

    Langsam fanden wir einen Rhythmus und meiner Meinung nach viel zu früh, war ich wieder auf mich allein gestellt. 

    Alltag sollte sich das nennen, Wochenbett – die Babyzeit genießen. Ich konnte nicht genießen. Das Gefühl, Freude zu empfinden, war mir verloren gegangen. Mein Partner wollte langsam wieder „Normalität“ herstellen, um mich damit zu unterstützen, mir einen Rahmen zu geben. Aber ich konnte einfach nicht zurück in mein altes Ich. Diese taffe, unabhängige Frau, sie war weg. Mit der Zeit wurde unser Verhältnis immer schlechter. Ich fühlte mich unverstanden und war überfordert. Vorwürfe häuften sich, wir wurden gemein zueinander, fanden einfach keinen liebevollen Umgang mehr miteinander. 

    Ich zog mich zurück, war viel für mich und versank in Selbstmitleid und Überforderung. Dieses hässliche Gesicht machte mir zu schaffen. Ich hatte keinerlei Gefühl in der linken Gesichtshälfte. Mein Auge tränte ununterbrochen, vor allem bei Wind und Sonne. Also ging ich nicht raus. Ich konnte nur mit einem Strohhalm trinken und beim Kauen meinen Mund nicht schließen. Ich schämte mich. Ich schämte mich so sehr. Aus dem Spiegel wusste ich, wie sich mein Gesicht verzog, wenn ich lachte. Also vermied ich es zu lachen. Das Schlimmste dabei war, ich war nicht in der Lage mein Kind anzulachen, weil ich glaubte, es würde vor mir erschrecken. 

    Am schwersten war es für mich nach Außen so zu tun, als sei jetzt alles wieder in bester Ordnung 

    Ich fand nur sehr schwer in den Schlaf, träumte schlecht, hatte Phantomschmerzen. Oft schlief ich auf dem Sofa, um diesem „Bettgefühl“ aus dem Weg zu gehen. Ich verband dieses Gefühl, lange Zeit zu liegen, mit der Fixierung im Krankenhaus: Kontrollverlust. Niemand wollte mit mir über diese traumatische Geburt sprechen. Fast so, als wäre es nicht passiert, wenn wir nur nicht darüber redeten. Ich ging zum Psychologen, jedoch irgendwie erfolglos. 

    Eine traurige Entscheidung

    Als mein Sohn 9 Monate alt war, trennte ich mich von meinem Partner. Mir war einfach alles zu viel: Kind, Familie, Haushalt, Freunde, Fazialisparese, die gewohnte Umgebung. Ich wollte einfach nur schreiend davonlaufen. Im Anschluss daran fühlte ich mich noch elendiger. 

    „Wenn mein Sohn schlief oder bei seinem Papa war, brach ich zusammen."

    Ich hatte sehr, sehr schnell wieder einen ganz wunderbaren Mann an meiner Seite. Denn Allein sein war zum schlimmsten Gefühl geworden für mich, dass mich in Angst und Panik versetzte. Diese Beziehung bestand vor allem auf seelischer Ebener. Aus heutiger Sicht war er für mich der erste, der mich sah. Der erste, der meine gebrochene Seele sah und sich ihrer annahm, der mich ernst nahm. Er wusste weiß Gott nicht, worauf er sich da einlies. Nun gab ich mir auch noch die Schuld dafür, meine kleine Familie zerstört zu haben, eine egoistische Narzisstin zu sein. In meinen Augen war es das Schrecklichste, was einem Kind passieren konnte. Ich begann, mich zu rechtfertigen, für Alles! Den Alltag mit meinem Kind erledigte ich, aber da war immer dieser stechende Schmerz und wenn mein Sohn schlief oder bei seinem Papa war, brach ich zusammen. Völlige Leere erfüllte mich, ich weinte und schrie, aber es half mir nicht. Ich liebte mein Kind und irgendwie doch auch wieder nicht. Ich gab mir in jedem seiner Entwicklungsprozesse die Schuld, dass er bestimmt so sei, weil ich es nicht besser hingekriegt habe und ihn mit so einem Trauma versah. Dabei war er ein völliger normaler, gesunder, gut entwickelter Junge. 

    Meine Heilung begann

    Eine komplette Auszeit von 5 Tagen in einem Kraftquellentraining erinnerten mich daran, wer ich war. Endlich der erste Schritt in die richtige Richtung. 

    „Erst indem sie mir sagte, ich sei damals in akuter Lebensgefahr gewesen, fühlte ich mich befreit."

    Es folgten eine Traumatherapie bis hin zur Konfrontation im Krankenhaus zwei Jahre später. Man erinnerte sich dort sofort an mich. Die Oberärztin nahm sich alle Zeit der Welt, um mit mir meine gesamte Akte durchzugehen, den Kreissaal und auch die OP Vorbereitung zu besuchen. Erst indem sie mir sagte, ich sei damals in akuter Lebensgefahr gewesen, fühlte ich mich befreit. Befreit von der Last, dass ich alles zerstört hatte. Meine Heilung begann. 

    Mir fällt es heute noch immer schwer zu akzeptieren, dass ich eine gute Mutter sein könnte. Ich strafe mich für jedes Fehlverhalten und empfinde dieses Muttersein als ein ganz schweres Thema. 

    Aber ich liebe mein Kind von Herzen und bin für ihn da. Er heilt mich. Heute schaffe ich es, ihn anzulachen und fühle mich sicher dabei. 90% meiner Gesichtslähmung sind ausgeheilt. Aber einzig und allein durch meine stetige Initative, immer wieder neue Techniken zur Heilung und Nervenstimmulierung auszuprobieren. Von ärztlicher Seite wurde ich hier völlig allein gelassen. Heute fühle ich mich wie eine Kriegerin, die schwer verwundet aus einer Schlacht zurückkehrte. Verwundet, aber nicht erlegen. Und langsam beginne ich, zu verstehen, dass ich mich loben, statt strafen sollte. Der Weg ist noch nicht geschafft, aber ich habe einen wunderbaren Mann an meiner Seite, der mich hält, wann immer das hier alles zu schwer ist für mich. Und bereits heute bin ich überzeugt davon, dass ich diesem furchtbaren Geist: „die natürliche Geburt“ vielleicht irgendwann doch noch einmal ins Auge sehen werde. Um es besser zu machen, um mich zu heilen, um mein Mutterherz zu reparieren.”

    Als Carolin uns ihre Geschichte erzählte, waren wir tief erschüttert vom Thema und gleichzeitig beeindruckt von ihrer Offenheit. Nur wenn Betroffene die Möglichkeit haben, offen über ihre Wunden zu reden, ernstgenommen werden und sich dadurch besser und sicherer fühlen, können sie andere Mütter bestärken und unterstützen. Weil uns bei ihrer Geschichte aber vor allem auch der Heilungprozess wichtig war, der anderen Frauen helfen soll, haben wir ihr dazu noch ein paar weitere Fragen gestellt.

    Die seelischen Auswirkungen und der Heilungsprozess

    Liebe Carolin, was hatte die Geburt für konkrete seelische Auswirkungen auf dich? 

    Ich bin seitdem grundlegend ein sehr ängstlicher Mensch geworden, weil ich durch diese schwere Geburt und den sehr starken Kontrollverlust auch mein Urvertrauen in mich und meine eigenen Fähigkeiten verloren habe. Mir fehlt die Fähigkeit, mich auf meine Intuition verlassen zu können. Deshalb ist Kontrolle ein ganz wichtiges Tool für mich. Ich versuche jede Situation zu kontrollieren, abzuwägen, alle Eventualitäten zu bedenken. Das ist mega anstrengend. Außerdem habe ich nach der Geburt lange schlecht geschlafen. Flaches liegen hat mir Angst gemacht. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir in der Therapie herausgefunden haben, dass die Angst vor dem Kontrollverlust mit dem Liegen verbunden war. In der OP Vorbereitung habe ich lange gelegen, bin immer wieder bewusstlos geworden und wurde zur Sicherheit fixiert. Dieser Kontrollverlust ist im Gedächtnis hängen geblieben. Ich habe oft nur seitlich geschlafen, oder auf dem Sofa, da war es etwas besser. 

    Anfangs habe ich sehr stark an mir gezweifelt. Ich habe mir die Schuld dafür gegeben, dass dieses kleine Geschöpf eine so traumatische Geburt durchleben musste. Ich habe mich verurteilt, dass ich das nicht besser hinbekommen habe. Ich habe mir eingeredet eine schlechte Mutter zu sein, weil ich einfach erschöpft war und seelisch gebrochen. Ich habe mir die Schuld gegeben, meine Familie kaputt gemacht zu haben und damit diesem Kind seine unbeschwerte Kindheit genommen zu haben. 

    Auch Alleinsein löste bei mir ganz klar Hilflosigkeit aus, Überforderung, fehlender Schutz. Ich habe ein riesen Schutzbedürfnis durch meine Umwelt. Es fällt mir ganz schwer, da auf mich selber zu vertrauen.

    Wann hast du begriffen, dass du unter einer postnatalen Depression leidest und hat dir die Erkenntnis geholfen?

    Ich selber habe gar nicht richtig begriffen, dass da etwas sein könnte wofür ich gar nichts kann. Ich habe einfach gespürt, dass ich überfordert bin, schnell erledigt von ganz simplen Dingen und habe für mich festgestellt, dass ich scheinbar einfach nicht gut bin in diesem: „Mama-sein“, wenn andere das so souverän händeln, ich aber nicht. Ich habe mich noch mehr angestrengt, alles richtig zu machen, mich noch mehr unter Druck gesetzt, habe Fehler bei anderen gesucht und mich immer mehr zurückgezogen. Ich habe die Fehler bei mir gesucht, in meinem täglichen Handeln. Was ist denn an mir nicht richtig, dass ich keine gute Mutter bin, dass ich das alles nicht bewältigt bekomme. Erst der Psychologe hat mich daraufhin gewiesen, um was es sich hier eigentlich handelt. Geholfen hat mir diese Erkenntnis nicht, nein. Aber von da an hatte dieses Gefühl zumindest einen Namen und ich konnte daran arbeiten. 

    Wie lief der Heilungsprozess ab und wie hast du ihn empfunden?

    Über einen Freund habe ich vom „Kraftquellentraining 1“ von Dr. Karl Werner Erhardt erfahren. Ich war mir unsicher, ob ich dort richtig sei. Also habe ich ihn einfach angerufen und er hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht und mich für Oktober 2018 eingeplant. Das Kraftquellentraining war ein Intensivcoaching von 4 Tagen in einer Gruppe. Das war der Beginn meines Wandels. Ich habe dort so viel über mich erfahren, wie nie zuvor. Ich bin unfassbar gestärkt aus diesem Training gegangen und vor allem hatte ich nun jede Menge Tools, um mich in depressiven Momenten selbst unterstützen zu können. Doch die Tatsache, dass wir dort angefangen hatten, uns mit uns selber zu beschäftigen, hat viele, viele Dinge aufgewirbelt. Dr. Erhardt empfahl mir, eine Traumatherapie anzuschließen und das tat ich dann auch. In mehreren Einzelcoachings mit Dietmar Wolf begab ich mich auf eine Reise durch meine Geburt. Es war absolut notwendig noch einmal genau hinzusehen, was da eigentlich passiert war mit mir. 

    Ein wirklich durchschlagender Erfolg war die Konfrontation im Krankenhaus. 

    Ich wurde von der Oberärztin so liebevoll und feinfühlig begleitet. Sie hat sich unglaublich viel Zeit genommen für mich. Und an den Ort des Geschehens zurückzukommen, Antworten zu bekommen, war unglaublich befreiend. Ich habe danach mit dem Auto auf einem Berg angehalten und geschrien. Ich habe alles rausgeschrien, aber diesmal nicht vor Schmerz, sondern vor Stolz, was ich da geschafft hatte. Ich war mir selber so unglaublich dankbar, diesen Schritt gewagt zu haben. Und die Antworten, die ich dort bekam, brachten mir erneut Heilung. 

    Für meine Fazialis Parese bekam ich keinerlei medizinische Unterstützung. 

    Da organisch keine Ursache gefunden werden konnte, fühlt sich keiner verantwortlich für dieses Phänomen. Im Normalfall „verliert“ sich eine solche Gesichtslähmung nach 6-8 Wochen wieder. Das war bei mir nicht der Fall. Auch die Lähmung war ein einschneidender Faktor, der meine Depressionen begünstigte. Denn ich fühlte mich wie ein Zombie. Ich war ja nicht mal in der Lage mein eigenes Kind anzulachen, mein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Fratze und ich fragte mich, ob das Baby dieses Lachen überhaupt als freundlich wahrnehmen konnte. Deshalb war es mir auch wichtig etwas zu tun! Gesichtsübungen und Reizstrom hatten da leider nur geringe Erfolge. Wohingegen Lymphdrainage mir wirklich einen Fortschritt brachte. Das Entscheidende jedoch war die Akupunktur. Erst mit der Akupunktur im Gesicht konnte man von Woche zu Woche eine Verbesserung sehen. Auch heute ist die Lähmung im Gesicht nicht zu 100% ausgeheilt, aber ich kann gut damit leben. Und auch wenn Ärzte sagen, da verbessert sich nach so langer Zeit nichts mehr, bin ich der Meinung: ich bin noch nicht am Ende!

    Eine ganz tolle Unterstützung ist auch das Müttergenesungswerk

    Die kümmern sich um Mutter-Kind Kuren, die die Krankenkasse abgelehnt hat. In unserem Fall, war das Kind zu jung für eine solche Kur. Gestützt wird das Ganze erst bei Kindern ab 3 Jahren. In einer persönlichen Beratung wurden alle Unterlagen für die Kur dann vom Müttergenesungswerk ausgefüllt. Wir hatten sogar ein positives Feedback erhalten. Aus gesundheitlichen Gründen konnten wir unseren Kurtermin dann aber leider nicht wahrnehmen. 

    Was hat dir besonders geholfen?

    Unglaublich wichtig war für mich ein starker Halt. Völlig gleich welcher Mensch das für die junge Mutter ist. Es braucht einen Menschen, der für dich einsteht, der dich bedingungslos unterstützt und all diese schweren, schwarzen Tage aushält ohne dir Vorwürfe zu machen. Das war in all der Zeit mein allergrößter Halt im Leben, mein Fels. Einer, der für dich weiterkämpft, wenn dich selbst die Kraft verlässt. Einer, der dich liebt, wenn du dich selber nicht mehr leiden kannst. Einer der aushält, wenn du dich selbst nicht mehr aushalten kannst. Das ist eine verdammt schwere Aufgabe. Deshalb an dieser Stelle gern mal ein riesen Dankeschön an diesen wunderbaren Menschen. 

    Besonders wichtig war für mich die Konfrontation. Sie hat die meisten Blockaden gelöst und mir vor allem viel Klarheit gebracht. Doch diese Konfrontation wäre nicht möglich gewesen, wenn mich nicht im Vorfeld die beiden wunderbaren Therapien so gut vorbereitet hätten.

    Das Kraftquellentraining 1 ist nicht speziell auf Mütter ausgelegt, aber wirklich elementar um wieder zurück in ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu finden und an sich selbst zu glauben. Besonders geholfen hat mir dabei in Angstsituationen die EFT Klopftechnik, die unglaublich regulierend wirkt und die Tatsache, in ausweglösen Situationen niemals allein zu sein. Psychologin Michaela Brugger war für mich telefonisch erreichbar und hat dann auch kurzzeitig in heftigen Situationen die Führung übernommen. Das war ein riesen Rückhalt für mich. 

    Die anschließende Traumtherapie war eine wirklich wichtige Reise, die Dietmar Wolf wirklich sehr geduldig und empathisch begleitet hat. 

    Nicht allein zu sein, war auch eine große Hilfe. Zu wissen, dass es andere Mütter gibt, denen es auch so geht, macht einen selbst weniger seltsam. Das war für mich ganz wichtig. Lasst uns aufhören, uns als Mütter gegenseitig eine perfekte Welt vorzugaukeln, nur, weil unsere Gesellschaft das verlangt. Wir sind alle besser, wenn wir uns gegenseitig stützen.

    Was würdest du anderen Frauen raten?

    Seid vor allem nachsichtig mit euch selbst. Druck von außen ist schon schwer auszuhalten, aber, wenn man den eigenen Ansprüchen nicht genügt, kann man nur verlieren. Ihr seid hervorragende Mütter, auch mit postnataler Depression, denn ihr sucht euch Hilfe. Es ist nicht schwach, um Hilfe bitten zu können, es ist unglaublich schwer und unglaublich stark. Verurteilt euch nicht, macht euch auf den Weg etwas dagegen zu tun und versucht zurück ins Vertrauen zu kommen. Alles darf sein! Ihr seid gut, auch mit dieser Krise. Denn Irrwege bringen uns weiter und sorgen dafür, dass wir weit über unseren Standard hinauswachsen. Das Leben ist stetiges Pendeln. Keine Jahreszeit ist für immer und so dürfen auch wir im Wandel sein. Wo Sonne ist, ist auch Regen. Aber man kann lernen im Regen zu tanzen und das macht mir heut sogar mehr Spaß als bei Sonnenschein. Versteckt euch also nicht, seid so unglaublich stolz auf euch!

    Wie geht es dir heute?

    Es geht mir gut. Mein Weg ist noch nicht zu Ende. Immer mal wieder spüre ich, dass da noch Themen offen sind rund um dieses erste Jahr als Mutter und die postnatale Depression. Aber ich bin stolz auf mich und alles, was ich in diesen 3 Jahren habe bereits aufarbeiten können. Ich habe extrem viel gelernt über mich und meine Lebenseinstellung hat sich grundlegend verändert. Ich weiß heute, warum ich hier bin auf dieser Welt und ich habe mich völlig neu ausgerichtet, auch beruflich. Was ich durch diese Heilung erfahren habe, möchte ich weitergeben und so werde ich nach Abschluss meines Tierheilpraktikers wieder mit Pferden arbeiten und sie in Ihrer Heilung, körperlich und seelisch begleiten. Die Akupunktur hat mir so viel Lebensfreude zurückgegeben und so soll sie meinen tierischen Patienten auch helfen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat dieser schmerzvolle Weg mich zu meiner Berufung gebracht, mir Achtsamkeit und Demut gelehrt. Dafür kann ich heute sogar dankbar sein. Ich glaube das der letzte Schritt der Heilung für mich eine erneute Geburt sein wird. Ganz unverkrampft, sicher, friedlich und vor allem ganz selbstbestimmt. Das hat Zeit und darf kommen, wenn es soweit ist. Aber ich möchte es nicht grundlegend ausschließen. Denn wo kämen wir hin, wenn wir jedes Mal, wenn wir hinfallen, sofort das Laufen aufgeben würden.

    Photo by Yuris Alhumaydy on Unsplash

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