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    Genießt die Trotzphase!
    TEAM Kolumne - Das Tollste an der Trotzphase ist das Ende! Aber noch besser ist, dass sie überhaupt da war!

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    Mit Kindern denkt man ja öfters schon mal, dass man im völlig falschen Film ist. Ähnliche Situationen hat bestimmt jede Mutter schon mal erlebt. Wenn der Zweijährige vor dem Eisladen einen halbstündigen Tobsuchtsanfall bekommt, weil das Mangoeis heute angeblich einen anderen Orangeton hat, als am Tag zuvor. Oder wenn der Dreijährige in der Schwimmbaddusche das Mädchen neben sich fragt, warum es denn so dick sei. Oder die Vierjährige bei der Fahrt mit der Bimmelbahn im Tierpark anmerkt, dass die Rentnertruppe vor uns bestimmt gerade zum Friedhof fährt. Als Eltern fliegt man von Frustration und Nervenzusammenbruch auch immer wieder hinauf zu Lachkrämpfen und absoluten Aha-Erlebnissen. Zum Glück gibt es diese Schwankungen, sonst würde man nämlich Einiges verpassen. Diese Erkenntnis hat mich gerade so unerwartet getroffen, dass ich ziemlich lange darüber nachdenken musste.

    Mein Sohn war fast von Geburt an ein forderndes Kind. In seinem Bewegungsdrang, aber auch im Ausdruck seiner Emotionen. Er hat nicht nur sich gefordert, sondern vor allem seine Eltern. Ich habe dieses Wache, Aktive, diese Präsenz eigentlich immer schon als etwas Positives empfunden. Er war immer da, hat alles aufgesaugt wie ein Schwamm und gleichzeitig auch durch den starken Austausch mit uns unheimlich viel zurückgegeben. 

    Mein Sohn hat früh gesprochen, früh diskutiert und früh seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Meistens in Form von Tobsuchtsanfällen. Diese extremen Situationen haben mich oft an meine Grenzen gebracht – auch dann noch, als ich sie verstand und damit umzugehen wusste. Im Alter zwischen 3 und 4 Jahren verging kein Tag, an dem nicht vermeintlich grundlos ein Schlechte-Laune-Anfall auf der Tagesordnung stand. In Kombination mit Hunger und Müdigkeit ein nicht aufzuhaltender Tsunami. 

    Irgendwann hatte ich den Dreh aber raus. Ich verstand, dass die emotionalen und kognitiven Entwicklungsbahnen bei meinem Sohn einfach noch nicht parallel liefen. Einmal am Tag brauchte er einfach ein Ventil, um alles was in seinem Kopf vorging, rauszulassen. Der Druck aus der Kita, Lärm, partnerschaftliche Spannungen, Müdigkeit, Hunger und wer weiß was noch. Anders ging es einfach noch nicht. Irgendwann stand ich in diesen Situationen dann nur noch dabei, setzte mich mit Sicherheitsabstand neben ihn, redete ihm ruhig zu und wartet auf den Moment, wenn ich einfach nur noch meine Arme ausstrecken musste und er bereit war, den Rettungsanker aus seinem Sturm dankbar anzunehmen. Danach haben wir immer lange darüber geredet, was da gerade eigentlich passiert war. Und keiner von uns beiden hatte Lust auf den nächsten Anfall. Aber der kam mit größter Sicherheit bereits am nächsten Tag.

    Irgendwann war der Spuk plötzlich vorbei. Das Ende kam mit der Wucht eines Exorzismus. Denn an diesem einen Sonntag dachte ich wirklich für einen Moment, dass mein Sohn gleich Schaum vor dem Mund bekommen müsste, bevor ein Dämon aus ihm herausbricht. Zum ersten Mal musste ich wirklich das Zimmer verlassen, weil ich vor Verzweiflung weinte. Abends malte ich meinem Mann völlige Horrorszenarien aus, dass uns das Ganze spätestens in der Pubertät völlig entgleisen würde.

    Und dann war es plötzlich vorbei. 

    Von einem Tag auf den anderen. 

    Wie ein letztes Aufbäumen. Ein letztes heftiges Mal und die Bahnen schoben sich übereinander.

    Das alles ist jetzt ein halbes Jahr her und ich habe noch lange danach mit meinem Sohn die Wochen gezählt, seit wann dieser blöde Wut-Willi (unser Kosename für den unerwünschten Besuch) nun verschwunden und weitergezogen war. Man merkte auch schnell, dass er darüber genau so froh war wie ich. Mittlerweile hat der kleine Dämon bei meiner Tochter ein neues Zuhause gefunden. Es ist nicht der gleiche. Nur ein ganz kleiner, der sich immer schon nach 5 Minuten in Rauch auflöst. Aber ich würde mir auch mehr Gedanken darüber machen, wenn bei einer Zweijährigen kein Platz für die Trotzphase wäre.

    Und wie ich dann gestern so am Esstisch saß, meine Tochter schreiend ihren Joghurt im Gesicht verteilte und mein Vierjähriger ihr beruhigend zuredete, hatte ich plötzlich ein Bild vor Augen. Eine ganz komische Vorstellung von einem Leben, in dem mein Sohn schon immer dieses vernünftige Lämmchen gewesen ist, das seiner Mama ausschließlich Freude macht und ihre Nerven in allen Ehren hält.

    Nein, das wäre nicht das, was ich gewollt hätte. Diese Reibung, dieser Widerstand, diese Kämpfe und vor allem dieser Weg an die eigenen Grenzen, darf man als Eltern nicht missen. Unser Zusammenleben wäre ein anderes gewesen, in vielerlei Hinsicht. Wären meine Kinder anders, würde ich natürlich gar nicht erst wissen, wie es sonst hätte sein können oder was mir in der Trotzphase entgeht. Aber diesen Prozess, diese Auseinandersetzung und auch die persönliche Weiterentwicklung als Mutter konnte ich nur erleben, weil das letzte Jahr mit meinem Sohn so intensiv war. Weil er so intensiv ist. Das ist er natürlich immer noch. Er hat nur mittlerweile einen anderen Verstand, der mit seinen Emotionen besser umzugehen weiß.

    Irgendwann muss es einfach raus. Und jedes stille Wasser wird irgendwann tief. Und wenn ein Kind erst in der Pubertät seine Grenzen austestet, wird es mit Sicherheit um einiges schlimmer, als in der Trotzphase zwischen 2 und 5 Jahren. Also lasst sie rein. Keiner muss davor Angst haben, denn sie bringt mehr Nähe zum eigenen Kind und sich selbst als einem in dem Moment bewusst ist. 

     

     

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