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    Wenn Kinder trauern
    Wie können wir Kinder in schweren Zeiten unterstützen und ihren Weg für die Zukunft ebnen?

    Menschen sterben. Und früher oder später im Leben werden wir alle mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert. Dieser Verlust ist immer schmerzhaft. Es gibt keinen leichten Weg durch die anschließende Trauer, aber wenn wir nicht mehr weiter wissen, können wir uns Hilfe holen. Doch was ist, wenn schon Kinder einen solchen Verlust erleben und wie können wir ihnen beistehen und helfen?

     

    Stella Reichmann ist Erzieherin und Künstlerin und hat ein Buch über das Thema geschrieben. Denn Kinder trauern anders und sie brauchen uns, um diesen schweren Weg zu gehen, zu verstehen und zu verarbeiten. Stella erklärt uns was wir für die Kinder und auch ihren weiteren Weg tun können.

     

    „Was passiert mit den Tieren, wenn wir sie begraben?“

    Das waren die ersten Fragen meiner Töchter zum Tod. Da wir immer viele Haustiere hatten, blieb es nicht aus, dass die Kinder ein totes Tier sahen…  Beide Kinder waren natürlich sehr traurig über ihren Verlust und wollten viel kuscheln oder Extra-Zeit mit uns Eltern verbringen.

     

    Nachdem wir jedes Tier beerdigt hatten, Lieder gesungen oder Blumenschmuck in und auf das Grab gelegt hatten, kamen manchmal diese Fragen. Wir nahmen uns ein Buch, in welchem Tiere und ihre Körper richtig zu sehen waren und schauten nach, wie die Körper innen aussehen, was bleibt, wenn die Seele den Körper verlässt. Wir sinnierten gemeinsam, wie es denn im Himmel aussehen könnte und malten Bilder davon. Damit wurde manchmal auch das Tiergrab geschmückt. Das Buch: „Die besten Beerdigungen der Welt“ gab es damals noch nicht, sonst wäre es sicher ein Lieblingsbuch geworden.

    Was ist bei Kindern anders?

    Im Laufe unseres Lebens mussten meine Kinder und  ich viele Verluste erleiden.

    Durch meine Tätigkeit als Künstlerin und meine langjährige Arbeit in einer Kita begann ich, beide Bereiche zu verknüpfen und zu erforschen, was ist beim Trauern von Kindern anders als bei Erwachsenen und wie kann ich Eltern unterstützen, die ja selbst trauern? Wie können wir gemeinsam den Kindern dabei helfen, die Trauer zu bearbeiten und wieder fröhlicher zu werden?

     

    Ich las viel Literatur zu diesem Thema und wand es in der Praxis an, ich erzählte und las, bastelte und malte mit Kindern. Wichtig ist auf jeden Fall, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie ernst zu nehmen, sie nach ihren Wünschen zu fragen.

    „Das Allerwichtigste für das Kind ist aber die Information: Was ist passiert? Wie ist es passiert?“

    Und: Du bist nicht schuld daran. Je nach Altersstufe haben Kinder ein anderes Verständnis vom Tod und benötigen andere Hilfe. Um den Eltern kurz und knapp Informationen über die kindlichen Trauerprozesse zu geben, habe ich ein Buch für sie geschrieben.

    Hier ist ein Auszug für dich daraus:

    Die kindlichen Trauerprozesse

    Wie stellt sich mein Kind den Tod vor und was kann ich tun?

    Babys von 0 – 10 Monaten

    … Sie nehmen auf jeden Fall die Stimmung in der Familie und die Veränderung wahr.

    In dieser Altersstufe solltest du deinem Kind besonders viel liebevolle Aufmerksamkeit schenken und versuchen, den Tagesablauf so normal wie möglich zu gestalten.

    Kinder von 10 – 36 Monaten

    … „Tod“ wird als längere Trennung verstanden.

    Dein Kind kann mit Angst, verlassen zu werden, darauf reagieren und sich auf die verbliebenen Bezugspersonen fixieren. Wenn dein Kind in diesem Alter eine Bezugsperson verliert, geht es vielleicht in eine Protestphase, weil die Person nicht wieder kommt. Darauf folgen die stille Verzweiflung und danach eine Gleichgültigkeit, wenn die Hoffnung auf ein Wiedersehen erloschen ist. Dein Kind kann wieder in die vorherige Entwicklungsstufe zurückfallen, wie zum Beispiel aus der Flasche trinken, einnässen oder Ähnliches.

    In diesem Alter benötigt dein Kind viel Liebe, Geborgenheit, Gespräche, aber auch Bewegung. Das heißt, ihr könntet spazieren gehen, toben und spielen, spielen, spielen.

    Kinder von 3 – 6 Jahren

    Kinder kennen bereits das Wort „Tod“, aber nicht seine endgültige Bedeutung. Sie denken, der Verstorbene kommt irgendwann zurück, weil er nur lange „schläft“. Manchmal stellen sich Kinder den Tod so vor, als könne man sich nicht bewegen, als wäre es nur ein Spiel. Wenn ein Mensch schon länger sehr, sehr krank ist, solltest du mit deinem Kind darüber sprechen. Du kannst so dein Kind einbeziehen in den Abschiedsprozess. Ihr könnt die Person besuchen, telefonieren, skypen, Bilder malen, dein Kind kann von schönen Erlebnissen berichten. Das ist eine gute Möglichkeit, den Schock später so gering wie möglich zu halten.

     

    Wenn der Mensch gestorben ist, …, kannst du deinem Kind zum Beispiel erklären, dass das Herz einfach aufgehört hat zu schlagen, weil es schon so lange geschlagen und nun keine Kraft mehr hat.

    (Bitte sage nicht: „Opa ist friedlich eingeschlafen“, denn sonst bekommt dein Kind möglicherweise Schlafprobleme.) Du kannst erklären: „Ein  Mensch kann im Tod nicht mehr lachen, weinen, atmen, sich bewegen und denken. Der Körper wird auf dem Friedhof begraben und die Seele fliegt hinauf zu den Sternen. Der Mensch kann aber in unseren Gedanken und Herzen weiterleben.“

     

    Auch im Alter von 3- 6 Jahren kann ein Kind noch in frühere Entwicklungsstufen zurückfallen. Besonders, wenn dein Kind die Trauer nicht zum Ausdruck bringt, ist es möglich, dass es wieder die Flasche oder den Nuckel verlangt, getragen werden will und vieles mehr. Das ist nur eine Phase, das geht wieder vorbei.

     

    Wichtig ist hier besonders, dass dein Kind immer zu dir kommen und teilhaben darf, auch an deiner Traurigkeit. Bleibe geduldig mit deinem Kind. Frage es, was ihm guttun könnte, damit es ihm besser geht. Erlebt viel zusammen, seid füreinander da. Besucht Familie oder Freunde und kapselt euch nicht ab.

    Kinder von 6 – 9 Jahren

    Jetzt beginnt dein Kind, die Bedeutung des Todes verstehen.

    Es kann ein nüchtern-sachliches Interesse am Tod entwickeln, aber da es nicht alles versteht, können sich bei ihm Trennungs- und Verlustängste zeigen. Dadurch, dass dein Kind erkennt, dass alle Menschen einmal sterben müssen, werden ihm mögliche Gefahren bewusster und es kann ein größeres Sicherheitsbedürfnis entwickeln.

     

    Trennungsschmerz und Trauer werden bei deinem Kind sichtbar. Vielleicht hat es nun Angst, dass seine Freunde nun anders über ihn oder sie denken.

    Auch hier gilt wieder: Sei für dein Kind da und nimm seine Ängste oder Schmerz wahr und rede ihn nicht klein. Versuche ihm das Gefühl von Liebe und Geborgenheit zu geben. Lass es teilhaben an der Gestaltung der Trauerfeier oder beim letzten Abschied – der Beerdigung. Natürlich nur, wenn es das möchte.

    Kinder von 9 – 12 Jahren

    Erst mit 9 – 10 Jahren kann dein Kind rational wirklich verstehen, dass der Tod unwiederbringlich das Ende eines Lebens ist und alle Lebewesen einmal sterben müssen. Dein Kind hat vielleicht Fragen wie: „Was passiert mit dem Körper im Grab?“ oder „Kann der Mensch mit moderner Technik nicht reproduziert werden?“ oder andere.

    Bitte versuche, Antworten darauf zu finden, auch wenn es viele als TABU sehen würden. Die Trauerphasen werden auch in diesem Alter durchlebt, und du kannst dein Kind beim Durchleben helfen. Umarme es, gib ihm Nähe und Kraft, rede mit ihm oder weine mit ihm. Es ist ja auch dein Verlust. Sprich mit deinem Kind über die verstorbene Person, geh mit ihm zum Friedhof. Frage dein Kind, was es jetzt braucht. Versuche, für es da zu sein.

    Jugendliche

    Jugendliche und Erwachsene haben verstandesgemäß die gleichen Vorstellungen von Tod und Sterben. Wenn dein Kind in diesem Alter ist, hat es vielleicht Schwierigkeiten, seine Gefühle wie Angst oder Unsicherheit im Hinblick auf den Tod auszudrücken.

     

    Wenn du deine/n Partner*in verloren hast, und dein Kind damit einen Elternteil, kann die normale Loslösung vom Elternhaus, die normal in dieser Phase beginnt, gestört werden. Vielleicht muss oder will dein Kind im Haus sehr viel Verantwortung übernehmen? Das ist eine Rolle, die eigentlich für dein Kind nicht vorgesehen war. Versuche also, sobald als möglich, deinem Kind zu helfen, diese Rolle wieder abzugeben. Dein Kind hat als Teenager schon viel mit sich, der Umstellung seines Körpers und der ungewissen Zukunft zu tun.

     

    Du hilfst deinem Kind, wenn du ihm ermöglichst, an allen mit dem Todesfall zusammenhängenden Treffen, Planungen und Feierlichkeiten teilzunehmen, so es das wünscht. Versuche dein Kind zu unterstützen, damit es seine Kontakte zu Freunden wieder aufnimmt und sich am normalen Leben beteiligt.

    Es kann gut für dich und dein Kind sein, wenn ihr euch einer Trauer/ Kindertrauergruppe anschließt, wo ihr über eure Gefühle reden könnt und Hilfe bekommt.

     

     

     

     

    Photo by Karim MANJRA on Unsplash

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    Die Diplom-Kauffrau mit jahrelanger Agentur- und Redaktions-Erfahrung ist Mama von 3 Söhnen und ein absoluter Sonnenschein. Ohne ihr blaues Fahrrad ist Saskia nie unterwegs und wahrscheinlich hat sie deshalb so gute Laune, weil sie die einzige von uns ist, die sich bei Wind und Wetter an der frischen Luft bewegt. Egal wie stressig und voll die Tage sind, Saskia schafft es nicht nur immer top auszusehen, sondern nebenbei auch noch uns allen Komplimente zu machen. Sie bereichert mit ihrem Spirit das Unternehmen und ist für unsere Redaktion zuständig und wer Aufmunterung braucht, der ist bei ihr genau an der richtigen Adresse.

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