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    FRAG MAL MONA
    "Wie kann ich meinem Sohn beibringen, dass die Menschen verschieden sind, man das aber nicht laut kommentieren muss?"

    Familientherapeutin Mona Kino beantwortet für SOCIAL MOMS eure Fragen und berichtet aus ihrer Perspektive. Es sind keine Lösungen im herkömmlichen Sinn (denn die eine Lösung gibt es nicht), vielmehr Anleitungen und Ideen dafür, den individuellen Lösungen in sich auf die Spur zu kommen.

    „Mein Sohn (3) ist ein neugieriger Entdecker der Welt und zeigt auf alle Menschen, die er spannend findet und sagt laut und ohne Rücksicht auf political correctness, was er sieht. Wie kann ich ihm beibringen, dass die Menschen verschieden sind, man das aber nicht laut kommentieren muss?“

    Liebe Mona, 

     

    Mein Sohn (gerade 3 Jahre alt) entdeckt neugierig und unbefangen die bunte Welt um sich herum. Er lässt jeden, auch gern lautstark und mit Hilfe seines Zeigefingers, daran teilhaben. „Mama, der ist aber dick! Groß! Klein! Schwarz!“ etc. Er selbst wird auch oft als PoC gelesen, was ihn bisher aber nicht weiter irritiert.  

    Hast Du einen Tipp, wie ich ihn sensibilisiere mit dem Thema umzugehen? Ich würde ihm gerne vermitteln, dass es verschiedenste Modelle von Menschen gibt und alle genau richtig so sind, wie sie sind. Gerade im Hinblick darauf, dass er in Zukunft evtl. ähnlich konfrontiert werden könnte. Wie erkläre ich Ihm, dass seine offensiven Äußerungen andere eventuell verletzten könnten? 

    Er reagiert meist ziemlich unbeeindruckt auf meine Ermahnungen: „Hey, sag das bitte nicht so, du möchtest doch auch nicht, dass jemand mit dem Finger auf dich zeigt und sagt, du siehst komisch aus!?“ Ist es vielleicht einfach noch zu früh?

     

    Für deine Einschätzung wäre ich Dir sehr dankbar!

     

    Viele Grüße

    Fidi

    Liebe Fidi,

    ja, das kann einem ganz schön den Schweiß auf die Stirn treiben, wenn unsere Kinder auf der Straße stehen und rufen: “Guck mal, ist der dick.” Ich kannte mal ein Mädchen, deren Mutter jedesmal “Du Fauli” sagte, wenn sie mit drei Jahren noch mit dem Buggy gefahren werden wollte. Eines Tages stand das Mädchen vor einem Mann, der im Rollstuhl saß und du kannst dir sicherlich schon denken, was sie sagte. Richtig: “Du Fauli.” Über diese Geschichte wird seit 30 Jahren in meinem Freundeskreis gelacht, und ich vermute die Enkel des Mädchens werden auch noch darüber lachen.

    „Auch wenn Kinder mit der Fähigkeit zur Empathie geboren werden, entwickelt sich diese Fähigkeit erst noch.“

    Natürlich können solche Sätze verletzend sein. Und selbstverständlich möchte niemand die Mutter oder der Vater sein, der das unhöflichste und unempathischste Kind im Stadtteil hat. Aber: Auch wenn Kinder mit der Fähigkeit zur Empathie geboren werden, entwickelt sich diese Fähigkeit erst noch. Einem dreijährigen Kind zu sagen: “Stell dir mal vor, wie es dem anderen geht!” ist sinnlos, das gelingt dem kindlichen Gehirn nicht. Kinder beginnen sich erst ab dem zweiten Lebensjahr als eigenständige Wesen wahrzunehmen und sie brauchen bis etwa zu ihrem achten Lebensjahr, um sich mit Leichtigkeit in die Perspektive eines anderen hineinversetzen zu können.

    In einem Berg-Experiment des Schweizer Biologen und Pioniers der kognitiven Entwicklungspsychologie  Jean Piaget ist das sehr gut zu sehen.

    Ist es nicht auch so, dass wir manchmal nur vermuten, dass jemand eine solche Äußerung trifft. Aber ist das auch wirklich so? Da kannst du gern die betreffende Person ansprechen und fragen, wenn es dir einmal unangenehm ist. Ist also ein Mann, eine Frau, ein anderes Kind, die Oma oder der Opa Ziel der vermeintlichen, versehentlichen Beleidigung, kannst du dann zum Beispiel genau das sagen, was du in deiner Nachricht eingangs formuliert hast: “Mein Sohn entdeckt gerade neugierig und unbefangen die bunte Welt um sich herum. Er lässt jeden, auch gern lautstark und mit Hilfe seines Zeigefingers, daran teilhaben. Mir ist das total peinlich und ich hoffe, er hat sie nicht beleidigt. Ich weiß jedenfalls, dass er das nicht so meint.”

    Häufig lachen die Leute dann und antworten: “Ich war ja selbst mal klein. Und ein ganz klein bisschen ist ja auch was dran, was der Kleine so sagt. Schlank war ich früher mal.”

    Und falls sie das nicht tun und schimpfen, kannst du deinem Sohn sagen: “Ich nehme an, die haben vergessen, wie sie als Kinder waren.” Und: “Wahrscheinlich hast du damit ihren wunden Punkt getroffen.” Der Mann im Rollstuhl damals, musste übrigens laut lachen. “So habe er das noch nie gesehen.” 

    Ich wünsche euch sehr viel Spaß beim unbefangenen Weiter-Entdecken der bunten Welt!!

    Alles Liebe,

    Mona

    PS: Selbst wenn dein Sohn dann mit 8 (oder vielleicht auch schon früher) so empathisch sein sollte, wie du dir das wünscht, es schützt ihn nicht davor, selbst Ziel einer solchen Äußerung zu werden. Nicht vorher und nicht nachher.

    Sollten es ältere Kinder sein, kannst du sie (ohne erhobenen Zeigefinger) fragen: “Was meinst du, wie es dem anderen geht, wenn du so etwas sagst?” oder “Wie würde es dir gehen, wenn dir jemand so etwas sagen würde?” Auch wenn sie dann vielleicht weglaufen oder trotzig antworten, “Das geht dich gar nichts an”, das sind alles Ausdrücke dafür, dass es ihnen peinlich ist, und dass sie wissen, wie das für den anderen ist. Manchmal denke ich, der Satz wird ihnen abends im Bett nochmal durch den Kopf huschen und spätestens dann denken sie nochmal darüber nach. Nicht immer bekommen wir direkt das Ergebnis unseres Einflusses mit. Dennoch hat das, was wir einbringen, Gewicht und ist wertvoll.

    VON MONA FÜR DICH

    Familie werden ist nicht schwer, Familie sein hingegen an manchen Tagen sehr.

    Die Fragen, die du manchmal hast, scheinen einerseits zu simpel, um sie jemandem zu stellen, und andererseits dann doch zu komplex zu sein, um sie allein zu bewältigen.
    Aus diesem Grund ist FRAG MAL MONA frei nach dem Motto der Sesamstraße entstanden: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

    Schick Mona deine Fragen an: redaktion@mother-now.de

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    Mona Kino ist Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin. Seit 2014 praktiziert sie TrainingEmpathy. Sie ist Trainerin, Supervisorin und Referentin für Teambuilding in der Erwachsenenbildung. Ihr Ziel ist, den Menschen ein stärkeres Selbstgefühl für ihre persönlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie jederzeit klare und für sie stimmige Entscheidungen im Miteinander treffen können. Sie ist Mutter von zwei Jugendlichen und schreibt, neben Drehbüchern, Artikel zum Thema Beziehungskompetenz und Empathie in Schule, Familie und Gesellschaft. www.monakino.de

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