Melde dich für unseren Newsletter an.

Erhalte alle infos, Aktionen und Inhalte als Erste in dein Postfach!

    TOP

    Wie wichtig ist Kreativität für mein Kind?
    Warum auch Langeweile und kleine Auszeiten dein Kind fördern können - ein Interview mit Alexandra Helmig

    Wir wünschen uns, dass sich unsere Kinder frei entfalten können, gesunde Lebensmittel essen, viel in der Natur sind, soziale Wesen werden und ihren Weg gehen. Magische Worte wie Langeweile, Neugier und Geduld kommen da ins Spiel, denn sie sind alle Antriebsfedern für unsere Kreativität – unsere und die unserer Kinder. Wir haben Alexandra Helmig, Schauspielerin, Sängerin und Gründerin des gemeinnützigen Kinderkunsthauses in München gefragt, welchen Stellenwert Kreativität in unserem Leben haben sollte und wie wir von dem unbeschwerten Zugang unserer Kinder zu ihrer Kreativität lernen können. Frei nach dem Motto: Kunst kommt von Machen.


    Liebe Alexandra, man kann es nicht anders sagen: Du bist ein sehr kreativer Mensch. Du singst, du schreibst Geschichten, du bist Schauspielerin und hast dir aber auch auf die Fahne geschrieben, Kinder in ihrer eigenen Kreativität zu fördern. Inwieweit brauchen Kinder unsere Unterstützung dabei? 

    Alexandra: Kinder sind von Geburt an mit einer großen Portion Kreativität ausgestattet, sie sind neugierig, denken und erkunden selbstständig und quer. Wir sollten sie in ihrem Entdeckergeist unterstützen und fördern, auch wenn es manchmal etwas Geduld erfordert, weil der Weg uns scheinbar umständlich erscheint. Aber ihre Kreativität, ihre Ideen und der Mut anders zu denken, werden sonst schnell im Keim erstickt. Und Kinder verlieren ihre Unbeschwertheit und das Selbstbewusstsein, Dinge auszuprobieren.  

    Genau das ist dann wahrscheinlich der Punkt, an dem wir Eltern aktiv werden können. Wenn in unserem heutigen Alltag Kreativität verloren geht, wie können wir dagegen wirken und dieses höchste Gut eines Kindes wach halten und fördern? 

    Um die Kreativität unserer Kinder wachzuhalten, braucht es Vertrauen und Geduld. Kinder dürfen keine Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Eine weitere wesentliche Voraussetzung für Kreativität ist Zeit. Zeit zum Spielen, um sich zu verlieren und Zeit, sich auch mal zu langweilen. Dieser Freiraum ist im Gegensatz zu komplett durchgeplanten Tagen elementar. Deshalb sollte man im Alltag immer wieder kleine Auszeiten einbauen.

    Bevor Kinder in die Schule kommen, malen sie oft unglaublich fantasievolle Kunstwerke. Sobald sie in der Schule sind, fangen sie an, ihr Tun zu reflektieren und sind in ihrem Ausdruck gehemmt, weil ihnen zum Beispiel jemand gesagt hat, dass der Himmel nicht orange, sondern blau ist. Es ist für uns alle eine tägliche Herausforderung, sich den frischen und neugierigen Blick eines Kindes zu erhalten. Pablo Picasso hat das sehr treffend formuliert: „Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur ein Kind zu bleiben, während man erwachsen wird.“


    Man hört ja auch immer wieder, dass Langeweile die Grundlage für neue kreative Ideen ist. Ist es eine Auszeit vom Denken und eine Freizeit der Sinne? 

    Der berühmte kreative Flow ist auf jeden Fall ein sinnliches Erlebnis. In solchen Momenten fühlen wir uns wie berauscht. Sicherlich einer der schönsten emotionalen Zustände, den man sowohl allein, aber auch in der Gruppe erleben kann. Aber dem Flow geht meist harte Arbeit, natürlich auch gedankliche voraus. Denn erst wer quer denkt, kann etwas Neues finden oder erfinden.

    In deinem Kinderkunsthaus in München gibt es verschiedene Werkstätten, in denen Kinder schon ab 2 Jahren in unterschiedliche Kursen und Workshops künstlerisch tätig sein können. Beobachtest du oft, dass auch die Eltern/Begleiter im Kinderkunsthaus plötzlich kreativ werden und somit Zugang zu ihrem inneren Kind finden und dadurch einen besseren Zugang zu ihrem eigenen Kind haben?

    Unsere Mitarbeiter hören sehr oft von Erwachsenen am Anfang ihres Besuches im Kinderkunsthaus, dass sie nicht kreativ seien und deshalb nur zuschauen möchten. Da die Hemmschwelle bei uns jedoch sehr gering ist und es vor allem um das ‚Selbst Machen‘ geht und nicht um ein Ergebnis oder darum, welche handwerklichen Fähigkeiten jemand mitbringt, sitzen viele Erwachsene nach einer kurzen Anlaufphase oft selig mit oder neben ihren Kindern an einem Kunstwerk und verlassen am Ende strahlend das Kinderkunsthaus.

     

    Ein toller Gedanke, diesen Prozess als etwas Gemeinsames zu erfahren. Hast du vieleicht auch eine kleine Anleitung oder Idee für den Alltag, wie wir uns selbst und unsere Kinder in kreativem Denken und Gestalten weiter fördern können?

    Im Alltag immer wieder kleine Auszeiten einbauen, die Leerlauf und Langeweile zulassen, Gewohnheiten durchbrechen und immer wieder neue Wege gehen. Das kann ganz banal die tägliche Route von zuhause in den Kindergarten sein. Wenn wir mal einen anderen Weg gehen, sind wir viel achtsamer und entdecken vielleicht etwas Besonderes. Zuhören ist auch sehr wichtig. Michael Endes „Momo“ ist ein tolles Vorbild. Weil Momo so gut zuhören kann, ermutigt sie zum Beispiel ihren Freund Gigi dazu, die fantastischsten Geschichten zu erfinden. 

    Click here to bookmark this

    Unser Redaktionsteam schreibt über alle Themen, die dich als Mama, Schwangere, Partnerin, Ehefrau, Freundin, Alleinerziehende oder einfach nur als Frau interessieren. Wenn dir ein Inhalt fehlt oder du selbst über etwas schreiben willst, deine Geschichte erzählen möchtest oder uns einfach eine andere Perspektive geben will, schreib uns an redaktion@mother-now.de.de

    Are you sure want to unlock this post?
    Unlock left : 0
    Are you sure want to cancel subscription?