Melde dich für unseren Newsletter an.

Erhalte alle infos, Aktionen und Inhalte als Erste in dein Postfach!

    TOP

    FRAG MAL MONA
    „Ich flippe so schnell aus und schreie. Aber ich will nicht, dass meine Kinder Angst vor mir haben. Was kann ich tun?"

    Die Familientherapeutin Mona Kino beantwortet eure Fragen und berichtet aus ihrer Perspektive. Es sind keine Lösungen im herkömmlichen Sinn (denn die eine Lösung gibt es nicht), vielmehr Anleitungen und Ideen dafür, den individuellen Lösungen in sich auf die Spur zu kommen.

    „Ich flippe so schnell und wegen jeder Kleinigkeit aus. Hinterher fühle ich mich so schlecht und schuldig. Ich will nicht, dass meine Kinder (3/6) Angst vor mir haben. Was kann ich tun?“, fragt Merve

    Liebe Merve.

    Ich kenne niemanden, der sich gut fühlt, wenn er ausflippt oder ausgeflippt ist. Wir wollen für andere wertvoll sein und natürlich wissen wir intuitiv, dass Ausflippen nicht unbedingt die Art ist, die dazu beiträgt.

    Wenn du schreibst, dass du wegen jeder Kleinigkeit ausflippst, nehme ich an, dass du längere Zeit keine Unterstützung bekommen hast oder um Unterstützung gebeten hast. Dass du zu häufig „Ja“ zu etwas gesagt hast, wo ein „Nein“ ehrlicher gewesen wäre. Das kann auch bei der Arbeit sein. Dann kommst du nach Hause, ein Glas Milch kippt um, ein Legosteinchen liegt im Flur und du trittst barfuß drauf oder du musst schnell auf Toilette und das Toilettenpapier ist alle – und BÄMM, plötzlich springt dein inneres Rumpelstilzchen um den Tisch.

    Ja, so ein Rumpelstilzchen erschreckt Kinder. Und das ist doof. Und ja, hinterher schämen wir uns dafür, dass wir uns nicht besser im Griff hatten.

    Aber: So ist das Leben eben manchmal. Kinder kennen das sehr gut: wütend werden. Wichtig ist, wie du dann damit umgehst. Machst du die Kinder dafür verantwortlich oder übernimmst du die Verantwortung dafür, dass du in den letzten Tagen nicht gut auf dich und deine Grenzen aufgepasst hast? 

    Sagst du: „Wenn ihr das Toilettenpapier aufgefüllt hättet, dann wäre die Mama nicht so wütend geworden.“ Oder sagst du: „Wie ich gerade ausgeflippt bin, war doof. Für euch und für mich. Und ich schäme mich gerade, dass ich so hilflos wegen eines klitzekleinen Legosteinchens geworden bin und euch so erschreckt habe.“

    Was hört sich für dich besser an? Wie würdest du auf die eine oder die andere Antwort selbst reagieren?

    Die zweite fällt leichter, richtig? Es ist nie die Schuld der Kinder, wenn wir so wütend werden, dass unser Rumpelstilzchen einen Tanz benötigt. Sie wissen nicht, wie wir am Nachmittag oder Abend nach Hause kommen. Kinder kooperieren immer mit uns, sie wollen immer, dass es uns gut geht. Und natürlich lassen sie nicht mit Absicht ein Legosteinchen im Flur liegen, damit wir drauftreten und uns weh tun.

    „Kinder kennen das sehr gut: wütend werden. Wichtig ist, wie du dann damit umgehst.“

    Auf meinem ersten Workshop mit Jesper Juul erzählte eine Mutter etwas ganz Ähnliches. Jesper Juul hatte die Idee, dass sie nach Hause gehen und die Kinder bitten solle, sich mit ihr zusammenzusetzen. Wenn sie einen Mann hätte, solle sie ihn auch dazu bitten. Es sei wichtig, dass alle in der Familie wissen, wie sie ihr dabei helfen können, das Rumpelstilzchen rauszuschicken, wenn es das nächste Mal zu Besuch kommt. Sie solle also alle einmal zusammen bitten und in etwa so etwas sagen (weil Kinder in dem Alter Geheimnisse lieben): „Ich habe ein Geheimnis, das ich gern mit euch teilen möchte. Ihr habt zwei Mütter.“ Meistens staunen sie dann sehr, wie das gehen soll. Das macht sie sehr aufmerksam für das, was danach kommt. „Die eine ist die lustige und entspannte und die mit euch jeden Quatsch macht und die ihr über alles auf der Welt liebt. Die andere ist wie das böse, nervige Rumpelstilzchen und die macht euch Angst.“

    Darauf reagieren sie meistens mit einem Nicken. Auch der Partner, sofern du einen hast. Und dann fährst du fort. „Ich mag die Rumpelstilzchen-Mutter auch nicht besonders und ich möchte euch alle bitten, mir dabei zu helfen, sie dann wegzuschicken. Macht ihr das?“ Mir ist bis jetzt noch kein Kind begegnet, das „Nein“ sagt, wenn es einem Elternteil sinnvoll helfen kann. Und auch die meisten Partner wissen dann, dass sie uns das Geschirrtuch am besten aus der Hand nehmen und uns eine Weile um den Block schicken, um unser erhitztes Gemüt abzukühlen.

    Gefühle kommen und gehen. Je mehr wir sie versuchen zu unterdrücken, desto hartnäckiger bleiben sie.

    Geben wir ihnen etwas Zeit, wie zum Beispiel bei einem kleinen Spaziergang, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und wenn du weißt, dass du dich nicht allein um Rumpelstilzchen kümmern musst, sondern dass du eins, zwei, drei oder vier Assistenten zu Hause hast, die auch wissen, wie man mit ihm umgeht: Herrlich.

    Ich habe genau das damals nach dem Workshop auch mit meiner Familie gemacht. Und seitdem kommt Rumpelstilzchen nur noch bis an die Haustür. Ich mache ihm dann auf, sage allen Familienmitgliedern kurz Bescheid und gehe mit ihm dann eine Viertelstunde spazieren.

    Nur neulich, da war ich echt stinkig, meine Kinder sind jetzt 14 und 16. Da habe ich meinen Ärger über das fehlende Toilettenpapier in voller Länge, mal Höhe, mal Breite, in der Küche vorgetanzt. Als ich mich dabei ertappte, dass ich mich zu schämen begann, fragte ich, ob das jetzt zu krass sei. Mein Sohn antwortete: „Du bist eben einfach mal verärgert, weil es nicht schön ist, ohne Toilettenpapier dazusitzen. Aber jetzt reicht es auch. Ich habe dich gehört.“ Meine Tochter stand auf und holte eine neue Rolle aus dem Schrank, weil sie es war, die vergessen hatte sie auszutauschen.

    Herzlich, Mona

    Click here to bookmark this

    Mona Kino ist Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin. Seit 2014 praktiziert sie TrainingEmpathy. Sie ist Trainerin, Supervisorin und Referentin für Teambuilding in der Erwachsenenbildung. Ihr Ziel ist, den Menschen ein stärkeres Selbstgefühl für ihre persönlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie jederzeit klare und für sie stimmige Entscheidungen im Miteinander treffen können. Sie ist Mutter von zwei Jugendlichen und schreibt, neben Drehbüchern, Artikel zum Thema Beziehungskompetenz und Empathie in Schule, Familie und Gesellschaft. www.monakino.de

    Are you sure want to unlock this post?
    Unlock left : 0
    Are you sure want to cancel subscription?