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    Thorsten Beyer Tochter Adoption

    Der lange Weg zur Adoption
    Ein Vater erzählt die Geschichte von dem steinigen Weg vom Kinderwunsch zu seiner Familie

    Acht künstliche Befruchtungen, eine Fehlgeburt. Dann ein Anruf der Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes: Der neunte „Versuch“ brachte das ganz große Glück und erfüllte den Kinderwunsch. Das ist die persönliche Geschichte von Thorstens Familie, die er mit uns teilt.

     

    Die Familienplanung läuft nicht bei jedem so einfach ab, wie es manchmal den Anschein machen mag. Durch welche Höllen Paare, Frauen, Männer zum Teil gehen, weiß man vielleicht aus seinem Bekanntenkreis, aber oft wird auch einfach nicht darüber gesprochen. Aber es wird gehandelt. Das zeigt nicht nur der Zulauf und die aus dem Boden sprießenden Kinderwunschzentren, sondern auch die Entwicklung beim Thema Pflegefamilie und ja auch das Thema Adoption. Über Letzteres wollen wir heute sprechen. Ein sehr glücklicher Vater erzählt hier heute seine Geschichte vom Kinderwunsch. Voller Höhen und Tiefen. Aber am Ende mit einem Baby im Arm. Wir freuen uns mit dir Thorsten!

    Die „Kinderplanung“

    Ich heiße Thorsten. 1978 in München geboren, kurz danach zog ich nach Köln und wuchs gut behütet auf. Lief bei mir. Es klappte in der Schule, später auch im Job und bei den Damen, ich feierte gerne und lang. Irgendwann lernte ich dann meine Traumfrau auf dem Oktoberfest kennen und wir zogen zusammen.

    Schon sehr früh hatte ich einen stark ausgeprägten Kinderwunsch, eine Tochter sollte es sein. Nachdem wir es uns eingerichtet hatten, ging es dann auch bald schon los: Die konkrete Kinderplanung. Konnte ja nichts Besonderes sein, nichts worüber man groß reden musste. Denn über Gegenteiliges wurde nicht gesprochen und die Kinder im Umfeld fielen vermeintlich vom Himmel. 

    Pille absetzen, kurz abwarten und schwupps, schon müsste die Frau doch schwanger sein. So dachte ich.“

    Denkste. Nichts davon. Es war der Anfang einer langen Odyssee.

    Von irritiert bis verzweifelt

    Bereits nach kurzer Zeit waren wir leicht irritiert, später zunehmend verzweifelt. Das Umfeld übte mit quälenden Fragen zusätzlich Druck aus. Wir recherchierten im Internet und hielten uns an jedem Strohhalm fest, der Abhilfe verschaffen konnte. Ein paar Beispiele gefällig? Wir nahmen Vitaminpräparate, kauften Kinderwunschbücher, ließen uns von einem Ayurveda-Doktor einen Fruchtbarkeitstee anmischen und gingen sogar zu Wahrsagern.

    Nichts half und die Verzweiflung war groß. Aber wir lebten in den 2000er Jahren, in einem hochentwickelten Land. Wir schöpften neuen Mut und begannen mit den Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung.

    Die Kinderwunschbehandlung

    Insgesamt drei Kliniken statteten wir einen Besuch ab. Jedes Mal das gleiche Prozedere:

    „Einkauf teurer Medikamente und spritzen der Hormone – warten. Punktion – hoffen. Befruchtung im Reagenzglas – bangen. Einsetzen der Embryonen und noch einmal vierzehn Tage lang ausharren.“

    Insgesamt siebenmal war die Antwort der Ärzte negativ. Ein einziges Mal klappte es und wir hörten den Herzschlag. Angst und Hoffnung hielten sich die Waage. Dann ließen wir los und freuten uns riesig. Einige Wochen später der Rückschlag: Der Herzschlag konnte nicht mehr festgestellt werden. Wir waren am Boden zerstört. Am Tiefpunkt unseres Lebens.

    Vom natürlichen Kinderwunsch zum Adoptionsvorhaben

    Das Projekt „eigene Kinder“ sollte fortan nicht mehr unser komplettes Leben in Beschlag nehmen. Wir legten das Thema zu den Akten.

    Eine letzte Option, Eltern zu werden, wollten wir uns jedoch noch offenhalten: Adoption. Jedoch ranken sich viele Fragen und Mythen um dieses Thema. Sind wir zu alt? Haben wir überhaupt eine Chance, wie viele Paare stehen auf der vermeintlichen Warteliste? Wie aufwändig und bürokratisch ist der Prozess mit dem Jugendamt? 

    Wir entschieden trotz der vorhandenen Zweifel, uns für eine Inlandsadoption in unserer Heimatstadt Köln zu bewerben und nahmen Kontakt mit dem Jugendamt auf. Es folgte eine Überraschung. Die Vermittler waren freundlich, persönlich und einfühlsam. Unsere Gespräche fanden stets auf Augenhöhe statt. Die meisten Mythen über Adoption entsprachen nicht der Wahrheit, zum Beispiel gibt es gar kein vom Gesetzgeber vorgegebenes Maximal-Alter.

    Jede, wirklich jede Maßnahme war nachvollziehbar, wenngleich mit Aufwand verbunden. Wir mussten unser Leben offenlegen und das war ok, denn es ging ja schließlich um die Aufnahme eines Kindes. Nach diversen Hausbesuchen, Gesprächen, Dokumenten und Kursen war es dann soweit: Nach Abschluss des gesamten Prozesses erhielten wir das heilige Schriftstück aus den Händen des Jugendamtes. Das Zertifikat des erfolgreich geprüften Adoptionsbewerbers. Alles was wir über die Adoption erfahren hatten war gefühlt reine Theorie, wir bezogen es nicht direkt auf uns und drei Jahre lang tat sich nichts.

    Wir gaben auf und starteten ein neues Projekt: Ein Dackel sollte uns ab sofort erfreuen. Sonntags ging es zum Züchter. Montag sagten wir zu, „Oskar“ würde einige Wochen später in unsere Familie kommen.

    Mittwoch: Plötzlich ein Anruf. Das Jugendamt. Ein kleines Mädchen wurde geboren und wir wurden als Eltern von der Adoptionsvermittlungsstelle vorgeschlagen.

    Donnerstag: Nach einer unruhigen Nacht fahren wir aufgeregt ins Jugendamt. Die Damen erläutern uns alle Hintergründe zum Neugeborenen, die ihnen bekannt sind. Schnell sind wir uns sicher, die Kleine kennenlernen zu wollen. Die Dame der Adoptionsvermittlungsstelle rät uns, doch bitte noch einmal um den Block zu gehen, damit wir wirklich die richtige Entscheidung treffen. Es sind die bis dahin verrücktesten fünf Minuten unseres Lebens. Denn wir müssen schließlich eine Entscheidung für die Ewigkeit treffen.

    „Wir sind uns sicher.“

    Aber wir sind uns sicher und kommen bereits nach wenigen Minuten zurück. Wir teilen den Vermittlerinnen unsere positive Entscheidung mit.

    Im Konvoi fahren wir ins Krankenhaus und verabreden uns mit den Damen des Jugendamtes im Foyer. Mit dem Aufzug geht es nach oben, und wir klingeln an der Neugeborenenstation. Die Stationsschwester öffnet und empfängt uns freundlich. Wir schauen kurz nach links, und dort steht sie schon inmitten all der Brutkästen: Eine erwartungsvoll und fröhlich blickende Krankenschwester, auf ihrem Arm ein kleines Bündel. Darin dick ein-gepackt ein vor zwei Tagen geborenes Mädchen. Wir werden in einen Nebenraum geführt. Weitere Kolleginnen folgen uns, welche wir jedoch nicht mehr wirklich wahrnehmen. Während die Ärztin uns noch fragt, ob wir bereit wären, wird Tanja bereits das kleine Mädchen in den Arm gelegt. Die ersten Tränen fließen. Da liegt es nun, das größte Glück der Welt, und schläft seelenruhig. Als es aufwacht und uns mit seinen großen Augen ansieht, sind alle Zweifel verflogen und purer Liebe gewichen. Ihre kleinen Hände umklammern meine Daumen, ich bin verliebt. 

    Ich habe darüber ein Buch geschrieben. In Eigenregie, ohne kommerzielle Hilfe. „Der neunte Stoch“ handelt von unserer persönlichen, wahren Geschichte zu den Themen „Unerfüllter Kinderwunsch“ und „Adoption“. Schonungslos ehrlich, offen und transparent. Aus Sicht von mir – eines Mannes.

    „Jedes 10. Paar ist ungewollt kinderlos.“

    Von zwei Verlagen erhielt ich eine Absage, zu spitz sei das Thema. Falsch gedacht, laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25-59 Jahren ungewollt kinderlos. Es betrifft so viele Menschen, doch kaum einer spricht davon. Das will ich ein Stück ändern, Betroffenen helfen und Mut machen. Ich freue mich auf jede Unterstützung. Euer Thorsten

    Bilder: privat

    Acht künstliche Befruchtungen, eine Fehlgeburt. Dann ein Anruf der Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes: Der neunte „Versuch“ brachte das ganz große Glück. Das ist die persönliche Geschichte von Thorstens Familie, die er mit uns teilt.

     

    Die Familienplanung läuft nicht bei jedem so einfach ab, wie es manchmal den Anschein machen mag. Durch welche Höllen Paare, Frauen, Männer zum Teil gehen, weiß man vielleicht aus seinem Bekanntenkreis, aber oft wird auch einfach nicht darüber gesprochen. Aber es wird gehandelt. Das zeigt nicht nur der Zulauf und die aus dem Boden sprießenden Kinderwunschzentren, sondern auch die Entwicklung beim Thema Pflegefamilie und ja auch das Thema Adoption. Über Letzteres wollen wir heute sprechen. Ein sehr glücklicher Vater erzählt hier heute seine Geschichte. Voller Höhen und Tiefen. Aber am Ende mit einem Baby im Arm. Wir freuen uns mit dir Thorsten!

    Die „Kinderplanung“

    Ich heiße Thorsten. 1978 in München geboren, kurz danach zog ich nach Köln und wuchs gut behütet auf. Lief bei mir. Es klappte in der Schule, später auch im Job und bei den Damen, ich feierte gerne und lang. Irgendwann lernte ich dann meine Traumfrau auf dem Oktoberfest kennen und wir zogen zusammen.

    Schon sehr früh hatte ich einen stark ausgeprägten Kinderwunsch, eine Tochter sollte es sein. Nachdem wir es uns eingerichtet hatten, ging es dann auch bald schon los: Die konkrete Kinderplanung. Konnte ja nichts Besonderes sein, nichts worüber man groß reden musste. Denn über Gegenteiliges wurde nicht gesprochen und die Kinder im Umfeld fielen vermeintlich vom Himmel. 

    Pille absetzen, kurz abwarten und schwupps, schon müsste die Frau doch schwanger sein. So dachte ich.“

    Denkste. Nichts davon. Es war der Anfang einer langen Odyssee.

    Von irritiert bis verzweifelt

    Bereits nach kurzer Zeit waren wir leicht irritiert, später zunehmend verzweifelt. Das Umfeld übte mit quälenden Fragen zusätzlich Druck aus. Wir recherchierten im Internet und hielten uns an jedem Strohhalm fest, der Abhilfe verschaffen konnte. Ein paar Beispiele gefällig? Wir nahmen Vitaminpräparate, kauften Kinderwunschbücher, ließen uns von einem Ayurveda-Doktor einen Fruchtbarkeitstee anmischen und gingen sogar zu Wahrsagern.

    Nichts half und die Verzweiflung war groß. Aber wir lebten in den 2000er Jahren, in einem hochentwickelten Land. Wir schöpften neuen Mut und begannen mit den Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung.

    Die Kinderwunschbehandlung

    Insgesamt drei Kliniken statteten wir einen Besuch ab. Jedes Mal das gleiche Prozedere:

    „Einkauf teurer Medikamente und spritzen der Hormone – warten. Punktion – hoffen. Befruchtung im Reagenzglas – bangen. Einsetzen der Embryonen und noch einmal vierzehn Tage lang ausharren.“

    Insgesamt siebenmal war die Antwort der Ärzte negativ. Ein einziges Mal klappte es und wir hörten den Herzschlag. Angst und Hoffnung hielten sich die Waage. Dann ließen wir los und freuten uns riesig. Einige Wochen später der Rückschlag: Der Herzschlag konnte nicht mehr festgestellt werden. Wir waren am Boden zerstört. Am Tiefpunkt unseres Lebens.

    Vom natürlichen Kinderwunsch zum Adoptionsvorhaben

    Das Projekt „eigene Kinder“ sollte fortan nicht mehr unser komplettes Leben in Beschlag nehmen. Wir legten das Thema zu den Akten.

    Eine letzte Option, Eltern zu werden, wollten wir uns jedoch noch offenhalten: Adoption. Jedoch ranken sich viele Fragen und Mythen um dieses Thema. Sind wir zu alt? Haben wir überhaupt eine Chance, wie viele Paare stehen auf der vermeintlichen Warteliste? Wie aufwändig und bürokratisch ist der Prozess mit dem Jugendamt? 

    Wir entschieden trotz der vorhandenen Zweifel, uns für eine Inlandsadoption in unserer Heimatstadt Köln zu bewerben und nahmen Kontakt mit dem Jugendamt auf. Es folgte eine Überraschung. Die Vermittler waren freundlich, persönlich und einfühlsam. Unsere Gespräche fanden stets auf Augenhöhe statt. Die meisten Mythen entsprachen nicht der Wahrheit, zum Beispiel gibt es gar kein vom Gesetzgeber vorgegebenes Maximal-Alter. Jede, wirklich jede Maßnahme war nachvollziehbar, wenngleich mit Aufwand verbunden. Wir mussten unser Leben offenlegen und das war ok, denn es ging ja schließlich um die Aufnahme eines Kindes. Nach diversen Hausbesuchen, Gesprächen, Dokumenten und Kursen war es dann soweit: Nach Abschluss des gesamten Prozesses erhielten wir das heilige Schriftstück aus den Händen des Jugendamtes. Das Zertifikat des erfolgreich geprüften Adoptionsbewerbers. Alles was wir über die Adoption erfahren hatten war gefühlt reine Theorie, wir bezogen es nicht direkt auf uns und drei Jahre lang tat sich nichts.

    Wir gaben auf und starteten ein neues Projekt: Ein Dackel sollte uns ab sofort erfreuen. Sonntags ging es zum Züchter. Montag sagten wir zu, „Oskar“ würde einige Wochen später in unsere Familie kommen.

    Mittwoch: Plötzlich ein Anruf. Das Jugendamt. Ein kleines Mädchen wurde geboren und wir wurden als Eltern von der Adoptionsvermittlungsstelle vorgeschlagen.

    Donnerstag: Nach einer unruhigen Nacht fahren wir aufgeregt ins Jugendamt. Die Damen erläutern uns alle Hintergründe zum Neugeborenen, die ihnen bekannt sind. Schnell sind wir uns sicher, die Kleine kennenlernen zu wollen. Die Dame der Adoptionsvermittlungsstelle rät uns, doch bitte noch einmal um den Block zu gehen, damit wir wirklich die richtige Entscheidung treffen. Es sind die bis dahin verrücktesten fünf Minuten unseres Lebens. Denn wir müssen schließlich eine Entscheidung für die Ewigkeit treffen.

    „Wir sind uns sicher.“

    Aber wir sind uns sicher und kommen bereits nach wenigen Minuten zurück. Wir teilen den Vermittlerinnen unsere positive Entscheidung mit.

    Im Konvoi fahren wir ins Krankenhaus und verabreden uns mit den Damen des Jugendamtes im Foyer. Mit dem Aufzug geht es nach oben, und wir klingeln an der Neugeborenenstation. Die Stationsschwester öffnet und empfängt uns freundlich. Wir schauen kurz nach links, und dort steht sie schon inmitten all der Brutkästen: Eine erwartungsvoll und fröhlich blickende Krankenschwester, auf ihrem Arm ein kleines Bündel. Darin dick ein-gepackt ein vor zwei Tagen geborenes Mädchen. Wir werden in einen Nebenraum geführt. Weitere Kolleginnen folgen uns, welche wir jedoch nicht mehr wirklich wahrnehmen. Während die Ärztin uns noch fragt, ob wir bereit wären, wird Tanja bereits das kleine Mädchen in den Arm gelegt. Die ersten Tränen fließen. Da liegt es nun, das größte Glück der Welt, und schläft seelenruhig. Als es aufwacht und uns mit seinen großen Augen ansieht, sind alle Zweifel verflogen und purer Liebe gewichen. Ihre kleinen Hände umklammern meine Daumen, ich bin verliebt. 

    Ich habe darüber ein Buch geschrieben. In Eigenregie, ohne kommerzielle Hilfe. „Der neunte Stoch“ handelt von unserer persönlichen, wahren Geschichte zu den Themen „Unerfüllter Kinderwunsch“ und „Adoption“. Schonungslos ehrlich, offen und transparent. Aus Sicht von mir – eines Mannes.

    „Jedes 10. Paar ist ungewollt kinderlos.“

    Von zwei Verlagen erhielt ich eine Absage, zu spitz sei das Thema. Falsch gedacht, laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25-59 Jahren ungewollt kinderlos. Es betrifft so viele Menschen, doch kaum einer spricht davon. Das will ich ein Stück ändern, Betroffenen helfen und Mut machen. Ich freue mich auf jede Unterstützung. Euer Thorsten

    Bilder: privat

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