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    Ein Brief an die Bonustochter
    Claudi und Steffi sind seit zwei Jahren ein Paar. Seitdem ist Claudi Bonusmama einer inzwischen 7Jährigen. Wie sich das anfühlt und wie sich ihre Beziehung entwickelt, dafür hat Claudi sehr liebevolle Worte gefunden

    Steffi und Claudi sind seit 2019 ein Paar. Steffi hatte damals bereits eine 5jährige Tochter. So wie die Beziehung zwischen Steffi und Claudi stetig wächst, so hat sich auch die Beziehung zwischen Claudi und ihrer „Bonustochter“ (wie sie sie selbst nennt) weiterentwickelt. Und während wir Claudi und Steffi ganz fest die Daumendrücken für ein Geschwisterchen für die inzwischen 7 jährige Tochter, welches bereits in der Planung ist, freuen wir uns einfach über so viel Liebe in dieser Dreierkonstellation. Aber lest selbst…

    Brief an meine Bonustochter

    „Vor zwei Jahren bin ich einfach so in eure kleine Familie gestolpert.
    Du und Mama habt euch gerade von einer schweren Trennung erholt. Manchmal warst du deswegen noch sehr traurig. Wir sind es langsam angegangen, brauchen beide viel Zeit, um uns auf neue Menschen einzulassen. Kein Wunder…


    Erstmal war ich öfter einfach zu Besuch in deiner und Mamas Wohnung oder wir haben Unternehmungen gemacht, waren Eis essen, am See oder auf dem Spielplatz. Vorsichtig haben wir uns angenähert.

    Als du das erste Mal während eines Ausflugs nicht mehr nur nach Mamas Hand, sondern plötzlich auch nach meiner gegriffen hast, war ich völlig baff. Du hast das vielleicht gar nicht bemerkt aber ich hatte Tränen in den Augen.

    Langsam haben wir uns geöffnet

    Und so liefen wir in Dreierreihe durch die Gegend und ich konnte es kaum fassen. Ganz langsam hast du dich geöffnet. Und ich mich.

    Und nach einiger Zeit bin ich einfach nicht mehr gegangen. Wir holten meine sieben Sachen und meinen Hund Oliver zu euch in die Wohnung – was eure Hündin Elli ganz besonders freute. Jeden Tag haben wir uns ab jetzt gesehen. Manchmal bewusst, manchmal ganz nebenbei. Aber wir waren die ganze Zeit beieinander und verstanden uns sehr gut.  

    Ich wusste zu Beginn der Beziehung mit deiner Mama auch nicht, ob wir eine richtige Familie sein können, ob du und ich so ohne weiteres eine Bindung aufbauen werden. Wenn ich heute so zurückdenke, war der Versuch dessen eine der bisher wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben.

     

    Ich wusste nicht, ob ich Kinder haben wollte

    Vor dieser Entscheidung hätte ich nicht geglaubt, dass ich jemals Kinder haben werde. Ich hatte andere Pläne. Ein Kind gehörte nicht in mein Konzept vom erfüllten Leben. Sie machen Lärm – viel Lärm. Und sie kosten Geld – viel Geld. Für mich ist und war aber vor allem klar, dass ich kein Kind austragen möchte. 

    Ohne dich hätte ich also nie erfahren, was es bedeutet ein Kind zu haben: wie viel Liebe, Offenheit, kleine Bedeutsamkeiten. Wie viel Nervenkitzel, Mietfiebern, wie viel LEBEN außerhalb des eigenen. Wie viel Stärke, Mut, Freude, Ärger. Wie viel mehr Emotionen, die ich mitverfolgen – mitfühlen darf, als wären es meine eigenen.

    Das ist Familie! 

    Und das hab ich von dir gelernt. Aber ich lerne noch mehr.

    Ich profitiere am meisten von unseren Momenten der Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit. Nachdem ich das zur-Ruhe-kommen kaum gelernt oder nach erfolgreicher Sozialisation in unserer Leistungsgesellschaft wieder VER-lernt habe, fiel mir das oft schwer. Dir nicht – du bist die Ruhe in Person. Du bist beim Spielen, Basteln und Malen oft so fokussiert, dass man dich kaum aus deiner Tätigkeit heraus holen kann. Wie schaffst du es nur, mit den Gedanken so oft ganz im Moment zu sein?

     

    Ich suche mir den Ruhepol in besonderen Tätigkeiten, powere mich beim Joggen aus oder übe mich in Meditation. So etwas erleichtert es mir einen Moment aus dem Grübelmodus auszusteigen, dann bin ich auf anderes fokussiert – das Gedankenkarussel hält an. 


    Du hast mir gezeigt, dass unsere Quality Time im Sinne von Achtsamkeit es wert ist, gepflegt zu werden. Sie bedeutet ein im-Moment-sein, Präsent-sein – eine Pause vom „am-Leben-vorbeilaufen“, echte Lebenszeit.

    Wer kann das schon – den ganzen Tag? 

    Dazu braucht es geschützte Zeiten, in denen wir ganz bewusst aufmerksam sind, beim in-Beziehung-gehen mit unserem Kind, unserem:r Partner:in und nicht zuletzt mit uns selbst, als eine Art der Selbstfürsorge. 

    Ich bewundere auch deine Mama. Sie ist nicht nur irgendeine Mama.
    Noch sind wir keine Ewigkeit zusammen und ich habe die Möglichkeit, mir einiges an eurem Zusammenleben auch objektiv anzusehen. 


    Du und Mama – ihr seid ein eingespieltes Team. Die Erziehungsmethoden, die sie nutzt, sind keine. Es geschieht immer alles nach Gefühl. Nicht nach „man sollte“ oder nach Büchern. Auf Augenhöhe versucht sie jedes deiner Bedürfnisse zu besprechen, hört gut zu und akzeptiert deine Meinung, wie die einer erwachsenen Person. 

    Es gibt natürlich Grenzen. Aber nicht viele. Und sie haben IMMER eine gute Begründung. Sie unterstützt, vertraut, stellt nicht in Frage, hilft, lacht, weint, sorgt, ist, bleibt, fragt, antwortet, gibt, hält, liebt und stärkt genau da, wo es möglich oder nötig ist. Sie ist nicht nur einfach Mama – sie ist es mit Herz und Seele, mit Sinn und Verstand aber vor allem mit Freude und Spaß.


    Ich habe weniger Erfahrung und viele Erziehungstipps meiner Familie würde ich eher nicht weitergeben. Aber die Art deiner Mama, Dinge zu lösen, fasziniert mich oft und ich hoffe, ich kann noch viel von ihr lernen und werde im besten Fall – wie sie – zu einer Person, die ich mir damals auch gewünscht hätte.

    Wir wachsen näher zusammen

    Wir wachsen jeden Tag ein Stückchen näher zusammen, machen auch manchmal ohne Mama Unternehmungen oder Erledigungen zusammen und freunden uns immer mehr an. Wir haben Rituale – nicht solche wie Mama und Du aber eben andere, kleinere. 


    Ich bin nicht deine Mama oder Mami

    Ich bin deine Freundin – deine Verbündete – deine Witze-Erzählerin – deine Wegbegleiterin – deine Erklärbärin – deine Unterstützerin – dein Fan – die, mit der du Süßigkeiten teilst – deine Vertraute – eine helfende Hand – deine Bonusmama.

    Ich kenne dich jetzt, seitdem du fünf Jahre als bist. Und es fühlt sich großartig an, das sagen zu können. 

    Jetzt bist du schon sieben und beginnst langsam alleine deiner Wege zu gehen. Du fährst Rad und kannst längst richtig gut schwimmen. Du bist eine echte Dinosaurier-Spezialistin und kennst alle Dinosaurierarten auswendig. Du bist witzig und oft sogar richtig ironisch – ich liebe deinen trockenen Humor. Du gehst alleine mit deiner Freundin raus zum Spielen und willst plötzlich Kinder-Nachrichten sehen und über sehr ernste und wichtige Themen sprechen. Du veränderst dich. Du bist jetzt nicht mehr klein. Du wirst älter, größer, stärker, bewusster. Du wirst deinen Weg gehen, deine eigenen Erfahrungen sammeln und aus ihnen lernen. Ich freue mich darauf, dabei sein zu dürfen!

     

    Danke, dass du dich fallen lässt. Danke, dass es dich gibt. 

    Ich hab dich sehr lieb

    xxx C

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    Unser Redaktionsteam schreibt über alle Themen, die dich als Mama, Schwangere, Partnerin, Ehefrau, Freundin, Alleinerziehende oder einfach nur als Frau interessieren. Wenn dir ein Inhalt fehlt oder du selbst über etwas schreiben willst, deine Geschichte erzählen möchtest oder uns einfach eine andere Perspektive geben will, schreib uns an redaktion@mother-now.de.de

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