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    Alleinerziehend und Corona – passt nicht
    Eine Alleinerziehende erzählt von den schweren letzten Wochen und hat dennoch eine gute Nachricht

    Wie oft hast du in den letzten Wochen auf die Hilfe deines Partners zurückgegriffen oder er auf deine? Da Familien derzeit so sehr auf sich gestellt sind, wie noch nie, braucht es ein gutes Team um zu „überleben“. Das Grundgerüst des Teams heisst Eltern. Denn weitere Kontakte und Unterstützung waren und sind kaum erlaubt, oder auch gewollt. Die Familien, die aber nicht einmal auf dieses Grundgerüst zurückgreifen können, ja – die stehen komplett allein da!

    Wir sprechen hier vor allem von den vielen Alleinerziehenden, die auch kein Wechselmodell leben. Sondern sich Non-Stop allein um ihre Kinder kümmern. Ihnen ist ihre gesamte Basis weggebrochen, die häufig aus einem sehr guten Netzwerk besteht.

    Nehmen wir allein Alltägliches, wie das Einkaufen von Lebensmitteln. Die ja leider jeder braucht. Leider auch während Corona. Und dieses Einkaufen war am Anfang der Pandemie ja an sich schon schwerer und unangenehmer denn je und es war unklar, ob es evtl. Engpässe geben wird und es sollte trotzdem bitte nicht zu viel (hallo Hamsterkäufe) und nicht zu wenig (am besten bitte nur 1x in der Woche in den Supermarkt), und am besten bitte nur ALLEIN dorthin gekommen werden, um sie zu besorgen. 

    Wie sollten das Alleinerziehende mit Kleinkindern und Babys eigentlich bewerkstelligen, die immer allein für ihre Kinder da sind? Wo sollten denn die Kinder hin, wenn Mutter oder Vater für die Grundbedürfnisse aufkommen musste?

    Aber auch das Mentale, wie der Streit beim Homeschooling, der Kampf um jede weitere Aufgabe, das Kleinkind, das durchgehend bespasst werden will, die Unsicherheit der Lage an sich – was alles enorm viel Stress verursacht. Bei dem einen natürlich mehr, bei dem anderen weniger. Aber wie wichtig ist es da, einfach mal sagen zu können „Übernimm du bitte. Ich kann nicht mehr.“

    Wir lassen heute eine Alleinerziehende von ihren letzten knapp drei Monaten sprechen. Und man ahnt, es ist schwer. Aber: Wie es so ist im Leben, jede Herausforderung macht uns auch stärker und so gibt es auch hier eine solche Erkenntnis!

    Wir wünschen allen Mamas und Papas weiterhin besonders viel Kraft und gegenseitige Unterstützung – zur Not zeitweilig auch mal nur mental und online!

    Es heißt, man braucht ein Dorf um ein Kind zu erziehen

    Unser Dorf ist in ganz Berlin, Deutschland, Europa und der Welt verstreut. Als unser Leben noch „normal“ war, war das schön, abwechslungsreich und gefühlt unabhängig. Mein Sohn (fast 3) und ich sind ein gutes Team. Meine Freunde in Berlin, sind meine Familie im Alltag.

    Als der Lockdown kam

    Anfang März hatte ich grade nahtlos meinen neuen Job angefangen. Und dann kam der Lockdown. Kaum eingearbeitet saß ich da mit sehr vielen Fragezeichen und einem begeisterten Kitagänger, der im Gegensatz zu mir „arbeitslos“ war. Anfangs lief es noch gut. Unser Dorf: Wir zu zweit, 2 Zimmer, Balkon, Küche, Bad. Mit dem Rest unserer Welt nur durch Zoom, WhatsApp und Telefon verbunden. Weiterarbeitend durch ein fix installiertes Übergangs-Büro im Wohnzimmer. Gleichzeitig war ich Mami, Papi, Spielkameradin, Köchin, Erzieherin, Ärztin, Managerin, Therapeutin, Putzfrau usw.

    „24/7 nur meine Verantwortung, meine Regie und meine Energie."

    Aber die Wochen im Corona Bann wurden von Tag zu Tag zehrender. 24/7 nur meine Verantwortung, meine Regie und meine Energie. Vom Sprint in den Dauerlauf ohne das Tempo drosseln zu können.

    Die physische und psychische Belastung brachte mich an meine Grenzen

    Die kleinen Unterstützungen hier und da, die Pausen im Alltag, die kurze Flucht, das mal „Einen- Gedanken- zu- Ende- denken können“, fehlte mir und meinen Nerven. Dazu ging es immer und überall nur um Corona, alle waren angespannt, jeder hatte sein Päckchen zu tragen.

    Meinem Sohn fehlten seine Freunde, seine Erzieherinnen, seine Rituale, sein Spielplatz. Zum ersten Mal seit drei Jahren kam ich als Alleinerziehende (ohne Familie um die Ecke) an meine Grenzen.

    Mir wurde bewusst, dass ich doch abhängiger war als gedacht. Das machte mir Angst und zeigte mir wie fragil alles ist.

    Was passiert mit meinem Sohn, wenn es mich erwischt? Ich zu schwach bin, um mich um ihn zu kümmern? Wer kommt? Meine Eltern? –Dürften jeweils nicht und wären Risiko…Meine Schwester hat selbst Kinder und ist in ihrer Welt „systemrelevant“. -Der Vater meines Sohnes lebt im Ausland, die Grenzen sind dicht und er könnte wahrscheinlich sowieso nicht kommen…Meine Freunde waren selber in ihren Familien und Lebensumständen verhaftet.

    Ich allein musste das Dorf sein

    Mir wurde immer klarer, dass ich allein meinem Sohn ein Dorf sein musste. Dafür war es existenziell, dass ich stabil bleibe, zuversichtlich und in mir ruhe, auch wenn außen alles wankt. Angst ist ein schlechter Ratgeber und macht auf Dauer krank.

    Ich habe aufgehört mir ständig die neuesten Zahlen und Nachrichten anzugucken. Distanz zu Panikmachern und Verschwören gewahrt. Und wieder angefangen regelmäßig zu meditieren. Wurde gnädiger mit mir, wenn mal was liegen blieb. Auch wenn es manchmal schwer ist und war, ermahne ich mich immer und immer wieder im Jetzt zu sein. Warum es sich noch schwerer machen und sich um zukünftige Dinge sorgen, die man eh nicht ändern kann? Ich trainiere flexibel zu bleiben, auch wenn nichts so ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das ist aber sowieso eine tägliche Herausforderung, ob mit oder ohne Corona. Nur mit war es die Nagelprobe….

    Mein Fazit: Ich bin genug!

    Retrospektiv haben wir die Zeit im Lockdown tatsächlich gut gewuppt! Sogar Ostern zu zweit ging wunderbar…  

    Mittlerweile darf mein Sohn in die Notbetreuung der Kita. Er ist dort gut aufgehoben und wir sind jeden Morgen dankbar. Er kann mit Gleichaltrigen spielen und ich kann atmen, arbeiten, aufräumen…

    Nach den Erfahrungen der letzten 10 Wochen, weiß ich, ich kann ihm ein Dorf sein. Wenn es darauf ankommt, bin ich auch ganz allein genug!

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