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    Schuldgefühle, der ewige Begleiter des Elternseins?
    Wir haben so viele Ansprüche an unsere Erziehung, aber sind die wirklich umsetzbar? Und wie gehen wir mit unseren Gefühlen am besten um?

    Kennst du das: Du hast vielleicht viele tolle Bücher gelesen und theoretisch weißt du ganz genau wie du Familie leben möchtest: gewaltfrei, artgerecht, bedürfnisorientiert… und wie sie alle heißen. Aber in deinem vollen Familienalltag kommst du immer wieder an den Punkt, an dem sich diese Lücke auftut zwischen Theorie und Praxis?

    Aber das Schlimmste kommt noch: wenn der kleine Teufel endlich schläft und vom Bettrand plötzlich doch wieder aussieht wie ein kleiner Engel, überkommt dich unfassbare Schuld…? Die sich anfühlt wie ätzende Säure in einer eh schon offenen Wunde?

    Nina Grimm ist zweifache Mutter, Wissenschaftlerin und Psychologische Psychotherapeutin in Approbation. Sie begleitet Eltern dabei endlich zu leben, was ihnen theoretisch längst klar ist. Heute erklärt sie uns wie wir einen Umgang mit diesen Gefühlen finden können und auch wirklich etwas ändern können.

    Die Sache mit den Schuldgefühlen

    Ich habe eine Onlineumfrage durchgeführt, an der knapp 500 Eltern teilgenommen haben. Was schätzt du, wie viel Prozent konnten all das gute Wissen, das sie aus Erziehungsratgeber und Co haben, nicht leben? Tatsächlich gaben 97% an, dass sie nicht leben konnten, was ihnen theoretisch längst klar war. 97%!!! Von diesen Eltern gab eine klare Mehrheit an (71%), dass sie sich dafür schuldig fühlen.

    Aus meinem Beratungsalltag weiß ich, dass dieses Schuldgefühl für Eltern wohl das Schlimmste an der ganzen Misere ist. Denn sie wissen es ja längst so viel besser. Sie wollen die Fehler der eigenen Eltern nicht wiederholen. Und theoretisch sind sie längst Bilderbuch-Eltern. Praktisch aber eben noch viel zu häufig das, was sie eigentlich nie sein wollten…

    Kennst du das auch?

    Ich möchte in diesem Artikel drei Schritte für einen konstruktiven Umgang mit deinem Schuldgefühl teilen, die dazu führen, dass dieser Schmerz zu deinem persönlichen Wendepunkt wird.

    Bereit? – Dann lass uns loslegen.

    Fühle den Schmerz!

    Es ist sehr menschlich, dass wir eine Abneigung gegen die sogenannten „negativ Emotionen“ wie Schuld haben. Wir wollen sie nicht fühlen, wir wollen sie nicht in unserem Leben haben und deswegen haben wir die Tendenz Gefühle wie diese wegzudrücken. Hierfür gibt es natürlich viele unterschiedliche Möglichkeiten:

    Betäubung, Ablenkung und Verdrängung – zum Beispiel in Form von einer Tüte Chips und Netflix-Serien-Marathon. Was ich bei meinen Klientinnen aber am häufigsten beobachte ist Folgendes: überhöhte Selbstansprüche und Selbstvorwürfe. Ja, tatsächlich ist auch das eine Form des Schutzes vor dem Schuldgefühl! Denn, wenn ich so hart mit mir ins Gericht gehe, muss ich die Schuld ja nicht fühlen. Ich bestrafe mich ja selbst schon dafür.

    Viele Wege führen nach Rom und die Varianten ein negatives Gefühl wie Schuld zu unterdrücken, sind so individuell wie wir.

    Fakt ist, dass die Unterdrückung eines Gefühls aber nicht dazu führt, dass es weg ist. Aus psychodynamischer Sicht führt das sogar dazu, dass sich die Wirkung des Gefühls auf unser Erleben noch verstärkt.

    Der einzige Weg, um Schuldgefühle aufzulösen, ist gezielt und konzentriert in das Gefühl hineinzugehen.

    Es einmal voll zu fühlen. Sich einmal davon durchrütteln zu lassen. Alle± Tränen fließen zu lassen. Zu schreien, zu stampfen, in Kissen zu schlagen zu rotzen und zu fluchen – um dann zu erfahren, dass es nach einer Weile still(er) wird. Dass die Intensität nachlässt. Dass du ruhiger wirst. Denn Gefühle sind wie Wellen. Sie kommen und sie gehen. Sie nehmen an Fahrt auf. Sie wirbeln uns vielleicht auch mal ordentlich durch. Aber eines ist gewiss: Wellen brechen. Wellen werden wieder zum Teil des Ozeans. Wellen sind endlich. Und wenn wir sie surfen, bedrohen sie uns nicht.

    Wir sind nicht die Wellen an der Oberfläche. Wir sind der Ozean.

    2. Begegne dir selbst liebevoll in deinem Schmerz

    Liebevoll mit uns selbst umzugehen ist schon an guten Tagen für viele eine Herausforderung. Wenn wir dann auch noch etwas verbockt haben, ist das Natürlichste für unsere Generation eher Folgendes:

    „Du dumme Kuh! Warum baust du nur immer so einen BOCKMIST!!!!!?!“

    Denn wir sind konditioniert auf: „nur die Harten kommen in den Garten“ und „wer was erreichen will, muss hart arbeiten“. Die Option, dass aus einer Sanftmut uns selbst gegenüber eine Veränderung in Gang kommen könnte, ist in unseren Breitengraden schlichtweg abwegig. Dabei gibt es aus psychotherapeutischer Sicht ausreichend Anlass zu der Annahme, dass ein selbstmitfühlender Umgang gerade in Stressmomenten sehr zuträglich ist, um zielführende Strategien ausführen zu können.

    Plakativ könnte man die Frage stellen:

    Wie gehst du mit jemanden um, der schon am Boden liegt?

    Trittst du nochmal drauf (aka: Du dumme Kuh! Warum baust du nur immer so einen BOCKMIST!!!!!?!)? Oder reichst du ihr liebevoll deine Hand (aka: Das ist eine echte Herausforderung. Du kannst das. Ich helfe dir!)?

    Der zentrale Schlüssel für einen konstruktiven und gewinnbringenden Umgang mit deiner Schuld ist deine Selbstbeziehung: Wie gehst du mit dir selbst in Beziehung, wenn du einen Fehler gemacht hast? Haust du nochmal eins oben drauf? Oder reichst du dir selbst die Hand?

    An der Stelle haben wir Mütter einen waschechten Vorteil:

    Denn sehr wahrscheinlich hast du, liebe Leserin, schon mal davon gehört, dass es zuträglich ist, wenn wir unsere Kinder in ihren Emotionen begleiten. Wenn wir ihnen signalisieren: jedes Gefühl darf sein? Du bist gut so wie du bist? Auch wenn du Fehler machst – ich liebe dich bedingungslos… – würdest du das für deine Kinder unterschreiben? – Wundervoll! Dann lade ich dich jetzt dazu ein, diese Grundhaltung auch für dich selbst anzuwenden:

    Behandle dich selbst, wie dein eigenes Kind!

    Begleite dich selbst in deinem Schuldgefühl so, wie du dein Kind begleiten würdest. Werde dir selbst zur liebevollen Mutter. Du bist es wert!

    3. Vergebung und Blick nach vorn

    Let´s face it: Schuldgefühle machen deinen Fehltritt nicht rückgängig. Schuldgefühle halten dich in der Vergangenheit fest und blockieren jede Form der konstruktiven Veränderung. Schuldgefühle müssen ein (oder zwei, oder drei oder vier) Mal gefühlt werden, je nach Typus. Nur dann können wir sie loslassen. (Deswegen sind Schritt 1 und 2 so zentral!).

    Schau ehrlich auf deinen Fehltritt.

    Und dann: vergebe ihn dir! Und blicke konstruktiv darauf, was du konkret verändern kannst, damit es sich nicht wiederholt. Und so kannst du vorgehen:

    • Halte deine Erkenntnisse fest: Was ist der Grund für den Rückfall in ein altes Muster?
    • Welche ersten Ideen zur Rückfallprophylaxe kommen dir? Was kannst du konkret tun, um die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Rückfall zu reduzieren?
    • Welche konkreten Veränderungen kannst du jetzt angehen?

    Hier ein Beispiel:

    Ich habe mein Kind in einem Stressmoment angebrüllt.

    • Grund für den Rückfall in ein altes Muster:

    Meine Erschöpfung von einem langen Tag, die Frustration wegen der doofen Email einer Kollegin, der mir noch in den Knochen saß.

    • Ideen zur Rückfallprophylaxe:

    Stress abbauen, für mehr Entspannung sorgen, mehr in meine Kraft finden, Prioritäten richtig setzen. Weniger Arbeiten. Weniger beeinflussen lassen von der Arbeit.

    • Konkrete Änderungsideen:

    Essen bestellen, statt kochen. Haushalt liegen lassen, Fokus auf die Kinder am Abend. Mittagspause wirklich als Pause nutzen, Energietank aufladen. Nach dem Abendessen kurze Mini-Pause (Teetrinken, frische Luft schnappen, Spazieren gehen), um mich für das Abendritual zu stärken.

    Bewusstes Ritual einführen, um den Ballast von der Arbeit loszulassen, bevor ich nach Hause komme.

    Jetzt heißt es: Krone zu recht rücken. Und weitermachen. Du bist wundervoll! Und deine Fehler machen dich menschlich!

    Gute Erziehungsideen endlich umsetzen

    Nina Grimm ist zweifache Mutter, Wissenschaftlerin und Psychologische Psychotherapeutin in Approbation. Sie begleitet Eltern dabei endlich zu leben, was ihnen theoretisch längst klar ist. Ihr Buch „hätte, müsste, sollte“ erscheint am 22.11. im Kösel Verlag.

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