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    Wie geht eigentlich Paar-Sein mit Kindern?
    5 Antworten und Anregungen von Anja Gaca, wie du deine Beziehung wieder auf Hochglanz polierst

    “Mit den Kindern kamen die Probleme!” Diesen deprimierenden Satz hört man viel zu häufig. Dabei sind Kinder doch eigentlich das Schönste, das einem Paar passieren kann. Die Beziehung ändert sich schlichtweg teilweise radikal. Ob positiv oder negativ, das hast du letztendlich selbst in der Hand. Vor allem musst du zuerst einmal akzeptieren, dass eine Partnerschaft nach der Geburt eines Kindes anders ist. Das ist normal und völlig OK. Wenn du dann irgendwann wieder die Energiereserven aufgeladen hast, kannst du damit beginnen, dir eine Beziehung zu spinnen, die du jetzt genau so in dieser Lebensphase haben willst. Die dich stützt, dir Kraft gibt und euch alle glücklich macht.

     

    Wir haben genau darüber mit Anja Gaca gesprochen. Sie ist freiberufliche Hebamme, schreibt Bücher und zusammen mit ihrem Mann Christian den Blog  www.vonguteneltern.de. Sie sind verheiratet und leben mit ihren vier Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren in Berlin. Neben ihrem gemeinsamen Buch Von guten Eltern und glücklichen Paaren hat Christian gerade auch ein Papipedia veröffentlicht. Die beiden scheinen sich also sehr viel Gedanken über Partnerschaft, Papa-Sein und ihre Rollen in der Familie gemacht zu haben. Genau deshalb stellen wir ihnen auch ein paar neugierige Fragen.

     

    Liebe Anja, wenn ich mich in meinem Freundeskreis voller Paare mit kleinen Kindern umschaue, entdecke ich keine Beziehung, die vor Leidenschaft und Spaß sprüht. Muss man sich von dieser Idealvorstellung als Familie vielleicht wirklich komplett verabschieden? Ist das vielleicht sogar ein Widerspruch in sich? Warum liegen Wunsch und Realität oft so weit auseinander?

     

    Anja: Beziehungen ändern sich mit der Zeit – ob mit oder ohne Kinder. Dem anfänglichen hormonellen Höhenflug folgt eine Phase, in der sich die Beziehung vertieft. Der zuvor schönste, intelligenteste, humorvollste und natürlich fehlerlose Partner wird auf einmal zu einem Menschen mit Ecken und Kanten. Dafür entwickeln sich idealerweise neue Gefühle wie tiefe Verbundenheit, Vertrauen und Verantwortung füreinander.

     

    Gerade im Kontext Elternschaft sind das natürlich wichtige Aspekte, um die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern. Die Geburt eines Kindes ist eine Krisensituation, auch wenn wir mit ganz vielen positiven Erwartungen als Eltern darauf zugehen. Und oft fängt die Krise schon mit dem Kinderwunsch an, wenn sich zum Beispiel beide Partner da nicht einig sind. Auch das lange Warten aufs Wunschkind und in diesem Kontext auch die Inanspruchnahme reproduktionsmedizinischer Maßnahmen können sehr belastend sein.

     

    Unser heutiges Bild von Familie ist von einem Ideal geprägt, das so vor allem in den Medien propagiert wird. In über 17 Jahren Hebammenarbeit mit sehr intimen Einblicken in viele Familienleben habe ich die „Rama-Familie“ jedenfalls noch nicht getroffen. Es gibt überall Probleme – oder positiver formuliert – Herausforderungen, die Paare meistern müssen, wenn sie Eltern werden. Und das passiert unabhängig von vermeintlich idealen Rahmenbedingungen.

     

    Christian hat in seinem neuen Buch jetzt gerade ganz intensiv seine Perspektive auf Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr mit Baby beschrieben – Stichwort Perspektivwechsel. Das ist ja oft das Problem bei Paaren, dass die gegenseitige Wertschätzung für die jeweiligen Aufgaben fehlt. Wie schafft ihr es, Bewusstsein für den Partner zu schaffen und das ständige Aufrechnen hinter euch zu lassen?

     

    Anja: Wir sind tatsächlich gar keine Gegner vom „Aufrechnen“, denn auch das kann wertschätzend passieren. Die Probleme entstehen ja in der Regel nicht durch eine bestimmte Rollenverteilung, sondern dadurch, dass es sich für einen Partner ungerecht anfühlt. Dieses Gefühl darf und sollte man ernst nehmen und dann auch ruhig mal „aufrechnen“. 

     

    Wir bezeichnen es lieber als „regelmäßig Bilanz ziehen“. Manchmal schleicht es sich einfach automatisch ein, dass der eine Aufgaben übernimmt, die er lieber teilen oder am liebsten ganz abgeben würde. Das bekommt man aber als Paar nur geklärt, wenn man eben miteinander redet. Und das möglichst früh, bevor der „Berg der Ungerechtigkeit“ immer höher wird.

     

    Gehen wir mal davon aus, dass das erste Jahr mit Baby sowieso außer Konkurrenz läuft, weil der Familienalltag und die Partnerschaft komplett auf den Kopf gestellt werden. Viele Eltern werden trotzdem schnell panisch, wenn sie sehen, wie drastisch sich ihre Beziehung verändert hat. Irgendwann sollte aber auch wieder der Fokus auf dem PAAR-SEIN liegen. Gab es auch bei euch einen Moment, in dem ihr euch gesagt habt: Ab jetzt muss was passieren, sonst geht es wirklich schief? Wie bekommt man dann die Kurve?

     

    Anja: Nein, den gab es so konkret nicht. Das könnte aber auch daran liegen, dass wir wirklich schon lange zusammen sind und auch die Auswirkungen anderer stressiger Phasen auf die Beziehung kennen – wie zum Beispiel Hebammenexamen oder Studienabschluss. Uns war klar, dass es irgendwann wieder anders wird. Und Christian weiß wahrscheinlich schon aus meinen Schichtdienstphasen im Kreißsaal, dass Schlafmangel negative Auswirkungen haben kann. 

     

    Auch als Eltern haben wir uns immer als Paar wahrgenommen. Ein Paar, das gerade viel um die Ohren hat. Und das weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Statt essen und ins Kino zu gehen, hat mir Christian Eis vom Späti geholt, und wir sind gemeinsam vor Netflix eingeschlafen. So sieht halt Alltagsromantik aus, haha.

     

    Gerade hast du es schon angesprochen. Auch wenn man die Anfangszeit gut überstanden hat, ist der Alltag voller Situationen, die für Spannungen sorgen können. Gerade in Erziehungsfragen sind sich Eltern selten einig. Muss man sich überhaupt einig sein oder wie schafft man es am besten, dass die Streitigkeiten aus den Situationen mit den Kindern die Partnerschaft nicht zu stark beeinflussen?

     

    Anja: Man muss sich nicht in allem einig sein. Aber ich stelle es mir sehr schwierig vor bzw. erlebe es auch in der Hebammenarbeit, wenn Eltern sehr konträre Vorstellungen haben. Es ist eine unglaublich hohe Belastung für eine Beziehung, wenn die Meinungen zum Stillen oder zum Schlafplatz des Babys komplett auseinandergehen. 

     

    Ich finde es deshalb wichtig, dass sich Eltern schon vor der Geburt zu diesen Themen und generell austauschen. Dazu gehört auch, einen Blick auf die eigene Kindheit zu werfen und zu überlegen, was man weitergeben oder was man anders machen will. Aber oft wird dann doch der Auswahl des idealen Kinderwagens mehr Aufmerksamkeit eingeräumt, als diesen Themen. Sicherlich auch, weil es durchaus belastend sein kann, die eigenen Kindheitserfahrungen auf den Prüfstand zu stellen. Es ist sinnvoll, wenn werdende Eltern vorab mehr Informationen über die wirklichen – also nicht materiellen – Bedürfnisse eines Babys bekommen und sich überlegen, wie man gemeinsam damit umgehen wird. Vor der Geburt kann man sich doch kaum vorstellen, dass man an manchen Tagen nicht mal zum Duschen kommen wird, weil das Nähebedürfnis des Babys so groß ist, dass es sich gar nicht ablegen lässt.

     

    Wenn man es dann anpacken will – wo liegt der Hund begraben? Mangelt es uns als Familie und Paar wirklich nur an Zeit für Zweisamkeit? Ist das der Knoten, der alles lösen kann? Wenn wir mal ab und an einen Babysitter haben und essen gehen, habe ich immer das dringende Bedürfnis, über lebenswichtige innerfamiliäre Organisationsthemen zu sprechen, für die sonst keine Zeit ist. Das endet eigentlich immer im Streit. Habt ihr bestimmte „Regeln“, wenn ihr als Paar bewusst Zeit miteinander verbringt, wie diese Momente dann auch wirklich zu Quality Time werden?

     

    Anja: „Quality Time“ als Paar ist sicherlich eine schöne Sache, aber wenn der sonstige Alltag voller Schwierigkeiten ist, löst sie keine aktuellen Probleme. Wir haben spätestens ab dem zweiten Kind für uns realisiert, dass wir uns einfach gut organisieren und absprechen müssen als Eltern. Das fühlte sich anfangs spießig und uncool an, macht den Alltag aber deutlich leichter. Regelmäßige Treffen (gerne zum Kaffee), um die nächste Zeit zu planen, sind für uns wichtig und wirklich hilfreich. 

     

    Dann hat man beim Date zu zweit auch den Kopf für anderes frei. Wir reden dann zwar trotzdem auch oft über die Kinder – aber dann mit dem Fokus, wie schön es ist, gemeinsam diese Familie zu haben. Und nicht darüber, wer morgen die Kinder zum Capoeira bringt.

    Bücher von Anja und Christian

    Von guten Eltern … und glücklichen Paaren: Die Kinderjahre entspannt gemeinsam bewältigen 

    von Anja Constance Gaca und Christian Gaca – 16,99€ 

     

    Papipedia: Alles, was Väter und ihre Kinder brauchen (GU Reader Partnerschaft & Familie) 

    von Christian Gaca – 16,99€ 

     

     

    Photo by Christin Hume on Unsplash

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