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    5 Minuten mit LUCIE
    KOLUMNE #9 - Tanya aka Lucie Marshall fragt sich, ob früher wirklich alles besser war?

    Wer ist Lucie Marshall?

    Was rettet einen im Alltag mit Kindern? Ganz genau. Der Humor. Aus diesem Grund hat unsere Social Moms Mitgründerin Tanya ihr Alter Ego „Lucie Marshall“ ins Leben gerufen. Da war ihr Sohn knapp 2 Jahre alt ist. In den Kolumnen erzählt Lucie von den kleinen und großen Desastern des Familienalltags, Schlafentzug oder Spielplatzstress – allerdings immer so, dass man einmal durchatmen kann und vor allem herzhaft lachen darf. Entweder über Lucie oder über sich selbst, oder beides, weil sie sich so ähnlich sind.

    Hier geht's zur Audio-Version der Kolumne, gelesen von Autorin Tanya Neufeldt:

    Raffaela hat #nen Moralischen

    „Früher hatten die Kinder immer so dicke gelbe Popel an der Nase hängen!“, sagt meine Freundin Raffaela. Ich stehe im Supermarkt und mein Handy klemmt zwischen Schulter und Ohr. „Wovon redest du?“, frage ich unwirsch, mein Nacken ist verkrampft und meine Einkaufsliste lang.


    „Ich habe mir gerade alte Kindergartenbilder von mir angesehen und auf jedem Bild hat wenigstens ein Kind so ein dickes gelbes Rotzdingsda an der Nase.

     „Das ist ekelig, Raffaela, ich muss jetzt einkaufen!“

    Sie ignoriert meine Antwort: „Mir ist noch etwas aufgefallen. Früher hatten wir richtige Kinderklamotten an. Ausgeleierte Cordhose mit Flicken drauf und dann schlicht und ergreifend ein T-Shirt. Einfach ein T-Shirt! Da war ein Mickey-Mouse-Aufdruck eine Sensation!“

    Ich sehe verstohlen hinüber zu dem Vater, der mit seiner Tochter neben mir an der Käsetheke steht. Die Kleine trägt eine süße pinke Regenjacke mit kleinen Glitzersternchen, darunter einen gestreiften Rock, der aussieht wie der einer Flamencotänzerin, pinke Strumpfhosen mit grünen Punkten und die kleinen Füße stecken in UGG Boots. Sie sieht umwerfend süß aus und ist eindeutig besser gestylt als ich in diesem Moment (Jeans, Chucks und ausgeleiertes T-Shirt).

    „Ich will wieder dicke Popel und Mickey-Mouse-T-Shirts!"

    Ich bin ziemlich sicher, dass ich klamottentechnisch auch nur schwer zu bremsen wäre, wenn ich eine Tochter hätte. Bei Sam hält sich das in Grenzen. Er hat jetzt schon einen differenzierten Kleidungswunsch: „Störwörs T-Shirt, Mama!“ Und außerdem kann man bei Jungs halt auch nicht ganz so gut durchdrehen wie bei Mädchen.

    „Wir rauben unseren Kindern doch ihre Kindheit, wenn wir sie ausstaffieren wie kleine Püppchen“, fährt Raffaela fort. Auweia, sie hat ganz eindeutig einen Moralischen, ich kann sie jetzt nicht abwürgen. Ich stelle die Einkaufstasche hin und nehme das Handy in die Hand: „Raffaela, was ist denn los?“


    „Ach, ich weiß auch nicht“, schnieft sie, „Irgendwie ist es alles so kompliziert geworden. Wenn ich Greta nicht von Anfang an in die richtige Kita stecke, dann verpatze ich vielleicht ihre Zukunft. Wenn sie nicht das Richtige anhat, dann wird sie vielleicht gemobbt. Und sie ist ja schon fast vier und hat sich noch kein Instrument ausgesucht. Ich will wieder dicke Popel und Mickey-Mouse-T-Shirts."

    War früher wirklich alles besser?

    Ich weiß, was sie meint. Aber war früher wirklich alles besser? Oder ist das Gras drüben einfach immer grüner, weil wir es gerade im Hier und Jetzt so anstrengend finden und bloß nichts falsch machen wollen?

    „Raffaella, ich glaube, dass mit den gelben Popeln und den Cordhosen ist so, wie mit unserem letzten Sommerurlaub. Kaum zu Hause, wollte ich wieder zurück. Dass es nachts zu heiß war und die Mücken uns bei lebendigem Leib gegessen haben, habe ich verdrängt. Ist ja auch irgendwie gut, dass wir so funktionieren. Es würde sonst wahrscheinlich nur Einzelkinder geben, wenn wir uns zum Beispiel alle noch in allen Einzelheiten an die Geburt erinnern könnten.“

    Sie steigt nicht so richtig auf meine Theorie ein. Ich versuche es noch mal ganz anders:

    „Vielleicht müssen wir auf eine Südsee-Insel auswandern, wo man nackt rumläuft und seine Kinder selbst unterrichtet“, versuche ich sie aufzumuntern.

    „Nach drei Kindern und vier sportfreien Jahren laufe ich bestimmt nicht nackt in der Südsee rum“, grummelt sie zurück.

    „Hat dein Freund Jesper nicht ein schlaues Buch darüber geschrieben?“ Ich gebe nicht auf sie aufzuheitern.

    „Mach dich nur lustig über mich, Lucie, früher gab es solche Bücher gar nicht und man hatte darum auch kein schlechtes Gewissen, wenn man sie nicht gelesen hat.“

    „Na gut, dafür haben wir aber auch alle jahrelange Therapien und Selbstfindungskurse hinter uns.“ 

    Egal was ich sage, ich krieg sie nicht aus ihrer Stimmung. Und ich habe auch keine richtige Antwort. Habt ihr eine? War es früher einfacher? Und was ist heute besser?

    Freue mich über aufmunternde Worte und leite sie dann auch umgehend an Raffaela weiter.

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