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    5 Minuten mit Lucie
    KOLUMNE #22 – Lucie macht sich Gedanken über die Sache mit den Geschlechterklischees...

    Wer ist Lucie Marshall?

    Was rettet einen im Alltag mit Kindern? Ganz genau. Der Humor. Aus diesem Grund hat unsere Social Moms Mitgründerin Tanya ihr Alter Ego „Lucie Marshall“ ins Leben gerufen. Da war ihr Sohn knapp 2 Jahre alt ist. In den Kolumnen erzählt Lucie von den kleinen und großen Desastern des Familienalltags, Schlafentzug oder Spielplatzstress – allerdings immer so, dass man einmal durchatmen kann und vor allem herzhaft lachen darf. Entweder über Lucie oder über sich selbst, oder beides, weil sie sich so ähnlich sind.

    Hier geht's zur Audio-Version der Kolumne, gelesen von Autorin Tanya Neufeldt:

    Boys & Girls

    Sam ist ein richtiger Junge. Er erfüllt in diesem Bereich tatsächlich alle Klischees. Wenn man ihn morgens um 8 Uhr anzieht, quäckt er „Will Car Shirt“ und entscheidet, dass er dieses sauhässliche T-Shirt mit dem noch hässlicheren Auto drauf anzieht. Wer hat uns das eigentlich geschenkt? Danach will er seine Taschen und Rucksäcke mit Autos und Schwertern vollstopfen und alles in die Kita mitnehmen.

    Sam Stand 3 Jahre alt

    Um 8.15 Uhr sieht er bereits aus wie 19.30 Uhr: Marmelade in den Haaren, Kakao auf der Hose und Dreck unter den Fingernägeln. Wie kann man in der Wohnung Dreck unter die Nägel bekommen? Es ist mir ein Rätsel.

    In Ruhe spielen hat Seltenheitswert, Fußball non stop ist angesagt, wobei es Sam vor allem darum geht, „Foul“ zu brüllen und sich wie ein Stuntman auf den Boden zu werfen. Ob kleiner Zweig oder ein Plastiklöffel, alles ist ein „Swert“ (auch gerne ein „Lishtswert wie Sta was, Mama“), oder eine „Pistolen“.  Kein Klettergerüst ist hoch genug, keine Rutsche zu lang, um sich nicht kopfüber runter zu stürzen, ohne dabei auch nur einen Funken Verstand einzusetzen. Baden heißt, ich muss das Badezimmer danach trocken legen und Badeschaum findet nicht statt, weil Sam die Nase rümpft und „stinky“ sagt. Dabei soll Lavendel doch beruhigen, hat man mir gesagt.

    Was kommt da noch?

    Mir graut davor was er alles anstellen wird, wenn er erst mal älter ist. Ich kriege jedes Mal innerlich Hitzewallungen, wenn die Schlagzeile der BZ wieder titelt: „Marco S. (11 Jahre): Komasaufen wegen Mutprobe“. Was macht man da? Na gut, er ist ja erst knapp drei Jahre alt.

    Wenn ich ihn nicht am Nachmittag noch zwei Stunden wie einen jungen Hund durch den Park jage, dann ist er nicht ausgelastet. Und wenn wir dann abends nach Hause kommen, bin ich völlig im Eimer, aber Sam ist dann eigentlich erst warm gelaufen. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo er diese Energie hernimmt. Meine Nachbarin Martha sagt immer nur: „Der saugt die direkt aus dir raus.“ Wahrscheinlich hat sie recht.

    „Der saugt seine Energie direkt aus dir raus.“

    Meine Freundin Esther hat mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter das volle Kontrastprogramm. Line ist der Inbegriff eines Mädchens. Mittags gehen sie gerne Essen. Line sitzt ganz ruhig am Tisch und beobachtet das Geschehen um sie herum, während sie ihre Misosuppe löffelt.

    Wenn ich mit Sam in dasselbe Restaurant gehe, stürze ich die kochend heiße Misosuppe runter, während er mit den Worten „Ka ma esse, Mama?“ versucht die Fische aus dem Aquarium zu holen. Ein Angler hat ihm mal gezeigt, dass man einem Fisch den Finger in den Mund stecken kann. Seitdem will er das mit jedem Fisch machen.

    Alles hat auch seine Vorteile

    Wenn Esther mit Line einkaufen geht, dann schafft sie es tatsächlich dabei auch Sachen zu erledigen. Ohne dass Line motzt und den Einkaufswagen mit Fruchtzwergen voll packt, weil auf der Packung Ritteraufkleber sind. Line ist ganz lieb und brav und wartet auch geduldig in der Schlange bei der Reinigung. Allerdings hätte ich Angst, sie in der Reinigung zu vergessen. Denn während sie verträumt zuguckt wie die Hemden sich drehen, wäre ich wahrscheinlich schon Gedanken verloren im Auto auf dem Weg nach Hause. Das wiederum würde mir mit Sam garantiert nicht passieren.

    Gestern saß ich mit Esther zusammen und wir sprachen über diese offensichtlichen Unterschiede unserer Kinder, die so klischeebeladen sind, dass einem ja fast schlecht wird. Woher kommt das?

    "Der dänische Familientherapeut Jesper Juul vertritt ja die Meinung, dass man die Kinder zu dem erzieht, was sie sind."

    Der dänische Familientherapeut Jesper Juul vertritt ja die Meinung, dass man die Kinder zu dem erzieht, was sie sind. Oder es ihnen auf jeden Fall vorlebt. Esther findet Jesper Juul großartig. Ich auch, aber irgendwie bin ich nicht so der glühende Anhänger-Typ, außer für den neuen Chanel Nagellack („Le Vernis Vertigo“ OMG! To die for!!). Ratgeber geben mir immer das Gefühl, total versagt zu haben, und dass ich eigentlich sofort mein Leben komplett ändern müsste. Das ist mir zu anstrengend.

    Aber ist es wirklich so, dass Kinder uns einfach nur spiegeln? Oder wir sie auf jeden Fall prägen? Oder bringen sie nicht selber einfach verflucht viel mit? Klar, wenn ich mir die Fingernägel lackiere, dann schreit Sam „ich auch“ und darum läuft er die meiste Zeit mit roten Fuß- und Fingernägeln rum. Ich finde das außerordentlich praktisch, denn da fällt der Dreck unter den Nägel nicht so auf. Dass Sam beim Fußball „TOOORRR“ und „Frankfurt“ brüllt, das hat er ganz klar von seinem Vater. Marc ist glühender Eintracht Frankfurt Fan, da hat sein Sohn tatsächlich keine Wahl.

    Nur, die Pingeligkeit hat Line nicht von Ihrer Mutter. Im Gegenteil. Wenn ihr T-Shirt dreckig ist, dann kommt Line tatsächlich selber an und will sofort ein Neues. Das ist ihr Temperament, das sie mitbringt. Line wischt noch hinter ihrer Mutter her und nervt sie damit bis zum Umfallen. Das sind auch die Momente, in denen Esther sich nicht sicher ist, ob Jesper Juul völlig richtig liegt.

    Wenn ich mir Sam so ansehe, dann habe ich auch das Gefühl, dass er schon ziemlich „fertig“ hier angekommen ist –  und ich ab und zu, sagen wir mal, noch feinjustieren darf. Vielleicht bekommen wir ja ein zweites Kind und das wird dann ein richtiges Mädchen, mit der ich meine Glitter-Glamour-Taschen-Leidenschaft ausleben darf. Ich schiele manchmal schon auf rosa Tee-Sets und denke: „Ach, damit würden wir dann spielen.“ Wahrscheinlicher ist aber, dass es eine richtige Rotznase wird, die sich schon mit zwei Jahren meinen schwarzen Kajal ausleiht und ein Schild an die Tür klebt: „No Pink in this room“. Wie war das noch mit dem Leben und dem Planen?

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