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    Dein Kind im Netz
    Was du über die Verwendung von privaten Fotos deiner Kinder im Internet wissen solltest

    Manche Eltern schließen für sich und ihre Familie völlig aus, die eigenen Kinder im Internet zu zeigen. Andere laden leichtfertig jedes Familienbild auf diversen Social-Media-Plattformen hoch, ohne einen Gedanken an mögliche Konsequenzen zu verschwenden. Dabei ist es wichtig, zumindest grundlegend über bestimmte rechtliche Eckpunkte Bescheid zu wissen, wenn man private Bilder im Internet zeigt. Dr. Lina Boecker, Fachanwältin für Informationstechnologierecht, kennt sich bestens mit Datenschutz- und Medienrecht aus und hat für SOCIAL MOMS eine Guideline zusammengestellt. Sie erklärt uns kurz und verständlich, was wir über Persönlichkeitsrechte bei der Veröffentlichung von Fotos wissen sollten. 

    Wahrscheinlich hast auch du dich damit schon auseinandergesetzt: Ob, wie, und in welchem Umfang kann und darf man Fotos seiner Kinder im Netz veröffentlichen? Das fängt beim WhatsApp-Profilbild an und hört beim Instagram-Feed vermutlich nicht auf. Hier die wichtigsten Aspekte, die sich jeder vor Augen führen sollte, bevor er Bilder von sich oder anderen postet. 

    1.     Darf ich Fotos meiner Kinder online veröffentlichen?

    Grundsätzlich natürlich schon. Es gilt aber ein paar Dinge zu berücksichtigen. Anders, als gemeinhin angenommen wird, gibt es einen Rechtsrahmen für die Veröffentlichung von Fotos, der auch für Kinderfotos gilt. Maßgeblich sind z.B. das vielzitierte „Recht am eigenen Bild“ sowie das Datenschutzrecht und der Jugendschutz (also der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, um rechtlich korrekt zu bleiben). Auch das Urheberrecht spielt eine Rolle, insbesondere dann, wenn es um Bilder geht, die nicht selbst fotografiert wurden. Strafrechtliche Vorschriften, mit deren Hilfe Kinderpornografie bekämpft wird, spielen natürlich auch eine Rolle. Also: nachdenken vor dem Veröffentlichen und überlegen, ob man selbst wollen würde, dass solche Fotos im Netz kursieren (denn dass sie das tun, muss einem bewusst sein).

    2.     Was bedeutet das „Recht am eigenen Bild“ für mein Kind?

    Das Recht am eigenen Bild gehört zum Allgemeinen Persönlichkeitsrecht, das durch das Grundgesetz geschützt wird. Es wird durch das Strafgesetzbuch „unterstützt“. Dort ist nämlich der höchstpersönliche Lebensbereich geschützt, der auch durch die Veröffentlichung von Fotos beeinträchtigt werden kann. Wird er verletzt, kann das eine Straftat sein, die mit hohen Geldstrafen geahndet werden kann. Die Kampagne #DeinKindAuchNicht, die Anfang des Jahres durch die Medien geisterte, hat sich das zum Thema gemacht. Allerdings: Das Recht am eigenen Bild wird bei Kindern in aller Regel vom Erziehungsberechtigten wahrgenommen, der wirksam für das Kind in eine Veröffentlichung einwilligen kann. Das bringt für Eltern ordentlich Verantwortung mit sich, man muss sich nämlich nicht nur fragen, ob die Veröffentlichung im Interesse des Kindes liegt und ob das auch noch in zehn oder 20 Jahren so ist, sondern auch, ob eben der erwähnte höchstpersönliche Lebensbereich betroffen und verletzt ist. Fotos auf dem Töpfchen (oder der Toilette) und bei sonstigen intimen Verrichtungen sollten ein No Go sein. 

    3.     Darf ich allein für mein Kind entscheiden?

    Bis es sieben Jahre alt ist, entscheiden die Erziehungsberechtigten allein (oder halt gemeinsam, wenn es zwei sind) für das Kind. Danach wird eine gemeinsame Entscheidung mit dem Kind getroffen (so sieht es das Gesetz zumindest vor). Ich rate, sobald das Kind einen eigenen Willen beim Fotografieren entwickelt, Kinder in die Veröffentlichung einzubeziehen. Ich erzähle meiner vierjährigen Tochter, wenn ich ein Bild von ihr poste (oder es Freunden zeige) und sie darf Nein sagen.

    4.     Und was kann passieren?

    Kurz: alles, was denkbar ist. Die Möglichkeiten reichen von der Zweckentfremdung (durch Screenshots können von nahezu jedem Medium Bilder sehr einfach kopiert werden und zum Beispiel für Werbung verwendet werden) über Cybermobbing (durch andere Kinder oder auch Erwachsene) bis hin zur schnöden Verletzung von Rechten Dritter (wenn zum Beispiel jemand anderes fotografiert oder ein anderes Kind auf dem Bild zu sehen ist) – all das ist möglich. Die ganze Litanei der Sexualstraftaten und -belästigungen natürlich ebenfalls. Daher gilt: Je weniger vom Kind erkennbar ist, desto besser. Nackt- oder Halbnacktfotos und andere Fotos in für das Kind kompromittierenden Situationen sollten tabu sein. Ich vermeide es, erkennbare Gesichter zu posten. Man sollte immer im Hinterkopf haben, dass auch gelöschte Bilder nicht notwendigerweise „aus der Welt“ sind, und auch Privatsphäreeinstellungen auf sozialen Medien kein Allheilmittel sind, weil die Bilder weiterhin auf dem Server liegen und Server nunmal gehackt werden können. 

    5.     Was kann ich tun?

    Einige Eltern entscheiden sich aus den genannten Gründen ganz gegen das Posten von Kinderfotos. Das ist sicherlich der „sauberste“ Weg. Aus meiner Sicht muss das nicht sein, wenn die vorstehenden Punkte beachtet werden und die Interessen des Kindes hinreichend berücksichtigt werden. Ich poste Bilder meiner Kinder, aber nur von hinten oder sonst unkenntlich gemacht, vor allem, um Missbrauch zu vermeiden. Dazu gehört es auch, dem Kind Mitspracherechte einzuräumen, sparsam mit seiner Individualität umzugehen und sich Gedanken über die Privatsphäreeinstellungen des jeweiligen Dienstes zu machen. Fotos, auf denen Kinder identifizierbar sind, sollten nicht mit Standortdaten, Vornamen etc. kombiniert werden (also nicht: „Klein-Anna am Strand von Sylt, unser Hotel, in dem wir noch bis Sonntag sind, gleich dahinter“ als Caption).

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