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    Mütter aus Deutschland
    Eine Einladung zum Perspektivwechsel mit Fatima El Hassan: „Man bekommt immer was zurück. Vielleicht auch von ganz woanders."

    Was brauchst du? Was tut dir gut? So einfach diese Fragen auch klingen, so einfach sind sie manchmal gar nicht zu beantworten, wenn es um unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit geht, aber dennoch so wichtig. Welche Bedürfnisse wir haben, können nur wir selber wissen. Denn so wie wir selbst, sind auch diese bei jedem anders. 

    Wir wollen euch unterschiedliche Mütter und ihre Geschichten (und ihre Geschichten hinter den Geschichten) vorstellen. Verschiedene Lebenskonzepte und Blickwinkel eröffnen. Denn wie so oft im Leben, reicht schon ein kleiner Perspektivwechsel, damit sich neue Wege aufzeigen. Um besser zu verstehen, was man selber braucht oder auch um das eigene Mind-Set einfach zu erweitern und offener durch's Leben zu gehen. Denn zu begreifen, wie unterschiedliche wir alle sind, lässt uns nicht nur den Wert jedes Einzelnen individuell besser erkennen und anerkennen, sondern vielleicht auch so leichter bei sich selbst und anderen zu akzeptieren, wenn man etwas anders macht. Denn klar ist: 

    Fatima El Hassan – Die Selbstbestimmte

    "Mein Sohn malte neulich ein Bild von unserer Familie, auf dem ich in der Küche stand und ich dachte: ‚Wie kommt er denn darauf? Mein Mann kocht doch genauso oft wie ich.‘ Aber diese Prägung findet nicht nur zuhause statt, sondern beispielsweise auch im Supermarkt, wo auf den Produkten Frauen in der Küche abgebildet sind."

    Gleichberechtigte Erziehung & Engagement

    Fatima wurde in Deutschland geboren, ein Jahr nach der Flucht der Eltern aus dem Libanon. Als sie 12 Jahre alt ist, trennen sich ihre Eltern. „Das war hart für meine Mutter – alleinerziehend mit drei Kindern in der Pubertät, aus einer Kultur kommend, in der man sich nicht trennt, und dann noch in einem fremden Land.“ Ihre Mutter achtet vor allem darauf, dass sie Fatima und ihre beiden Brüder nach den gleichen Prinzipien großzieht. „Meine Mutter wollte nicht, dass ich auf Klassenfahrt gehe. Sie hatte Angst um mich. Das ist ziemlich typisch für arabische Familien. Aber mein großer Bruder durfte dann auch nicht auf mit. Wenn ich um acht Uhr zuhause sein musste, dann galt das auch für ihn.“

    In der Schule ist Fatima Klassen- und Schulsprecherin, außerdem auch noch Mitglied des Kinder- und Jugendparlaments. Zusätzlich engagiert sie sich ehrenamtlich, gibt Kindern mit Lernschwäche Nachhilfeunterricht. Mit 18 heiratet sie ihren Mann. Eigentlich wollte ich auf keinen Fall vor 30 heiraten. Aber dann habe ich mich eben verliebt.“

    Gründung einer Familie und Studium mit Stipendium

    Ihre Mutter erlaubt die Ehe, besteht aber darauf, dass sie mit dem Kinderbekommen wartet, bis sie ihre Schule abgeschlossen hat. Nur wenige Wochen vor der letzten Abiturprüfung wird sie schwanger.

    Als ihr Sohn zehn Monate alt ist, bewirbt sie sich für den Studiengang Informatik und Wirtschaft und wird angenommen und erhält aufgrund ihres Engagements ein Stipendium. „Es gibt für dieses Fach extra Frauen-Studiengänge, um mehr Frauen in diese Männerdomäne zu locken.“ Ihren Sohn nimmt sie entweder mit in die Uni oder die Schwiegermutter und ihr Mann kümmern sich um ihn. Mit knapp einem Jahr kommt ihr Sohn zu der Tagesmutter, von der auch sie vor 20 Jahren betreut wurde.

    „Beruflich hätte ich nicht soweit kommen können, wenn mein Mann und ich die Kinderbetreuung nicht so gut aufteilen würden.“

    Sie bleiben in der Stadt, obwohl ihr Mann seinen Beruf als Flugzeugingenieur dort nicht ausüben kann – wegen ihrer Familien, die um die Ecke wohnen. Außerdem steckt Fatima mitten im Bachelor.

    Softwareentwicklerin und Hochschulbotschafterin

    Mittlerweile hat sie zwei Söhne und sitzt an ihrem Master. Ihre Referatsleiterin, ebenfalls Mutter von zwei Kindern, hat ihr dafür zwei zusätzliche Semester genehmigt. Nebenbei ist Fatima Werkstudentin bei einem großen Automobilhersteller in der Softwareentwicklung.

    „Ich bin auch Hochschulbotschafterin, das heißt, wir sollen das Unternehmen an der Hochschule präsenter machen. Mittlerweile gehe ich ganz gezielt auf Frauen zu, weil wir eine Unternehmensstruktur haben, die Arbeit und Familie zulässt. Wenn mein Kind krank ist, dann kann ich mich von zuhause ins Netzwerk einwählen.“

    Fatima hätte gerne noch mehr Kinder. „Am liebsten vier. Es ist so schade, dass man dann so schnell als asozial abgestempelt wird. Oder als zu dumm zum Verhüten.“

    Wertschätzung und Arbeit stehen manchmal im Widerspruch.

    Manchmal sitzt sie mit Freundinnen zusammen, die sich entschieden haben, sich ganz der Familie zu widmen. „Es ist mir unangenehm, wenn es dann heißt: ‚Wow, wie du das alles schaffst.‘ Es ist ja mein eigener Wunsch, aber sie leisten unter Umständen viel wertvollere und stressigere Arbeit, wenn sie mit den Kindern zuhause bleiben. Es ist schon verrückt. Man bekommt so viel mehr Wertschätzung, wenn man arbeitet als wenn man ‚nur‘ Mutter ist.“

    „Die Vorstellung von einem guten Leben ist hier an das Materielle geknüpft. Nicht an das Miteinander.“

    Mehr Zusammenhalt unter Frauen wünscht sich Fatima. „Im Libanon machen die Frauen viel mehr füreinander. Hier heißt es oft: Was bekomme ich dafür? Das hilft der Gesellschaft nicht und ist sehr egoistisch. Denn man bekommt ja immer was zurück. Vielleicht auch von ganz woanders.“

    Träume verfolgen und nicht aufgeben

    Ihre Mutter war 21, als sie Fatima bekam. „Sie musste nach der Flucht nochmal von vorne anfangen, weil ihre Universitätsunterlagen aus dem Libanon nicht anerkannt wurden. Ihr Traum war immer, Erzieherin zu werden.“ Nach vielen Umwegen, harter Arbeit und Kämpfen mit dem Senat schafft sie es. Mit 46 Jahren kann sie endlich ihre Ausbildung als Erzieherin abschließen. „Meine Mutter ist mein Vorbild. Sie ist ihrem Traum gefolgt und hat ihn nie aufgegeben.“

     

    Fatima El Hassan: Berlin, *1991, verheiratet, 2 Söhne ( *2011, *2014), Studentin, Libanesische Wurzeln, 2. Platz beim Women’s Awards 2020 und demnächst bei uns im Podcast!

    „Mütter aus Deutschland“ – Das Buch

    Es gibt so viele unterschiedliche Mütter: junge Mütter, alte Mütter, reiche Mütter, arme Mütter, Vielfachmütter, glückliche Mütter, berufstätige, arbeitslose, gelassene, optimistische, frustrierte, kranke, abenteuerlustige, kämpferische, zwiegespaltene, enttäuschte, erfüllte, alleinerziehende … einfach unendlich viele Mütter. Alle verbindet eins: Das Muttersein.

    Auf der Suche nach persönlichen Geschichten reiste unsere Co- Founderin & Autorin Tanya Neufeldt mit dem Fotografen Mujo Kazmi quer durch Deutschland. Entstanden sind einzigartige Geschichten von großartigen Frauen für eine Zukunft voller Zuversicht.

    Die Erlöse aus dem Buchverkauf kommen Care Forward zugute, einem Programm für geflüchtete Frauen, das Care.com 2017 gemeinsam mit International Rescue Committee (IRC) ins Leben gerufen hat. Im Rahmen dessen besuchen Frauen im Alter von 16-69 Jahren Berufsorientierungskurse mit dem Ziel, sich anschließend zur Altenpflegerin, Erzieherin oder Krankenschwester ausbilden zu lassen, in der Kinderbetreuung oder als Haushaltshilfe zu arbeiten. Bereiche, für die in Deutschland dringend Fachkräfte gesucht werden. Die Kursteilnahme ist für die Frauen kostenlos.

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    Photo: Mujo Kazmi

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