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    FRAG MAL MONA
    „Mein Sohn (6) räumt sein Zimmer nicht auf. Ich rede gegen eine Wand. Was kann ich tun?"

    Die Familientherapeutin Mona Kino beantwortet eure Fragen und berichtet aus ihrer Perspektive. Es sind keine Lösungen im herkömmlichen Sinn (denn die eine Lösung gibt es nicht), vielmehr Anleitungen und Ideen dafür, den individuellen Lösungen in sich auf die Spur zu kommen.

    „Mein Sohn (6) räumt sein Zimmer nicht auf. Ich rede gegen eine Wand. Was kann ich tun?“ – fragt Silje

    Liebe Silje.

    Es ist sein Zimmer. Also sollte er in seinem Zimmer darüber bestimmen dürfen, wie es dort aussieht. Alles andere ist paradox. Oder stell dir einmal vor, jemand kommt auf der Straße auf dich zu und sagt: „Räum dein Auto auf.“

    Du kannst ihn in etwa so darauf aufmerksam machen: „Denkst du nicht, dass du deine Sachen besser findest, wenn du sie an ihren Platz räumst?“ Und ihm dann die Entscheidung überlassen. Kinder reagieren je nach Altersstufe zeitverzögert. Ich rate dir allerdings, dir vorher zu überlegen, was du die nächste Viertelstunde machst, außer auf ihn zu warten (denn die kann sonst zu Stunden werden). Manchmal ist es so, dass Kinder dann einfach anfangen aufzuräumen, weil sie genügend Zeit dazu hatten, über die gestellte Frage in ihrem Tempo nachzudenken.

     

    Ein NEIN im eigenen Zimmer sollte aber genauso gut sein wie ein JA. Das eigene Zimmer markiert einen erweiterten Raum unserer Persönlichkeit. Wird daran herumgemeckert und herumerzogen, fühlen sich unsere Kinder für ihr Wesen kritisiert. Und falsch. Und empfinden das als Verletzung und Überschreitung ihrer Grenzen. „Wenn meine Mutter so verärgert ist, werde ich das wohl nie lernen und das Leben vor mir ist ja noch sehr, sehr lang.“

    Dein Sohn weiß, wie eine ordentliche Wohnung aussieht. Das lernt er von dir, seit er auf der Welt ist. Zumindest gehe ich davon aus. Deshalb: Es ist aus meiner Sicht nichts für die Zukunft vertan, wenn er eine Zeit lang nicht aufräumt. Die meisten Kinder entwickeln ihre Ordentlichkeit leichter, je weniger wir diese kommentieren oder ihre ‚Leistungen‘ dann durch Lob oder Tadel manipulieren.

    Du kannst ihm auch anbieten, ihm dabei zu helfen. Denn wenn es sehr chaotisch aussieht, kann es sein, dass es ihn überfordert, es so schön ordentlich hinzubekommen, wie du es machst.

    Bei der Tochter einer Freundin sah das Zimmer der damals Achtjährigen ein Jahr lang aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Dann, mit einem Mal begann sie alles an seinen Platz zu stellen und ihr Bett neu zu beziehen. Was war geschehen? Das Mädchen war in ihrer Entwicklung in diesem Jahr mit etwas anderem beschäftigt. In ihrer Klasse gab es ein Kind, das sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zog und von allen anderen eben sehr viel Rücksichtnahme einforderte, sodass sie keine Energie mehr hatte, sich um die Ordnung in den eigenen vier Wänden zu kümmern. Als sich die Situation in der Klasse verbessert hatte, hatte sie wieder genug ‚Zeit‘ aufzuräumen.

    Bei einem anderen Kind war das unaufgeräumte Zimmer ein Spiegel dessen, wie es die Stimmung zwischen den streitenden Eltern empfand. Und wofür es (noch) keine Worte hatte. Denn die Sprache entwickelt sich bei Kindern ja erst. Kinder kooperieren mit uns. Immer. In diesem Fall nur umgekehrt. Statt ‚brav‘ aufzuräumen, um die Eltern zu schonen, demonstrierte sein Zimmer ihnen, wie er die Atmosphäre in der Familie fand. Ein Schlachtfeld sozusagen. Ein sehr kluger und weiser Junge. Wenn man als Eltern genau hinhört und hinsieht.

    Nimm dir Zeit, einmal in dich zu gehen und zu überlegen, was für dich so schlimm oder schwierig ist, der Unordnung in seinem Zimmer zu begegnen.

    Häufig treffen wir auch auf alte Glaubenssätze, wie „So wie es im Außen ausschaut, sieht es im Innen aus“. Das mag schon richtig sein, aber aus meiner Erfahrung gibt es nicht den „einen Grund“ und auch nicht die „eine Methode“ oder „die Lösung“, mit der wir im Laufe von mindestens 18 Jahren Zusammenleben dem Thema unordentliches Zimmer aus dem Weg gehen können. Oder es austricksen.

    Neulich las ich wieder einmal in einen Bericht, dass ein unordentlicher Schreibtisch Ausdruck von Kreativität ist. Denn derjenige, der sich in dem Chaos auf dem Schreibtisch auskennt, verfügt über die Fähigkeit, lose Fäden zusammenzuführen, die andere nicht sehen können.

    Und:

    Ist nicht für jeden Ordnung etwas anderes? Frag mal deinen Mann, deine Mutter, deinen Vater, deine Freundin und auch deinen Sohn, was für sie oder ihn Ordnung bedeutet. Warst du selbst als Kind immer ordentlich, welche Sätze hast du dazu gehört? Gibst du diese vielleicht nur einfach weiter? Was denkst du heute dazu?

    Ich bin mir sicher, du wirst auf viele unterschiedliche Aspekte treffen, die sich hier und da mal überschneiden, aber im Wesentlichen doch recht unterschiedlich sind.

    Wenn es um Gemeinschaftsräume geht, wie Küche und Bad, wird dir dein Sohn mit Sicherheit beim Aufräumen helfen, wenn du ihm ganz klar sagst, was du von ihm erwartest und ein überschaubares Zeitfenster nennst, in dem er das ausführen soll.

    Herzlich, Mona

    VON MONA FÜR DICH

    Familie werden ist nicht schwer, Familie sein hingegen an manchen Tagen sehr.

    Die Fragen, die du manchmal hast, scheinen einerseits zu simpel, um sie jemandem zu stellen, und andererseits dann doch zu komplex zu sein, um sie allein zu bewältigen.
    Aus diesem Grund ist FRAG MAL MONA frei nach dem Motto der Sesamstraße entstanden: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

    Schick Mona deine Fragen an: redaktion@mother-now.de

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    Mona Kino ist Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin. Seit 2014 praktiziert sie TrainingEmpathy. Sie ist Trainerin, Supervisorin und Referentin für Teambuilding in der Erwachsenenbildung. Ihr Ziel ist, den Menschen ein stärkeres Selbstgefühl für ihre persönlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie jederzeit klare und für sie stimmige Entscheidungen im Miteinander treffen können. Sie ist Mutter von zwei Jugendlichen und schreibt, neben Drehbüchern, Artikel zum Thema Beziehungskompetenz und Empathie in Schule, Familie und Gesellschaft. www.monakino.de

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