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    FRAG MAL MONA
    „Wie kann ich uns Eltern Freiräume schaffen, die meine Kinder verstehen und akzeptieren, ohne dass es sich so anfühlt, als wäre ich egoistisch?"

    Die Familientherapeutin Mona Kino beantwortet eure Fragen und berichtet aus ihrer Perspektive. Es sind keine Lösungen im herkömmlichen Sinn (denn die eine Lösung gibt es nicht), vielmehr Anleitungen und Ideen dafür, den individuellen Lösungen in sich auf die Spur zu kommen.

    „Wie können wir uns als Eltern besser von unseren Kindern abgrenzen und ihnen klar machen, dass auch wir mal eine Pause brauchen?“

    Liebe Mona,

     

    Mein Mann und ich sind immer für unsere Familie da (Sohn 7 + Tochter 5) und stecken seit Jahren als Paar zurück. Mittlerweile merke ich immer stärker, dass ich an meine Grenzen komme und mir diese Einstellung nicht mehr gut tut. Natürlich will ich immer für meine Kinder da sein, aber ich brauche irgendwie auch wieder Raum für mich und meine Partnerschaft. Es fällt mir aber so schwer, diese Grenze zu ziehen. Wenn ich dann mal STOPP sage, kommen unsere Kinder trotzdem noch 10 Mal gelaufen und wollen wieder etwas von mir. Wie kann ich uns Freiräume schaffen, die meine Kinder verstehen und akzeptieren, ohne dass es sich so anfühlt, als wäre ich egoistisch?

     

    Deine Maren

    Liebe Maren,

    Der Punkt an dem ihr seid, ist einer, an den jede Familie kommt. Ich denke, alle Eltern würden von sich behaupten, dass sie immer für ihre Familie da sein wollen. Es sind ja die liebsten Menschen, mit denen wir da zusammenwohnen. Zumindest gehe ich davon aus, dass das bei euch so ist. Du kannst dir das in etwa so vorstellen, dass in unregelmäßigen Abständen ein Nadelöhr kommt. Und eine*r von euch Elternteilen muss als Erstes durch.

    Immer, wie Du schreibst, geht nicht. Wir brauchen Zeit für uns. Für Rückzug, Reflexion, Pläneschmieden, Entspannung, etc. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun. Sondern mit Liebe und Fürsorge. Erstmal für sich selbst und daraus resultierend dann auch für andere. 

    Ich höre, dir fehlt Zeit für dich und auch Zeit für euch als Paar. Und du denkst, du bist nicht gut genug als Mutter, wenn du deinen Kindern dann mal STOPP sagst:

    „Ich mag jetzt lieber Zeit mit eurem Vater – oder mit mir allein – verbringen.”

    Wenn Kinder dieses Stopp nicht hören, dann hat das häufig damit zu tun, dass die Erwachsenen sich nicht sicher sind, ob das was sie tun, das Richtige ist. Und so lese ich das ja bei dir, du findest es zwar richtig, Zeit für dich zu haben und für euch als Paar,  aber auf der emotionalen Ebene bist du hin- und hergerissen, ob du dann schon eine schlechte Mutter bist oder doch schon eine gute Egoistin. Dieses „Nein und Stopp Sagen”, ist dann quasi wie ein Spiel, und was lieben Kinder mehr als zu spielen???

    Ich kenne eine Familie, in der es die Eltern mit diesem Spiel hier versuchten. Sie kannten den Anti-Mobbing Song, den ihre Kinder im Kindergarten gelernt hatten, und sangen ihn abgewandelt vor:  “Halt. Stopp, ich fühle mich gemobbt. Lass das sein, das ist gemein. Stopp, heißt Stopp.”  Dabei wurde getanzt und viel gelacht. Und nach ein paar Wochen, waren nur noch einzelne Wörter, die Stopp Hand oder nur das Summen der Melodie nötig, um klar zu machen: Jetzt ist es ernst!

    Kinder haben dafür einen Riecher, oder besser gesagt, noch die feinen Antennen, die wir früher auch hatten. Wenn es uns nicht gut geht, dann wollen sie bei uns sein- und sonst nirgendwo. Und wenn du dir auf emotionaler Ebene nicht sicher bist, geht es dir nicht gut. Kinder wollen aber gerne eine 1plus mit Sternchen bekommen und zeigen uns das dann mit den Worten und Handlungen, die ihnen für ihr Alter und ihren Entwicklungsstand zur Verfügung stehen. Natürlich wäre es viel leichter und einfacher, euer Siebenjähriger und und eure Fünfjährige würden sich zu euch an den Abendbrottisch setzen und sagen: “Hört mal, liebe Eltern, verstehen wir total, dass ihr keinen Bock mehr habt, abends mit uns bis in die Puppen Lego zu spielen, uns vorzulesen und uns wie kleine Kinder zu behandeln. Es ist ja auch jetzt auch schon sieben Jahre her, dass ihr euch keine Zeit für euch genommen habt. Also macht mal ne Pause. Wir beschäftigen uns schon selbst.” Aber dann wären nicht sie die Kinder in der Familie, sondern ihr. Der Preis, den sie dafür zahlen würden, heißt: Überverantwortung. Die sich irgendwann in anderen Symptomen Ausdruck verschafft. Meist in Aggressionen oder Rückzug.

     

    Wenn ihr keine Lust auf Tanzen und Schüttelreime habt, versucht es einmal so: Setzt euch zusammen mit euren Kindern an den Tisch und sagt: “Wir haben es in die letzten Jahre sehr genossen, immer für euch da zu sein. Aber jetzt wissen wir, dass das nicht geht. Wir sind völlig ausgepowert und wenn wir ausgepowert sind, dann werden wir nur garstig zu euch und auch zu uns. Und das wollen wir nicht. Deshalb werden wir ab jetzt einen Abend die Woche ab 20:00 nicht mehr zur Verfügung stehen.” (Oder was auch immer ihr euch überlegt habt. Denn mir scheint, dass eure Wünsche noch etwas diffus sind.)

    Und was tun, wenn sie dann doch kommen?

    Statt sie anzufahren: “GRRR. Wie oft sollen wir euch das denn noch sagen?!”  – könnt ihr ihnen folgendes entgegen: “Danke, dass ihr vorbeikommt, um zu gucken, ob wir es ernst meinen. Ja, das tun wir 😉 – Gute Nacht, ihr Engel.” 

    Auch wenn eure Rabeneltern-Stimmen dann flüstern: “Egoisten.” (Und das werden sie!!) und ihr am liebsten genervt sagen würdet. “Na gut, ich komme.” 

    Aber: “Na gut, ich komme” ist kein echtes “Ja”. Sondern ein verstecktes “Nein”, das dem anderen die Verantwortung überträgt, es herauszuhören. So komplex können Kinder nicht denken und das ist auch nicht ihr Job. 

    Der amerikanische Psychotherapeut und Autor Irvin Yalom sagte es mal so:

    „Freiheit ist nicht, das zu tun, was man will, sondern zu wollen, was man tut.“

    Sich für andere aufzuopfern, wird in unserer Gesellschaft positiv bewertet. Und Egoismus negativ. Altruismus und Egoismus sind beides Anteile unseres menschlichen Daseins. Die Frage ist, wie sehr wir sie ausleben. Machen wir nur das, was wir wollen, und müssen andere sich dem ohne Einwand unterordnen, ist das nicht so gut. Und stellen wir den Egoismus die ganze Zeit vor die Tür, um ja nur gut genug für andere zu sein, dann ist das auch nicht so gut. Beim einen kommt dann irgendwann das Thema Einsamkeit auf leisen Socken an den Familientisch und beim anderen Burnout und Wut. Herauszufinden, wie sehr wir in die eine oder andere Richtung wieder ins Lot geraten, benötigt Ruhe und Zeit. Jeder Tag hat 24 Stunden. Die müssen wir uns nehmen. Die gibt uns keiner.  Schon gar nicht unsere Kinder.

    Alles Liebe für euch und viele wunderbare Abend alleine, zu zweit und natürlich auch zu viert!!

    Eure Mona

    PS. Ein herzliches Dankeschön noch an eure Kinder, dass sie unbeirrbar immer wieder angekommen sind, so dass du dir bei deiner Frage Unterstützung holst. Ob nun hier bei mir – oder bei jemand anderem. Was mich kurz noch zu diesem Nebenstrang veranlasst. Es ist so gut und wichtig, sich mit seinen Fragen rauszuwagen. Die meisten Eltern denken immer noch viel zu lange, dass sie das alles schon alleine schaffen. Und das Kinder seit 200.000 Jahren auch ohne besondere Vorbereitung groß geworden sind. Das stimmt zwar. Aber würden wir auch Autofahren oder Schwimmen lernen, ohne vorher jemanden um Anleitung zu fragen, der sich damit auskennt??? Um in irgendeinem Beruf zu arbeiten, bilden wir uns über viele Jahre aus und machen dann im Laufe der Zeit ganz selbstverständlich in den Bereichen eine Weiter- oder Fortbildung, wo es uns gerade sinnvoll erscheint.  Und im Elternsein? Da wollen wir am allerliebsten einfach so(Welt-)Meister sein, weil das “natürlich” ist.

    VON MONA FÜR DICH

    Familie werden ist nicht schwer, Familie sein hingegen an manchen Tagen sehr.

    Die Fragen, die du manchmal hast, scheinen einerseits zu simpel, um sie jemandem zu stellen, und andererseits dann doch zu komplex zu sein, um sie allein zu bewältigen.
    Aus diesem Grund ist FRAG MAL MONA frei nach dem Motto der Sesamstraße entstanden: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

    Schick Mona deine Fragen an: redaktion@mother-now.de

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    Mona Kino ist Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin. Seit 2014 praktiziert sie TrainingEmpathy. Sie ist Trainerin, Supervisorin und Referentin für Teambuilding in der Erwachsenenbildung. Ihr Ziel ist, den Menschen ein stärkeres Selbstgefühl für ihre persönlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie jederzeit klare und für sie stimmige Entscheidungen im Miteinander treffen können. Sie ist Mutter von zwei Jugendlichen und schreibt, neben Drehbüchern, Artikel zum Thema Beziehungskompetenz und Empathie in Schule, Familie und Gesellschaft. www.monakino.de

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