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    PAPA ON BOARD
    Kolumne - Henric fühlt sich als Vater in Elternzeit unsichtbar. Warum wird er eigentlich als Zielgruppe für Baby-Werbung komplett ignoriert?

    Die Mutter bleibt zu Hause, der Vater bleibt zu Hause, beide bleiben zu Hause oder sie teilen sich die Elternzeit. Mittlerweile gibt es alle Versionen. Und das ist gut so.

    Der frischgebackene Papa Henric Uherek hat sich 12 Monate Elternzeit genommen und währenddessen mit frischen Augen auf die neue Herausforderung geblickt. Auf alte und neue Rollenbilder, auf eine Gesellschaft, die im Wandel ist (und manchmal auch nicht), aber auch auf Phänomene, die ihn zum Schmunzeln, Staunen und Verzweifeln bringen. Heute stellt er sich folgende Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist, wie gedacht.

    Warum bin ich als Vater von Baby-Werbung nicht betroffen und warum freut und ärgert mich das zugleich?” 

    Als wir erfahren haben, dass wir ein Kind erwarten, stand für meine Frau und mich recht schnell fest, dass ich die Betreuung von Mathilda im ersten Lebensjahr übernehme. Ich mache das nicht, weil ich der geborene Erzieher wäre, sondern weil es für uns beide klar ist, dass die vermeintliche Selbstverständlichkeit, dass die Frau zu Hause bleibt, nicht gilt. Wir wollten eine Entscheidung treffen, die sowohl für das Kind als auch für uns am besten geeignet ist. Unser neuer Alltag hält in dieser doch noch gesellschaftlich ungewohnten Konstellation einige Überraschungen bereit, die ich versuche ohne Rollenklischees zu meistern.

     

    Wie gerade diese Woche. Wer kennt es nicht? Ich surfe im Internet, klicke versehentlich auf eine Anzeige, lande auf einer für mich nicht interessanten Website, drücke sofort den „zurück“-Button, aber es ist schon geschehen. Ein Cookie ist gesetzt und ab sofort werde ich von ein- und demselben Werbebanner dieser Website verfolgt. Natürlich hab ich keinen Ad-Blocker installiert, weil ich ansonsten nicht mehr auf meine Lieblings-Nachrichtenseite komme. Oder weil ich auch oft Wichtigeres zu tun habe, als die neueste Extension zu recherchieren oder Cookies zu löschen. Natürlich lasse ich auch Werbung passieren, weil ich die Seiten unterstützen möchte, auf denen die Werbung steht, klar. Ärgerlich ist bestimmte Werbung aber trotzdem, besonders, wenn sie wie Kaugummi am Schuh klebt.

     

    Nach ein paar Tagen hat sich der Spuk meist gegeben, wenn es nicht zu einem Kauf oder einem erneuten Besuch der Website kommt.

     

    Natürlich, wenn das Profil passt und die Anzeige mich anspricht, dann habe auch ich schon gekauft. Die flachen Lederschuhe für den Sommer, die prima ins Handgepäck passen? Klasse, gekauft. Das superleichte 1-Personen-Zelt für die Wanderung? In den Warenkorb damit. Manchmal ist die Werbung auch so gut, dass ich mir das Klicken regelrecht verkneifen muss.

     

    Eine beliebte andere Methode, um mir personalisierte Werbung einzublenden, ist das Abgreifen von Interessen aus meinem Verhalten auf Social-Media-Seiten. Ich like einen Post oder ein Bild und schon analysiert der Algorithmus, wie meine aktuelle Befindlichkeit ist. Brauche ich ganz dringend Urlaub, weil ich einen Urlaubspost eines Freundes anklicke? Schon gibt es Anzeigen für Sonnenziele.

     

    Schaue ich ein Youtube-Video vom Iron Man auf Hawaii? Schon gibt es Anzeigen für Fitness-Kurse. Manchmal clever, manchmal eher nicht. Aber die Systeme werden immer raffinierter und oft habe ich den Eindruck, dass ich doch gerade erst vor ein paar Tagen mit Freunden über ein Thema beim Bier gesprochen habe, und schon sehe ich heute dafür Werbung. Hand hoch, wer das kennt?

    Was anscheinend aber den Algorithmus überhaupt nicht interessiert ist, dass ich Vater werde oder Vater bin.

    Da gebe ich mir vor der Geburt extra Mühe, um nach dem Kinderwagen im anonymen Modus des Browsers zu recherchieren. Logge mich extra nicht ein, kaufe möglichst nichts für das Baby im Internet, weil ich denke, dass ich ansonsten mit Werbung bombardiert werde… um dann irgendwann doch die ersten Dinge zu bestellen oder aus Versehen mal nicht anonym nach Hebammen zu googeln.

    Doch nichts passiert.

    Komisch, denke ich, wieso bekomme ich denn keine Anzeigen von Baby-Walz, Philips Avent, Marsupi und Co.?

    Ich denke erst einmal, dass das wohl noch kommt – dauert ja auch immer etwas, bis Systeme sich darauf einstellen. Aber nichts. Weiterhin Werbung für Urlaub und Fitness und die tollen flachen Sommerschuhe, die ich längst gekauft habe. Ok, gibt Schlimmeres, denke ich.

     

    Als nach der Geburt und nach etlichen Online-Käufen immer noch nichts an Baby-Werbung kommt, werde ich stutzig.

    Kann es sein, dass es an mir liegt? Eventuell daran, dass ich ein Mann bin? Ich schaue in den Google-Werbeeinstellungen nach. Praktischerweise klebt an den Google-Anzeigen ein kleines blaues „i“, hinter dem man mit wenigen Klicks das Profil findet, das Google über mich angelegt hat. Man findet es übrigens auch unter adssettings.google.com  

    Sehr interessant, Google kennt mein Alter, mein Land, so weit so gut. Ich mache daraus auch nicht unbedingt ein Staatsgeheimnis. Aber die Liste der Interessen, die ich (angeblich) habe, ist lang. Sicher, mit ein bisschen Nachdenken komme ich bei „Hiking and Camping“ darauf, warum das hier steht. Aber schleierhaft ist, warum ich mich angeblich für „BMW“ interessieren soll. Ich habe als Großstädter kein Auto und plane nicht, eines zu kaufen, geschweige denn einen BMW.

     

    Fakt ist, dass dort ebenfalls vermerkt ist, dass ich ein Mann bin. Und augenscheinlich ist es so, dass ich als Mann keine Werbung für Baby-Ausstattung bekomme. 

     

    Beziehungsweise, dass Werbekunden bei der Werbebuchung Männer ausschließen. Skurril oder?

    Ich habe mich darüber anfangs geärgert, weil es sich falsch und ungerecht anfühlt. Danach habe ich mich und Google aber herausgefordert: Bekomme ich die Werbeindustrie davon überzeugt, dass es sich lohnt, mich für bestimmte Baby-Tragesysteme zu begeistern? Oder für eine Babyschale vielleicht? Die würde ja sogar in meinen nicht-vorhandenen BMW passen. Um mich sichtbarer für Werbung zu machen, habe ich auf Facebook kurzerhand auf eine „Väter-Gruppe“ geklickt… uff, großer Fehler, lieber nicht, bin nach kurzer Zeit wieder ausgetreten. Auch sonst war ich weiterhin sehr aktiv mit meinen Google-Suchen und Einkäufen. Aber weiterhin nichts.

     

    Ich habe dann in meinen Google-Einstellungen mein Geschlecht gelöscht. Und siehe da: Ich kann den Algorithmus aus dem Konzept bringen. Augenscheinlich sind bestimmte Themen schwerpunktmäßig weiterhin einem Geschlecht zugeordnet, da ich aber plötzlich geschlechtslos war, muss Google raten und ich bekomme plötzlich bei der Test-Eingabe von „Kleidung“ Damenkleidung vorgeschlagen.

     

    Aber würde ich auch Baby-Produkte in der Werbung angezeigt bekommen?

     

    In der Tat, es klappt. Sukzessive tauchen vereinzelt Werbebanner und Anzeigen zum Thema auf. Auch in meinen Einstellungen bei Google ist „Parenting“ jetzt ein Thema. Aber bombardiert werde ich immer noch nicht, bin mit meinen anderen Interessen bei Google noch zu männlich.

     

    Ich habe nur diesen, zugegebenermaßen nicht wissenschaftlich fundierten, Test gemacht, um festzustellen, dass die Werbeindustrie möglicherweise zielgerichtete Werbung nutzt, um möglichst passgenau ihre angenommene Zielgruppe für Babyprodukte zu erreichen, und dass ein hartes Kriterium dafür wohl das Geschlecht ist. Und da werden wohl Männer weniger beworben. Schade eigentlich für die Emanzipation.

     

    Aber ich fand es gleichzeitig auch interessant, mich einmal mit meinem Werbeprofil zu beschäftigen. Das kann ich jedem und jeder auch nur raten. Personalisierte Werbung kann sinnvoll und manchmal auch richtig hilfreich sein, letztlich sollte ich jedoch öfter mal in meinem Profil vorbeischauen und ausmisten.

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