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    FRAG MAL MONA
    „Mein Sohn wird immer aggressiver. Wie kann ich die momentan mangelnde Aufmerksamkeit durch das HomeOffice für meinen Sohn ausgleichen?"

    Die Familientherapeutin Mona Kino beantwortet eure Fragen und berichtet aus ihrer Perspektive. Es sind keine Lösungen im herkömmlichen Sinn (denn die eine Lösung gibt es nicht), vielmehr Anleitungen und Ideen dafür, den individuellen Lösungen in sich auf die Spur zu kommen.

    „Mein Sohn wird derzeit immer aggressiver. Wie kann ich die momentan mangelnde Aufmerksamkeit durch HomeOffice und HomeKita für meinen Sohn ausgleichen?“

    Liebe Mona,

     

    durch die Situation im Homeoffice wird mein Sohn (4 Jahre) aus mangelnder Aufmerksamkeit jeden Tag aggressiver. Wie kann ich das auffangen oder ausgleichen? Meine eigene Anspannung tut natürlich noch ihr Übriges. Es ist so schwierig, einem Kleinkind das alles hier zu erklären. Er kann sich mittlerweile auch nur noch schlecht selbst beschäftigen, vor lauter Videos- und Tablet-Parkzeiten. Ich habe einfach Angst, dass es immer schlimmer wird.

    Vielen Dank für deine Hilfe und liebe Grüße

    Katrin

    Liebe Katrin,

    Fast ein Jahr Homeoffice plus Kinderbetreuung ist selbst für die Mega-Positiv-Denkenden unter uns mehr als anstrengend. Zumal die meisten Arbeitgeber*innen, aber auch Arbeitnehmer*innen immer noch versuchen, die Quadratur des Kreises hinzubekommen.

    Und wenn ich mich in die Perspektive der Kinder hineinversetze, macht mich das auch wütend. So wie deinen Sohn. Weil dieses Paradox auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Denn: Das Eckige kann nicht ins Runde passen…vor allem, wenn die Leute, die von der „momentanen Notwendigkeit“ sprechen nicht etwa froh und bester Laune sind, sondern unzufrieden, müde und traurig aussehen.. Wäre ich wieder vier Jahre alt, würde ich vermutlich das Tablet auf den Boden schmeißen.

    Alle Eltern teilen derzeit die gleichen Sorgen

    Ich verstehe aber auch, dass du Angst davor hast, dass sich der Zustand bei euch zu Hause verschlimmert. Ich kenne keine Familie, die diese Angst oder Sorge nicht teilen würde.

    Was ich mich bei deiner Frage jedoch zuerst interessiert ist zunächst, ob du alleinerziehend bist, bzw. wie dein*e Partner*in diesen Zustand erlebt? Redet ihr darüber? Wer übernimmt bei euch die Verantwortung für das Wohl, die Gefühle, die Bedürfnisse eures 4-Jährigen? Und wie sieht die Akzeptanz der Doppelbelastung bei deinem/eurem Arbeitsplatz aus?

    Denn an diesen Stellen kann ganz viel Ausgleich stattfinden. Sofern man sich da zusammensetzt. Denn für mich sagt dein Sohn nichts weiter als: „Ich habe die Nase voll davon, dass du mir immer wieder das Tablet hinstellst; sag den anderen, dass sie jetzt zu warten haben. Und kuschele stattdessen mal in der Pause fünf Minuten mit mir.“ 

    „Keiner hat Schuld, aber alle tragen die Verantwortung“ Jesper Juul

    Meistens liegt nämlich genau da der Hase im Pfeffer (auch schon vor Corona!), weshalb Kinder zunehmend aggressiver werden.

    Es liegt ein ungelöster Konflikt auf der Erwachsenen-Ebene vor. Also in der Paarbeziehung und/oder am Arbeitsplatz. „Keiner hat Schuld, aber alle tragen die Verantwortung“, hat Jesper Juul einmal gesagt.

    Momentan tragen jedoch für die schlechte Atmosphäre zu Hause leider viel zu oft Kinder die Verantwortung- und die Schuld. Und das geht ja auch nicht. DENN: Für die Beziehungsqualität in der Erwachsenen-Kind Beziehung liegt zu 100% die Verantwortung bei den Erwachsenen.

    Geht es, dass ihr Erwachsenen euch einmal zusammensetzt, um eine Lösung zu finden? Beispielsweise, wenn du dich mit deinem Partner*in für das kommende Wochenende zu einem Spaziergang verabredest, einem guten Stück Kuchen, oder was auch immer euch schmeckt bzw. gefällt und du ihm/ihr sagst: „Ich bin überfordert, unzufrieden und unglücklich mit dem, wie es unserem Kind geht. Ich möchte gerne mit dir darüber sprechen, wie es dir mit der Aufteilung der Kinderbetreuung und dem Homeoffice geht. Ich möchte unserem Kind nicht mehr das Tablet geben – oder erklären, dass ich keine Zeit für ihn habe. Ich möchte Zeit für ihn haben, weil mich das glücklich(er) macht. Wenn ich glücklich bin, dann ist er es auch. Dann kann ich besser und effizienter arbeiten.“ 

    Gleiches könnest du auch ganz ähnlich deinem Arbeitgeber*in sagen. „Meinem Kind geht es emotional mit meiner Doppelbelastung nicht gut. Und dann kann ich nicht gut für Sie arbeiten. Ich möchte gerne mit Ihnen gemeinsam besprechen, was bei der Arbeit momentan Priorität hat und was wir eventuell weiter unten auf die Liste setzen können.“

    Die Erwachsenen müssen sich für eine Lösung zusammensetzen

    Ich weiß, das klingt ein bisschen utopisch, und ich höre schon die möglichen und durchaus berechtigten Antworten: „Na, du hast gut reden, du kennst meine*n Partner*in, meine*n Chef*in aber schlecht. Wenn ich das machen würde, dann haben wir drei Tage Regenwetter zu Hause oder ich werde gekündigt.“ 

    Ja, solche Partner*innen und Chef*innen gibt es. Leider. Aber die Frage für zu Hause ist dann eher die: Wenn du sowieso allein die Verantwortung trägst, weshalb wohnt ihr dann zusammen? Und bei der Arbeit ginge es vielleicht ja auch, dass du dich mit ein paar anderen Kolleg*innen zusammentust oder den Betriebsrat bittest, das Anliegen vorzutragen. 

    „Kinder sind nämlich nicht per se aggressiv. Sondern drücken sich auf diese Weise nur dann aus, wenn sie zu lange kooperiert haben.“

    Gerade Jungs wählen häufiger den wütenden Weg als Mädchen. Mädchen tendieren dazu, das dann in die Pubertät zu verlegen. Denn es bedeutet keineswegs, wenn ein Kind still und unauffällig durch diese Zeit navigiert, dass es ihm gut geht.  

    Kleinkinder verstehen die aktuelle Lage von Eltern noch nicht

    Erklärungen, da hast du ganz Recht, verstehen sie nicht. Dazu ist das Gehirn mit vier Jahren noch gar nicht in der Lage. Aber mit der „Sprache“, die ihnen von Geburt an zur Verfügung steht, der Gefühlsansteckung, spiegeln sie ihrem Umfeld, was sie erleben. Erst ab dem ca. 8. Lebensjahr können Kinder sich in die Perspektive anderer hineinversetzen. (Siehe MountainTask von Piaget)

    Kinder kooperieren aber immer

    Kinder kooperieren aber IMMER mit uns Erwachsenen. Das heißt, sie stellen ihre Bedürfnisse zugunsten unserer hintenan, damit es uns gut geht. Geht es uns gut, geht es ihnen gut. Aber momentan scheint mir, dass du weder mit deiner Homeoffice-Situation noch mit der Aufteilung der Kinderbetreuung mit dem Kindsvater zufrieden bist.

    Und das könntest du deinem Sohn dann heute Abend oder morgen Abend so oder so ähnlich sagen: „Hör mal, mein Schatz, ich verstehe, dass du wütend bist. An deiner Stelle würde ich vermutlich … (was auch immer dir hier einfällt, was du tun würdest oder getan hast, als du mit vier Jahren deinen Eltern deine Wut gezeigt hast.) Ich, nein, wir Erwachsenen haben dich ganz schön überfordert im letzten Jahr. Ich habe aber beschlossen, mich mit deinem Vater und meinem Arbeitgeber zusammenzusetzen, damit es uns allen mit dieser neuen Situation besser geht. Bisher haben wir gedacht, das sich die Situation mit Corona schneller wieder normalisiert und, dass alles irgendwie so weitergehen kann wie vorher, wenn wir uns nur ein bisschen anstrengen. Aber das tut es nicht. Danke, dass du mich dazu gebracht hast, mir darüber Gedanken zu machen, was ich verändern kann, damit es mir wieder gut geht, damit es dir gut geht und wir eine schöne Zeit zusammen haben.“

    Wir müssen kreativ sein

    Ich habe schon oft in meinem Leben im Tunnel gesessen und gedacht: „Oh Mann, da ist ja wirklich kein Licht am Ende zu sehen.“ Aber diesmal sehe ich eins. Wenn auch nur ein kleines. In ein paar Monaten wird es anders sein. Weil dann schon viele Menschen geimpft sind. Unsere Kinder werden wieder in die Kindergärten und Schulen gehen können und wir zur Arbeit ins Büro, ob das nun zu Hause sein wird – oder in einem anderen Gebäude. Und im Anschluss werden wir mit ein paar Freund*innen auf einen Schwatz zusammensitzen. Wir werden auch wieder ins Kino und in Restaurants gehen und in den Urlaub fahren. Bis dahin müssen wir da aber durch und alle gemeinsam unsere Kreativität an den Start bringen, damit keiner von uns darunter leiden muss. Die Kleinen nicht und die Großen auch nicht. Diese Zeit lehrt mich genau das: Im Leben geht es stets nur voran, wenn wir einen Fuß vor den anderen setzen.

    Herzlich, Mona

    VON MONA FÜR DICH

    Familie werden ist nicht schwer, Familie sein hingegen an manchen Tagen sehr.

    Die Fragen, die du manchmal hast, scheinen einerseits zu simpel, um sie jemandem zu stellen, und andererseits dann doch zu komplex zu sein, um sie allein zu bewältigen.
    Aus diesem Grund ist FRAG MAL MONA frei nach dem Motto der Sesamstraße entstanden: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

    Schick Mona deine Fragen an: redaktion@mother-now.de

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    Mona Kino ist Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin. Seit 2014 praktiziert sie TrainingEmpathy. Sie ist Trainerin, Supervisorin und Referentin für Teambuilding in der Erwachsenenbildung. Ihr Ziel ist, den Menschen ein stärkeres Selbstgefühl für ihre persönlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie jederzeit klare und für sie stimmige Entscheidungen im Miteinander treffen können. Sie ist Mutter von zwei Jugendlichen und schreibt, neben Drehbüchern, Artikel zum Thema Beziehungskompetenz und Empathie in Schule, Familie und Gesellschaft. www.monakino.de

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