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    Der ultimative Erziehungstip
    Es gibt unzählige Erziehungsratgeber und noch mehr gut gemeinte Ratschläge. Für alle die gerade ein Baby erwarten oder Eltern geworden sind, haben wir den einen Tip, auf den es wirklich ankommt

    Werden wir Eltern, bekommen wir nicht nur ein Baby und viel Verantwortung, sondern auch viele gut gemeinte Ratschläge. Nicht alle sind hilfreich oder sinnvoll, einige können auch Angst machen, überfordern oder sogar nerven. Diplom-Pädagogin und Familienhelferin Christine Foetzki ist selbst auch Mutter von zwei Teenager-Söhnen. Sie weiß wovon sie spricht, wenn sie uns den ultimativen Erziehungstip gibt…

     

    Durch meine Arbeit als Familienhelferin weiß ich, dass es eigentlich keine allgemein gültigen Erziehungstips gibt, denn jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind, einfach jede Familie ist anders, hat andere Schwierigkeiten und braucht individuelle Unterstützung. Aber, und das ist ein großes Aber, es gibt eine Ausnahme: einen einzigen Rat, der für alle Kinder und Eltern auf der ganzen Welt gleichermaßen gilt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dies wohl der wichtigste Ratschlag überhaupt ist.

    Viele denken jetzt sicher: Hä…

    das ist doch absolut selbstverständlich, denn Babys können ja noch nichts allein. Sie brauchen unsere Pflege und Versorgung, denn sie können sich nicht selbstständig essen zubereiten oder aufs Klo gehen. Sie brauchen unseren Schutz, denn sie können sich weder wehren noch fliehen.

    Babys brauchen auch unsere Körperwärme, unseren Geruch und unsere Geräusche (Stimme und Körpergeräusche), denn das ist ihnen vertraut und gibt ihnen ein sicheres, geborgenes Gefühl. Sie kennen es aus der Zeit, als sie noch im Bauch ihrer Mutter waren. Das Gehör ist bereits ab der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche ausgebildet. Bereits Neugeborene erkennen ihnen bekannte Geräusche wieder und reagieren positiv darauf. In der Regel ist es die Mutter, die in den ersten Lebensmonaten besonders viel Zeit mit dem Baby verbringt, insbesondere wenn sie es stillt.

    Aber auch der Vater mit seiner Stimme, seinem Geruch und seiner Körperwärme kann sehr beruhigend für sein Baby sein. Und weitere enge Bezugspersonen, wie z. B. die Großeltern, ältere Geschwister, Tanten und Onkel, Tagesmutter oder Tagesvater, Babysitter, enge Freunde oder Paten, können für ein Baby verlässliche Bindungspersonen werden. Es kommt weniger darauf an, wer, sondern viel mehr wie, also wie stabil, die Bindung zum Baby ist.

    Oh, wie süß! – Babys sprechen unsere Instinkte an und das ist von der Natur so vorgesehen

    Babys brauchen unsere Liebe und Fürsorge, deswegen sehen sie ja auch so unglaublich niedlich und süß aus. Sie lösen bei den meisten Menschen Entzückung, Zuneigung und positive Gefühle aus. Das ist tatsächlich von der Natur so angelegt. Babys haben das berühmte Kindchenschema: große Augen, rundliches Gesicht, kleine Nase und Mund, überproportional großer Kopf, kurze Arme und Beine und tollpatschige Bewegungen.

    Durch diese Schlüsselreize werden in der Regel die Beschützer-, Versorger- und Bindungsinstinkte ausgelöst – bei Tieren. Menschen haben im Laufe ihrer Menschwerdung die Instinkthandlungen verloren. Es gibt noch Instinkte, jedoch kein automatisiertes Verhalten, das bei bestimmten Schlüsselreizen zwangsweise abgespult wird.

    Manche Menschen haben ihre Instinkte verloren durch erworbenes Wissen, Angst und Unsicherheit, durch besondere Erfahrungen, zu viele Reize und Ablenkung, bestimmte physische und psychische Erkrankungen usw.. Dann reagieren sie auch auf ein Kindchenschema nur ganz schwach oder gar nicht. Oder sie nehmen es zwar wahr, aber entscheiden sich dennoch bewusst, gegen dieses zu handeln.

    Vielleicht weil sie in einem Ratgeber gelesen haben, dass es gut für die Lungen sei, das Baby eine Weile schreien zu lassen. Oder dass es wichtig sei, das Baby nicht zu sehr zu verwöhnen. Solche Erziehungsratgeber sind glücklicherweise sehr alt und längst überholt. Sie sind auch überhaupt nicht hilfreich, sondern schaden dem Baby sogar. Ein Baby kann man nämlich nicht zu sehr verwöhnen. Aber solche Inhalte werden leider oft von den Großeltern und Eltern weiter vermittelt und hängen in unseren Köpfen fest.

    Diese alten Merksätze sind falsch

    Selbstverständlich umsorgen fast alle Eltern ihre Babys, füttern, pflegen, tragen und lieben sie, die meiste Zeit. Wenn aber diese alten Merksätze (und ihr kennt sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch) irgendwo in unseren Hinterköpfen herumspuken, dann kann man das Kind vielleicht doch einmal weinen lassen oder ins Bettchen legen, auch wenn es schreit. So schreit es sich müde und schläft irgendwann ein. So hat man das schon immer gemacht. Das ist ja auch eine Ausnahme und wird schon nicht so schlimm sein. Das hat uns früher auch nicht geschadet.

    MUMMY MAG Urvertrauen Baby schreien
    Bild von joffi auf Pixabay

     

    So passiert es leider auch heute noch, dass man sein Baby schreien lässt, vielleicht nur kurz, weil man schon völlig k.o. ist, denn so ein Baby kann doch eine sehr, sehr anstrengende Angelegenheit sein. Dann blendet man seine Gefühle und diesen Funken seines Instinkts, nämlich das weinende Baby tröstend auf den Arm zu nehmen und gefühlt stundenlang durch die Gegend zu tragen, einfach aus und setzt sich mit einer Tasse Tee in die Küche oder mit einer Zigarette auf den Balkon. Wird schon nichts passieren, kann ja nicht abhauen, so ein Baby.

    Auszeiten sind essentiell

    Der Wunsch nach einer kleinen Auszeit ist für Menschen, die ein Baby versorgen, absolut legitim und sollte unbedingt ermöglicht werden. Sonst geht man irgendwann auf dem Zahnfleisch. Jedoch gilt zuallererst der ultimative Erziehungstipp: Neugeborene und Babys im ersten Lebensjahr brauchen immer die sofortige bedingungslose Erfüllung aller ihrer Bedürfnisse. Punkt.

    Die Betonung liegt hier auf IMMER, SOFORTIGE, BEDINGUNGSLOSE Erfüllung ALLER ihrer Bedürfnisse. Bei einem Baby, welches satt und frisch gewickelt ist und nach angemessen anregender Interaktion mit einer engen Bezugsperson in dessen Nähe (bestenfalls mit Körperkontakt) und in ruhiger warmer Umgebung einschläft, bei einem solchen Baby sind alle Bedürfnisse erfüllt und man kann sich selbst ausruhen. Für einen Moment.

    Bis das Baby wieder aufwacht. Bestenfalls ist man mit seiner Versorgung nicht allein, sondern teilt sich diese Aufgabe mit dem Vater und weiteren Bezugspersonen des Babys. Anders ist das doch auch kaum zu schaffen.

    Warum ist die Bedürfnisbefriedigung des Babys so wichtig?

    Wenn ein Neugeborenes auf die Welt kommt, dann kommt es aus einer völlig anderen, nicht vergleichbaren Umgebung. Es kennt nichts anderes als die Gebärmutter, eine sehr enge, dunkle Höhle. Dort war es, umgeben von warmem Wasser und den Körpergeräuschen der Mutter, einem ständigen leichten Schaukeln ausgesetzt.

    Immer wenn ich ein Neugeborenes sehe, dann versuche ich mir vorzustellen, wie das wohl sein muss, in einem Bettchen zu liegen, umgeben von kalter Luft in gefühlter unendlicher Weite. Es ist auf einmal ungewohnt hell und schaukelt auch gar nicht mehr. Plötzlich gibt es Gerüche und auch ganz andere Geräusche, die eigenen Geräusche mit einbezogen – denn ein Neugeborenes, das schreit, weiß noch nicht, dass es sich selbst hört.

    Es weiß noch gar nichts, es nimmt eine komplett fremde Welt wahr und fühlt einfach nur. Ja, was fühlt es wohl? Das muss der totale Super-GAU sein. Das Baby fühlt plötzlich auch ganz neue Empfindungen, wie Hunger und Durst, denn die All-inclusive-Versorgung durch die Nabelschnur wurde ja gekappt.

    In dieser absoluten Ausnahmesituation, wie gerade erst geboren worden zu sein, braucht man einfach sehr viel Unterstützung. Ein Neugeborenes braucht einen behutsamen Start ins Leben, so behutsam, wie es eben geht. Alles was ihm auch nur annähernd bekannt und vertraut vorkommt, wirkt sich positiv auf das Baby aus.

    Da hilft z. B., es einzupacken in eine kuschelige Decke oder dicht am Körper in einem Tuch zu tragen, um Wärme und Enge zu simulieren, und es zu schaukeln; oder es im Kinderwagen umherzufahren, um das sanfte Schaukeln zu simulieren. Es hilft auch, leise mit ihm zu sprechen, es nah am Körper halten, damit es vertraute Stimmen und Geräusche hört. Es zu füttern, wenn es Hunger hat, und zu wickeln, wenn nötig, damit es sich wohlfühlt. Es nicht zu vielen Reizen und um so mehr Routine auszusetzen, damit es sich sicher fühlt und nicht überfordert wird. In welcher Dosis, das hängt vom individuellen Charakter des Babys ab, aber das Grundprinzip ist stets gleich.

    Wenn ein Grundbedürfnis fehlt, dann wird es umgehend erfüllt. Wenn das Baby schreit, wird es getröstet auf die Art und Weise, mit der es sich am besten trösten lässt. Bis das Baby in der Welt angekommen ist, sich einigermaßen zurechtfindet und an Selbstsicherheit gewinnt (also sich seiner selbst sicher wird), vergehen mindestens ein bis drei Jahre. Vorher kennt ein Kind kein Zeitgefühl, keine Impulskontrolle, keinen Bedürfnisaufschub, keine Kausalzusammenhänge. All das muss es lernen. All das lernt durch die sichere Bindung an seine Eltern bzw. verlässliche Bezugspersonen. Immer wenn es allein gelassen wird, mit seinen unerfüllten Bedürfnissen, dann gerät es in großen Stress, dann hat es Todesangst, dann ist es mutterseelenallein.

    Urvertrauen

    Ein Neugeborenes wird in kurzer Zeit so unglaublich viel lernen. Sein gesamtes weiteres Leben wird sich darauf aufbauen. Aber das wichtigste und das allererste, was ein Baby lernen sollte, ist Vertrauen. Urvertrauen. Das ist das Fundament. Es sollte lernen, dass es in dieser ihm völlig fremden neuen Welt Menschen gibt, die es beschützen und versorgen. Einfach so. Bedingungslos. Es sollte lernen, dass immer jemand da ist, der ihm hilft, sein Unwohlsein und seine Angst loszuwerden, der ihm hilft satt und zufrieden zu sein und es zu trösten bei Schmerzen.

    „Urvertrauen entwickelt sich […] im sehr frühen Kindesalter durch die verlässliche, durchgehaltene, liebende und sorgende Zuwendung von Dauerpflegepersonen (zumeist den Eltern). Es verschafft die innere emotionale Sicherheit, die später zu einem Vertrauen in seine Umgebung und zu Kontakten mit anderen Menschen überhaupt erst befähigt. Urvertrauen ermöglicht angst-arme Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt.“

    wikipedia

    Nur so kann ein Mensch in seinem Leben Urvertrauen erlangen. Hat ein Baby dies am Anfang seines Lebens nicht erwerben können, dann wird es auch später nie dieses tiefe Vertrauen spüren können. Aber wenn ein Mensch Vertrauen in sich selbst, in andere Menschen und in die Welt gewinnt, dann kann er alles erreichen, alles erfahren und alles ausprobieren, was er will. Dann liegt die Welt ihm zu Füßen.

     

     

    Startbild by Colin Maynard on Unsplash
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